Tür ins Dunkel (Autor: Dean Koontz)
 
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Tür ins Dunkel von Dean Koontz

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Als Laura McCaffrey eines Tages zum Schauplatz eines Verbrechens beordert wird, brechen über der jungen Psychologin Hoffnung und Verzweiflung übereinander. Sechs Jahre sind nun schon vergangen, seit ihr Ex-Mann Dylan die gemeinsame Tochter entführt hat und mit ihr ins Ungewisse geflüchtet ist. Als Officer Dan Haldane sie nun tatsächlich in die Behausung ihrer geflüchteten Familie führt, rechnet Laura mit dem Schlimmsten. Drei unkenntliche Leichen, brutal zugerichtet und völlig entstellt säumen das Haus. Einer von ihnen ist Dylan, die anderen beiden zwei seiner anrüchigen Kollegen. Melanie hingegen wird mehrere Bocks entfernt entkleidet aufgestöbert. Noch am Schauplatz des Geschehens folgt für Laura dann der nächste Horror: Scheinbar haben ihr Mann und einige weitere Wissenschaftler eine ganze Reihe unmoralischer Versuche mit dem Mädchen durchgeführt, um mehrere zweifelhafte Thesen auf dem Gebiet der Verhaltensforschung zu analysieren. Möglicherweise ist genau dies auch der Grund für ihren grausamen Tod.

Haldane nimmt sich des Falles an, kommt daraufhin schon bald in Konflikt mit dem FBI und dem korrupten Leiter der örtlichen Polizeidienststelle. Doch beharrlich führen seine Ermittlungen noch am selben Tag vorwärts, werden jedoch durch einige weitere Todesfälle radikal ausgebremst. Doch wer ist der mysteriöse Mörder. Der Officer dringt schließlich in einen merkwürdigen okkulten Kreis ein, dessen Geheimnis das Schlüssel zur rasch gefolgten Mordserie zu sein scheint. Als Dan jedoch im Zuge seiner Schnüffeleien das wahre Ausmaß der Verschwörung erkennt und einen ernsten Verdacht hat, gerät selbst er in einen tiefen Schockzustand…

 

Rezension:

„Tür ins Dunkel“ ist einer der ersten echten Bestseller des amerikanischen Starautors Dean Koontz gewesen und erlebte innerhalb der vergangenen zwei Dekaden folgerichtig auch schon mehrere Auflagen. Das Alter der Geschichte lässt darüber hinaus darauf schließen, dass Koontz sich im eigentlichen Entstehungsjahr 1985 noch nicht so sehr an die wirklich übersinnliche Materie heranwagte, also dies, was uns heutzutage in den Medien als Mystery-Unterhaltung verkauft wird. Stattdessen hat er einmal mehr einen ziemlich rasanten, beklemmenden Thriller-Plot konstruiert, der nicht nur bloß von seiner wechselseitigen Story als einmal mehr von den wirklich stark eingeflochtenen Charakteren lebt.

Die gesamte Handlung ereignet sich derweil in einem ziemlich kompakten Zeitfenster. Vom ersten Mordfall bis hin zum Grand Finale vergehen im Roman nur wenige Stunden, so dass ein forsches Tempo von Beginn an gewährleistet ist. Und in der Tat nimmt der Autor (im übertragenen Sinne) kein Blatt vor den Mund, startet direkt mit dem schrecklichen Mordszenario im Hause von Dylan McCaffrey und erstellt um dieses erschreckende Ereignis herum sowohl die sehr individuellen Charaktere als auch die eigentlichen Stränge der Handlung. Dennoch lässt man sich mit den greifbaren Fortschritten der Story reichlich Zeit. Haldane tappt zwar nicht fortlaufend im Dunkeln, jedoch werden seine Ermittlungen ständig von irgendwelchen vermeintlichen Nebensächlichkeiten beeinträchtigt, die den Plot phasenweise scheinbar zum Stillstand bringen. Scheinbar…

Wie sich jedoch alsbald herausstellt, nutzt Koontz jedes noch so kleine Detail, um es an einem späteren Zeitpunkt der Geschichte wieder einzubauen und nach und nach unverhoffte Reflektionen in die Story zu integrieren. Der Kreis um Melanie, das missbrauchte, schwerstens genötigte Kind im katatonischen, bisweilen autistischen Zustand, schließt sich zwar erst zum Schluss, nicht jedoch, ohne nicht noch jede kleinste Facette ein weiteres Mal aufgegriffen zu haben.

Dennoch: Das Hauptaugenmerk in „Tür ins Dunkel“ liegt wiederum auf dem Charakterdesign. Koontz beschreibt faszinierende Kontraste, angefangen von der psychisch labilen Laura, über die völlig verstörte, düster verschleierte Melanie bis hin zum sarkastischen, zynischen Officer, der durch seine flotten Sprüche so manche Szene gekonnt auflockert. Derlei Humor ist schließlich auch eine wirkliche Seltenheit in der Biografie des Top-Autors, macht sich in der teils brutalen Story um das ungleiche Trio überraschend gut.

Der einzige Aspekt, der ein wenig Kritik verdient, ist die Darstellung des Übersinnlichen, hier schlicht „Es“ genannt. Der Autor lässt recht viel Interpretationsraum zu, was einerseits sicherlich von Vorteil ist, verpasst es dann aber, das Ganze konsequent auf den Punkt zu bringen, so dass das Finale andererseits ein wenig knapp und enttäuschend ist. Aber dies soll weder die beängstigend dichte Atmosphäre, noch den insgesamt wieder erstklassigen Lesegenuss in irgendeiner Form trüben.

 

Fazit:

Mit „Tür ins Dunkel“ wird Fans des begnadeten Horror-Autors ein kleiner Rückblick in die Frühphase des Autors gewährt. Erwartungsgemäß ist der Plot daher noch nicht ganz so heftig wie beispielsweise „Irrsinn“ und „Das Versteck“, nimmt sich aber dennoch das Recht heraus, an den gegebenen stellen mit brutalen Szenarien und heftigen Wendungen den Schockeffekt mächtig hochzutreiben. Die tatsächliche Überzeugungskraft gewinnt „Tür ins Dunkel“ allerdings durch die ungewöhnliche Charakterpräsentation, bei der Koontz einmal mehr geniale Resultate erzielte. Allein deswegen, natürlich aber auch wegen der fabelhaften Story, sollte man diesen brisanten Roman unbedingt gelesen haben.

 

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Tür ins Dunkel

Autor: Dean Koontz

Broschiert: 441 Seiten

Verlag: Heyne (August 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453721233

ISBN-13: 978-3453721234

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 11.03.2008, zuletzt aktualisiert: 05.05.2024 13:58, 6022