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Twelve Kingdoms, Vol. 2 (DVD)

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

In den mystischen Zwölf Königreichen strebt der Konflikt um die Krone von Kei seinem Höhepunkt entgegen und dann ist das Verschwinden des Heiligen Tiers Taiki zu klären.

 

The Twelve Kingdoms ist als Fernsehserie mit 45 Episoden konzipiert. Damit werden die Romane und Kurzgeschichten von Fuyumi Ono der Reihe bis etwa Band fünf adaptiert; es gibt jedoch klare Diskrepanzen. Auf DVD wird die Serie in insgesamt fünf Teilen zu je 2 DVDs mit neun Episoden veröffentlicht, d. h., der hier vorliegende zweite Teil enthält zwei DVDs, wobei die erste die Episoden 10 bis 13 und die zweite die Episoden 14 bis 18 enthält. Die Episoden der ersten DVD schließen direkt an den Episoden des ersten Teils an; hierin wird der Handlungsbogen des Kampfs um den Thron von Kei zu Ende geführt. Mit der zweiten DVD beginnt ein neuer Handlungsbogen. Hierin geht es um das Heilige Tier Taiki und den noch zu bestimmenden König von Tai. Episode 14 ist jedoch ein sonderbares Ding: Sehr knapp werden die wichtigsten Entwicklungen und Eigenarten von Land und Leuten zusammengefasst und eine kleine Vorausdeutung gemacht. Diese Episode kann der aufmerksame Zuschauer überspringen; wer das Gefühl hat, etwas nicht verstanden oder übersehen zu haben, kann hier sein Wissen auffrischen. Normalerweise würde ich die Episoden einzeln beschreiben, aber da sie in diesem Epos sehr eng zusammenhängen, differenziere ich in dieser Filmkritik nicht zwischen ihnen.

 

Nakajima Yoko wurde vom mysteriösen Keiki ins Land Ko, einem der zwölf magischen Königreiche, gebracht. Dort musste sich die japanische Schülerin zusammen mit ihren Klassenkameraden Sugimoto und Asano durchschlagen, denn der König von Ko kann solche Besucher nicht ertragen. Nach anfänglichen direkten Angriffen, die alle von Yoko abgewehrt wurden, zog der König die eifersüchtige Sugimoto auf seine Seite: Sie sei die wahre Auserwählte. Die oberflächliche Yoko, die es allen recht machen wollte, scheiterte zusehends – sie wurde ausgenutzt und ihr Leben in Gefahr gebracht, bis sie beschloss hart und rücksichtslos zu werden. Bevor sie aber völlig korrumpiert werden konnte, lernte sie den Hanjyuu Rakushun kennen, der ihr den Wert echter und tiefer Freundschaft begreiflich machte. Von der Möchtegernheldin Sugimoto und Dämonenhorden mit Mordauftrag verfolgt flüchteten die beiden ins Land En, wo Yoko offenbart wurde, dass sie von Keiki, dem Heiligen Tier von Kei, dazu auserkoren wurde die neue Königin von Kei zu werden. Die bisherige Königin sei nur eine Usopatorin, die mit einem Fluch Keiki an sich gebunden und so das Volk getäuscht hatte. Shoryu, der König von En, der selbst vor 500 Jahren aus Japan kam, versucht Yoko verständlich zu machen, was es für ihr Königreich und für Keiki heißen würde, wenn Yoko den Königstitel endgültig ablehnen würde. Außerdem bietet er ihr die Unterstützung seiner Armee an, wenn sie gegen die Usopatorin vorgehen wolle.

Doch auch im Königreich Tai steht es nicht zum Besten: Taiki, das Heilige Tier, versprach zunächst großes Glück, denn er hat schwarze Haare, aber kurz nach seiner Geburt trug ihn ein magischer Sturm nach Japan. Seine Nyokai Sanshi ist höchst besorgt um ihn. Als er nach zehn Jahren endlich zurück zum Berg Ho geholt werden kann, ist fraglich ob er seiner Aufgabe als Heiliges Tier noch gerecht werden kann – und für das Land Tai einen guten König auswählen kann.

 

Die Zwölf Königreiche wurden vom Himmel erschaffen und sind von Magie durchdrungen. Dieses zeigt sich am deutlichsten am Verhältnis zwischen Heiligem Tier, König und Land. Ohne einen König verkommt das Land, mit einem schlechten König, der zu hart oder zu zögerlich regiert, auch. Damit ein Königreich gedeiht, muss der König streng, aber mitfühlend herrschen, er muss immer zum Wohle des Volkes handeln, darf aber keine Laxheiten durchgehen lassen. Um einen solchen König – oder eine solche Königin, der Himmel ist nicht sexistisch – auf den Thron zusetzen, wird dem Heiligen Tier, einem asiatischen Einhorn, vom Himmel die Macht verliehen, einen Menschen mit geeignetem Charakter auszuwählen. Diesem Herrn dient das Heilige Tier so lange, bis der König stirbt – und das kann lange dauern, da ein guter König nicht altert, nicht erkrankt und nur durch eine Enthauptung getötet werden kann. Doch mit der Inthronisierung wird nicht die Willensfreiheit genommen; es steht dem Herrschenden immer noch frei schlecht zu handeln. Der König von Ko ist beispielsweise ein Mann mit viel Stolz und Eitelkeit: Er kann Taika, also in Japan geborene Wesen, nicht neben sich dulden. Gibt er seinen negativen Neigungen nach, dann beginnt das Heilige Tier krank zu werden und das Königreich zu verkommen. Sollte das Heilige Tier je sterben, stirbt auch der König.

Die zahlreichen phantastischen Elemente sind eine der Stärken des Animes: Bizarre und groteske Dämonen treten in Hülle und Fülle auf. Fliegende Zebra-Tiger werden als Reittiere genutzt und sonderbare Hybridwesen wie Sanshi, die den Oberkörper einer Seejungfrau, den Leib eines Leoparden und den Schwanz einer Eidechse hat, versetzen den Zuschauer immer wieder ins Staunen. Viele dieser Elemente entstammen fernöstlichen Mythen und Sagen.

 

Mit dem Wechsel der Handlungsbögen werden auch viele neue Figuren eingeführt. In den ersten Episoden bleibt vor allem Nakajima Yoko, die designierte Königin von Kei, wichtig, sie wird allerdings nicht weiterentwickelt: Nach allem, was sie erlebt hat, besonders in der Zeit, als sie hart und rücksichtslos sein wollte, fragt sie sich, ob sie eine mitfühlende Königin sein kann. Ihr gestaltwechslerischer Freund Rakushun gibt ihr einen wichtigen Rat, aber noch wichtiger ist wohl eine Erkenntnis, die Yoko aus dem selbstsüchtigen Handeln ihrer Feindin und ehemaligen Klassenkameradin Sugimoto erhält. Die Handlung treiben sowohl Rakushun als auch Sugimoto nicht mehr voran; nur Sugimoto macht noch eine bedeutende Entwicklung durch. Im zweiten Handlungsbogen ist Taiki die wichtigste Figur, wenn auch nicht so zentral wie Yoko im ersten. Taiki ist ein ungewöhnliches Heiliges Tier: Er hat schwarze Haare, was Glück verheißt. Kurz nach der Geburt verschlägt es ihn nach Japan, wo er für zehn Jahre als eigenbrötlerischer und störrischer Junge lebt. Zurück beim Berge Ho gefällt es ihm viel besser: Er freundet sich schnell mit seiner Nyokai Sanshi und Yoka an, aber auch mit den anderen Priesterinnen kommt der nette und höfliche Junge gut aus. Doch er kann sich nicht in seine natürliche Form verwandeln und fürchtet stets den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Hier gibt es deutlich mehr auftretende Figuren, die zwar immer noch vielschichtig sind – wer hätte gedacht, dass Keiki den Tadel der Priesterinnen fürchtet – aber nicht mehr so detailliert charakterisiert werden.

 

Im Vergleich zu den Episoden des ersten Teils gibt es in denen des zweiten nicht so viele unterschiedliche Spannungsquellen. In erster Linie werden hier die mystischen Strukturen der Zwölf Königreiche vorgestellt, d. h. es geht um verschiedene Ausformungen von Wundern. Erst in zweiter Linie geht es um die Figuren und deren Entwicklungen wie auch die politisch-mystischen Probleme. Dabei wird ungewohnt an verbreitete Motive herangegangen, was am Streit um den Thron von Kei besonders deutlich wird: Zwar gibt es eine Schlacht zwischen den Truppen, die Yoko unterstützen, und denen, die die Usopatorin unterstützen, aber diese findet off-scene statt – über den Sieg entscheidet nicht die Stärke des Militärs, sondern die Festigkeit des Charakters. Überhaupt werden einige typische Motive auf den Kopf gestellt: Es werden keine langwierigen Schlachten gezeigt, es wird nur eine angedeutet; die Siegerin feiert nicht ihren Triumph, sondern spürt die Last der Verantwortung und trauert um die vielen Toten; es gibt kein Blaues Blut – die Herrschaftswürde wird nicht von den Eltern vererbt, sondern vom Himmel verliehen: Die Tochter eines Händlers kann eine bessere Herrscherin sein, als ein General.

Die Umsetzung ist aber manchmal etwas holprig. So gibt es am Anfang einen sehr langen Informationsblock und überhaupt sehr viele Hintergrundinformationen, der Plot tritt zuerst auf der Stelle und dann wird der Kampf um den Thron plötzlich sehr schnell abgewickelt und zum Teil sogar nur knapp zusammenfassend von wichtigen Ereignissen berichtet.

Der zweite Handlungsbogen läuft dann wieder so rund die der erste zu Beginn; da die Geschichte breiter angelegt zu sein scheint, kommt er allerdings nur langsam in Fahrt.

 

Die optische Gestaltung ist sehr durchwachsen. Einerseits gibt es viele Standbilder und die Animationen wirken z. T. auch ungelenker als in den ersten Episoden, aber dann werden immer wieder Bilder im Stile fernöstlicher Aquarelle eingeflochten, die den Zuschauer verzaubern: eine Pagode vor kaltblauem Hintergrund, aus der weißes Licht strahlt, der majestätische Berg Ho, das Himmelsmeer. Auch wenn die Standbilder nicht allzu sehr stören, da sie generell Infoblocks illustrieren, und einzelne Bilder für einiges entschädigen, bleibt zu hoffen, dass die Serie zum optischen Niveau der ersten Episoden zurück findet, was vor allem die den klugen Einsatz von Standbildern und ungewöhnliche 'Kameraperspektiven', die hier völlig fehlen, betrifft.

 

Die DVDs bieten nicht viel Bonus-Material: Es gibt eine Galerie und ein paar Trailer anderer von AV veröffentlichter Animes. Die Tonspur ist auf Japanisch, Deutsch und Französisch gibt es nur in Untertiteln. Es gibt wiederum ein schönes neunundzwanzigseitiges Booklet, das neben einem Begriffslexikon, Episodenguide und Dramatis Personae die Wurzeln des Epos, eine Biographie der Autorin des Epos und mögliche Einstige in das Epos diskutiert. Das Booklet gleicht das wenige Bonus-Material mehr als aus.

 

Fazit:

Yoko reift langsam zur Königin heran, doch wird sie auch den moralischen Anforderungen standhalten können? Unterdessen ist auch das Land Tai seit Jahren ohne König, da sein Heiliges Tier für zehn Jahre in Japan als Mensch lebte – kann es den Auftrag des Himmels noch erfüllen? Auch wenn die Reihe nicht ganz an das Niveau der ersten Episoden heranreicht – der Plotfluss ist zu unregelmäßig, es fallen Spannungsquellen weg und die optische Umsetzung ist schwächer – bleibt es immer noch ein sehr sehenswertes Epos voller exotischer Wunder und subversiver Auflösungen von Klischees, das den Zuschauer im Laufe von Taikis Handlungsbogen wieder zu packen vermag.

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DVD:

Twelve Kingdoms, Vol. 2

Regisseur(e): Tsuneo Kobayashi

Format: Dolby, HiFi Sound, PAL

Region: 2

Bildseitenformat: 4:3

Anzahl Disks: 2

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Studio: AV Visionen GmbH

DVD-Erscheinungstermin: 18. März 2005

Spieldauer: 225 Minuten

ASIN: B0002X7JS6

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.03.2008, zuletzt aktualisiert: 05.08.2019 20:30