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Urban Gothic von Brian Keene

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

So erfolgreich Brian Keene mit seinen bislang veröffentlichten Romanen und Stories auch gewesen sein mag – dem glatt polierten Massengeschmack hat er sich trotzdem nicht angepasst. Anders, als die Legionen anderer Autoren, pfeift Keene weiterhin auf aktuelle Trends und Modeerscheinungen in der Phantastik und produziert das, was seine Fans wollen – rohen, ungeschliffenen, temporeichen Horror. Sein neuester Roman, Urban Gothic macht da keine Ausnahme.

 

Es beginnt mit einer Autofahrt. Die sechs jungen Erwachsenen Javier, Brett, Kerri, Stephanie, Heather und Tyler befinden sich auf dem Rückweg von einem Hip Hop-Konzert, als Tyler auf die Idee kommt, einem alten Kumpel einen Besuch abzustatten – und eventuell ein wenig Gras abzugreifen. Dumm nur, dass Tyler lediglich sehr marginal den Wohnort seines Freundes kennt und keine Karte oder ein Navigationsgerät zur Hand hat. Folglich verfranst sich das Sextett immer mehr in die von Armut und Verfall geprägten Slums der Stadt; Orte, die man nachts besser nicht aufsuchen sollte. Auch mit dem Handyempfang ist es dort nicht gerade ums Beste bestellt. Schlechte Aussichten also, wenn der eigene fahrbare Untersatz den Geist aufgeben sollte – wie in diesem Falle Tylers Kombi. Und wenn sich dann auch noch zusätzlich ein paar finstere Gestalten aus der Nacht schälen, dürfte guter Rat wohl besonders teuer sein, oder?

Das die unbekannten Gestalten jedoch nichts Böses im Schilde führen, sondern tatsächlich helfen wollen, bekommen Tyler und Co. schon gar nicht mehr mit, da sie vorzeitig die Flucht nach vorne antreten. Auf der Suche nach einem halbwegs sicheren Unterschlupf stoßen sie dabei auf ein abseits gelegenes, äußerlich noch verwahrlosteres Haus als die anderen der Gegend. Doch kann man in solch einer Lage nicht wählerisch sein. Dass die jungen Leute damit allerdings vom Regen in die Traufe geraten sind, ahnen sie (noch) nicht. Denn jenes Gebäude hat eine ganz besondere Vergangenheit. Eine Vergangenheit, welche auch die Anwohner kennen und daher auch bewusst einen Bogen um den Kasten machen – und um jene, durch jahrzehntelange Unzucht entartete Gestalten, die dort drin hausen und nur auf Frischfleisch gewartet haben …

 

Kennt jemand Edgar Wrights Don’t, den gefakten Trailer zu den beiden „Grindhouse“-Filmen? Keenes Roman beackert praktisch das gleiche Terrain – mit einem gewaltigen Unterschied. Wo Wright bewusst überspitzt an die Sache herangeht, und sein Trailer dadurch gewollt amüsant erscheint, bleibt Keene todernst und nüchtern. Dass solch ein Unterfangen allerdings auch schnell in die Hose gehen kann, muss wohl nicht erwähnt werden. Unzählige, größtenteils auch schon längst wieder vergessene Romane sind Beweis genug dafür. Doch Keene ist mittlerweile als Schriftsteller zu sehr gereift, um Schiffbruch zu erleiden. Wenn es da ein altes Haus mit deformierten Kannibalen gibt, dann ist dem halt so; dann kauft man es Keene ab. Einen großen Beitrag zur Überzeugung des geneigten Lesers leistet dabei erneut seine Fähigkeit, Pro- und Antagonisten überzeugend darzustellen. Er weiß um die Klischees, hat wahrscheinlich selbst den Kanal voll von ihnen, also setzt er sie nicht ein. Das spricht für den Schreiber und wirkt, verglichen mit anderen Werken, einfach erfrischend. Gleichzeitig findet Keene immer wieder kurze Momente, um auf die gegenwärtige Lage in der amerikanischen Mittel- und Unterschicht aufmerksam zu machen, ohne dabei etwas zu beschönigen oder den Bogen zu überspannen. Der Mann mag Amerikaner sein – von einem beschönigenden Patriot mit Tomaten auf den Augen ist er meilenweit entfernt. Ein sozialkritischer Pamphlet ist „Urban Gothic“ aber keinesfalls geworden. Und auch kein Werk für die Twilight-Leserschaft. Keenes Tempo ist mörderisch und sein Bodycount ebenso hoch wie grausam. Kein Zweifel: Der Mann hat seine Laymons und Ketchums gelesen, ebenso wie ihm wohl auch Streifen wie The Hills have Eyes oder die spanische Kult-Splattergranate Invasion der Zombies wertvolle Dienste geleistet haben. Allerdings kupfert Keene nicht schamlos ab, sondern kreiert etwas gänzlich Eigenständiges. Und geht noch ein mächtiges Stück heftiger zu Werke. Kunststück, bei diesem irren Mutantenclan, gegen den selbst seine Siqquism-Zombies in puncto Gemeinheit stellenweise das Nachsehen haben.

 

Fazit:

Ein weiterer Pageturner aus dem Hause Keene also – und besonders wertvoll für alle, die ihren Horror schnell, dreckig, gemein, blutig und gut geschrieben haben wollen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Urban Gothic

Autor: Brian Keene

Taschenbuch, 301 Seiten

Leisure Books, 1. August 2009

Sprache: Englisch

 

ISBN-10: 0843960906

ISBN-13: 978-0843960907

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 22.10.2009, zuletzt aktualisiert: 12.02.2016 14:16