Unter dem Vollmond von Linda Budinger

Reihe: Ars Litterae Bd. 5

Rezension von Carina Schöning

 

„Unter dem Vollmond“ ist der neueste Roman der deutschen Autorin Linda Budinger und zugleich der fünfte, in sich abgeschlossene Band der „Ars Litterae“ Reihe des Sieben Verlages.

 

Die junge Krankenschwester Verena Seiler studiert tagsüber Medizin und schuftet nachts auf der Notfall- Station des Blankenrainer Krankenhauses, um sich überhaupt das anspruchsvolle Studium leisten zu können. Für Freundschaften oder Beziehungen bleibt da wenig Platz und zudem wirkt die junge Studentin auch immer ein wenig seltsam oder unheimlich auf ihre Mitmenschen. Vor einigen Jahren hat sie bei einem Autounfall nicht nur beide Elternteile und die jüngere Schwester verloren, sondern auch plötzlich eine spezielle Gabe erhalten, die es ihr seitdem ermöglicht instinktiv die Aura eines Menschen zu lesen. Das ist nachts auf der Station zwar sehr nützlich, wenn man weiß, wo beim Patienten die gefährliche Verletzung ist oder wie lange er noch zu leben hat, aber gleichzeitig auch ziemlich unheimlich. Ihre Kolleginnen aus der Schwesternabteilung tuscheln und lästern über die junge Studentin und ihren Vorgesetzten ist Verenas beruflicher Ehrgeiz ein Dorn im Auge. Zudem hat ihr der Autounfall auch eines der Knie zertrümmert, so dass sie in ihrem Alltag auch noch zusätzlich gehandicapt ist.

Eines Nachts stößt Verena bei ihrem Nachhauseweg auf einen seltsamen Fund. Der „Lumpensammler“ hat wieder in Blankenrain zugeschlagen und eine Leiche in handliche Stücken zerteilt zurückgelassen. Die Studentin hört plötzlich Schritte hinter sich und flieht trotz ihrer Behinderung schnellstmöglich in eine nahe Bäckerei, um die Polizei verständigen zu können. Doch damit geht der Ärger erst richtig los los. Für die Presse ist die junge Studentin mit ihrer Gabe und ihrem Handicap anscheinend ein gefundenes Fressen und Verena wird immer mehr belagert. Auch das Krankenhaus steht diesem Trubel eher kritisch entgegen und kündigt schließlich ihrer Mitarbeiterin. Doch kaum arbeitslos geworden, findet Verena auch schon eine neue attraktive Anfrage in ihrem Briefkasten. Sie soll eine ältere Frau mitten auf einem herrschaftlichen Landsitz in der malerischen Lüneburger Heide pflegen, inklusive guter Bezahlung und genügend Freizeit für ihr Studium. Die Chance lässt sich Verena natürlich nicht entgegen und rennt mitten in ihr Unglück.

 

Der Titel „Unter dem Vollmond“ lässt einen als Leser spontan an heulende Werwölfe denken, doch diese haben erst am Schluss einen kurzen Auftritt. Der Roman ist vielmehr ein klassischer Mystery-Thriller mit einigen wenigen Horror-Elementen. Natürlich stecken hinter dem verlockenden Angebot ganz eigene Pläne. Der Hausherr Wolf von Hagendorf, ein charismatischer und intelligenter Wissenschaftler und seine betagte Mutter Sidonie leben mit wenig Hauspersonal in dem schönen, wie auch unheimlichen Landsitz. In den verwinkelten Gängen und Kellergewölben geht es natürlich nicht mit rechten Dingen zu und Verena tappt allzu leichtsinnig in die offene Falle. Die Handlung ist dabei gut aufgebaut und die routinierte Autorin steigert trotz der eher langsamen Erzählweise stetig die Spannung. Die gehandicapte Heldin wird durch seltsame Zufälle immer mehr von der Außenwelt abgeschnitten und empfindet zudem bald schon mehr als einfache Loyalität oder Freundschaft für den zwielichtigen Hausherrn mit seinen seltsamen Marotten und Ansichten. Viele Anspielungen auf bekannte Romane, Filme und Theaterstücke fallen dabei und die sensible, wie auch selbstbewusste Heldin kommt sich teilweise selbst wie eine Hauptfigur aus einem klassischen Schauerromans des 19. Jahrhunderts vor. Für Unwissende werden diese aber zum Teil in dem hinteren Glossar kurz vorgestellt und erläutert. Thematisch gibt es hier also nicht viel Neues zu entdecken, aber die Umsetzung ist rundherum gut gelungen. Die Figuren sind insgesamt vielschichtig gestaltet und agieren durchaus nachvollziehbar. Auch sprachlich kann der schmale Roman überzeugen. Modern und flüssig gehalten, sind die rund 200 Seiten schnell in einem Rutsch gelesen. Einziger und gleichzeitig auch größter Kritikpunkt ist jedoch der abrupte Schluss des Romans. Die sorgsam aufgebaute Spannung verpufft angesichts der raschen Auflösung und man bleibt als Leser leider ein wenig verdutzt oder auch enttäuscht zurück

 

Insgesamt ist „Unter dem Vollmond“ ein spannender Mystery-Thriller mit bekanntem Setting und einer sympathischen Heldin. Abgesehen von dem unausgegorenen Schluss ist der Roman gut gelungen und bietet fesselnde Unterhaltung.

 

 

 

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Roman:

Unter dem Vollmond

Reihe: Ars Litterae Bd. 5

Autor Linda Budinger

Deutsche Originalausgabe 2010

Cover- und Innengrafiken Andrä Martyna

Coverlayout Atelier Bonzai

Sieben Verlag

Paperback, 199 Seiten

ISBN 978-3-940235-91-6

Preis 14,90 EUR

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 27.11.2019 19:45 | Users Online
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