Underdogs von Markus Zusak

Die Wolfe-Trilogie

 

Rezension von Christel Scheja

 

Seit dem Erfolg seiner Romane „Die Bücherdiebin“ und „Joker“ ist der australische Autor Markus Zusak bei Lesern und Kritikern gleichermaßen beliebt. Mit „Underdog“, dem Buch, dass die drei Novellen „Underdog“, „Vorstadtfighter“ und „When Dogs Cry“ vereint, gibt er einem ganz neuen ungewöhnlichen Charakter eine Stimme, einem Jungen, der in einem der heruntergekommenen Viertel der Stadt lebt.

 

Cameron und sein Bruder Ruben leben am Rande der Stadt. Ihre Familie kommt gerade einmal über die Runden und die beiden Jungen wissen nicht sonderlich viel miteinander anzufangen. Immerhin haben sie sich in dieser Welt, in der man schnell den Ruf einer „Schwuchtel“ oder eines „Waschlappen“ haben kann und dem entsprechend behandelt wird. Das hat sie geprägt, und so träumen sie davon auf eine ganz eigene Weise cool zu sein, auch wenn sie ihre Phantasien nie wirklich umsetzen – bis zu dem Tag, an dem sie mit illegalen Hunderennen und schließlich auch Boxkämpfen in Berührung kommen.

Cam schmerzt vor allem, dass er überall immer nur der Verlierer ist, während sein Bruder Rube immer mehr glänzt. Aber dann, als er sich ausgerechnet in das Mädchen verliebt, dass gerade mit diesem zusammen ist, scheint seine Stunde gekommen zu sein – doch um welchen Preis?

 

Markus Zusak schildert die Geschichte von zwei Jungen, die keine rosigen Aussichten in ihrem Leben zu haben scheinen und immer wieder mit Armut konfrontiert werden. Deshalb spielt Geld eine wichtige Rolle – und dieses zu beschaffen scheint ein Hauptanliegen in den ersten zwei Novellen zu sein.

Denn weder Cam noch Rube wissen wirklich, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, bei ersterem kommt dazu, dass er im Prinzip immer der Underdog ist, der von allen anderen gedeckelt wird. Aber die Familie und auch Ruben geben Cameron wenigstens genug Halt, um sich doch irgendwie durch zu wurschteln und doch noch einmal Lichtblicke zu sehen.

Die Charaktere sprechen eine einfache und überschaubare Sprache. Er versteht es aber gerade damit, sie lebendig werden zu lassen und ein Gefühl einzufangen, dass viele Altersgenossen kennen dürften.

Gerade die konsequente Sicht aus den Augen der beiden Jungen, speziell Camerons macht den Roman endlich auch einmal interessant für männliche Leser. Denn selbst wenn es um Liebe geht, dann auf die eher nüchterne und derbe Art, die unter jungen Männern vorherrscht und nicht romantisch verbrämt.

Die Geschichte wird schnörkellos und direkt erzählt, sie bietet immer wieder nette kleine Hoffnungsschimmer, bleibt aber auch auf einem realistischen und nüchternen Niveau, das sich „echt“ anfühlt. Cameron und seine Familie leben auf den Schattenseiten der Stadt, sie versuchen in kleinen Dingen Freude zu finden und einen Weg für sich aus dem Dilemma zu finden, so wie man es oft bei den unteren Schichten sieht. Auch wenn sie rau miteinander umgehen, der Zusammenhalt ist doch immer dann spürbar, wenn einer von ihnen in Not gerät und die Hilfe der anderen braucht.

 

Fazit:

»Underdogs« ist damit eine ansprechende Sammlung realistisch erzählter Novellen, die endlich auch einmal jungen Männern eine Stimme und Lesern im gleichen Alter glaubwürdige Identifikationsfiguren gibt. Auch wenn vieles alltäglich scheint – spannend sind die Erlebnisse von Cam und Rube doch – wissen sie doch von der ersten bis zur letzten Seite durch ihre dichte und authentische Atmosphäre zu fesseln.

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Eure Meinung:

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Buch:

Underdogs

Die Wolfe-Trilogie

Original: The Underdog, 1999; Fighting Ruben Wolfe, 2000; When Dogs Cry, 2001

Autor: Markus Zusak

Taschenbuch, 514 Seiten

cbt, Januar 2019

Übersetzung: Alexandra Ernst und Ulrich Plenzdorf

 

ISBN-10: 3570313018

ISBN-13: 978-3570313015

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07GBXFCQ9

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54 | Users Online
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