Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis die Comicwelt das Universum des Films Blade Runner entdeckt hat. In den letzten Jahren sind dafür gleich mehrere Werke erschienen, die in dieser dystopischen Zukunft spielen. Zu diesen zählt auch die Reihe Blade Runner 2039, die nun mit dem zweiten Band Upgrade weitergeht. Der skrupellose Niander Wallacer und seine »Blade Runner«-Replikanten Luv sind beim Versuch, Cleo Selwyn aufzuspüren, im letzten Band vorerst gescheitert. Deswegen stellt Wallace seiner Jägerin eine besondere Mitstreiterin zur Seite. Dabei handelt es sich um eine Replikanten-Variante der ehemaligen »Blade Runnerin« Ash Ashina. Die war durch eine Replikantin bekehrt worden und kämpft jetzt für die Freiheit der künstlichen Wesen. Doch auf ihrer Mission holt sie ihre düstere Vergangenheit ein.
Auch die Story des zweiten Bandes stammt von Mike Johnson, der nicht nur das Comicuniversum von Star Trek bereichert hat, sondern auch schon zuvor Geschichten zu »Blade Runner« verfasst hat. Dadurch knüpft die Geschichte nahtlos an die bisherigen Ereignisse an. Reizvoll spielt Johnson dieses Mal mit Gegensätzen. Besonders gelungen ist das bei der Gegenüberstellung von »Ash« als Mensch und Replikant. Hier trifft nicht nur künstlicher auf »echter« Mensch, sondern gleichzeitig auch Vergangenheit auf Gegenwart beim Kampf um die Zukunft. Der Sprung in »Ashs« Historie macht in der Geschichte ebenfalls Sinn und vertieft das Leseerlebnis. Zudem liefert Johnson gegen Ende eine gelungene Actionsequenz. Bis dazu kommt, verläuft die Story aber an einigen Stellen etwas zu ereignislos. Zum (besseren) Verständnis der Geschichte gibt es zu Beginn zwar eine ganzseitige Einordnung. Allerdings ist es dennoch hilfreich, nicht nur den ersten Band von »Blade Runner 2039«, sondern auch die sonstigen Comics um »Ash« zu kennen.
Als Zeichner ist erneut Andres Guinaldo für die visuelle Umsetzung verantwortlich. Das sorgt nicht nur für Kontinuität, sondern auch für zahlreiche stimmungsvolle Panels. Damit gelingt es dem Spanier besonders gut, den Antagonisten Niander Wallacer als düsteren Antagonisten im Hintergrund darzustellen, dessen Gesicht fast durchgehend im Dunklen liegt. Auch die (wenigen) Actionsequenzen überzeugen und entfalten durch stakkatoartige Perspektivwechsel Dynamik. Etwas enttäuschend fallen allerdings einige XL-Bilder aus. So hätte ein Blick aus der Vogelperspektive auf das zerstörte San Francisco gerne detailreicher ausfallen dürfen.
Wunschlos glücklich dürfte das Lesepublikum hingegen angesichts des gewohnt reichhaltigen Bonusmaterials sein. Denn hier gibt es nicht nur Informationen zu den Kreativen und eine lange Cover-Galerie. Besonders aufschlussreich ist wieder der Bereich Vom Skript zur Zeichnung. Hier lässt sich miterleben, welche Vorgaben Johnson für einzelne Seiten macht, wie Guinaldo diese jeweils umsetzt und Panels so von der Bleistiftzeichnung bis zum getuschten Endresultat Gestalt annehmen.