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Vatikan – Die verborgene Welt

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Der Vatikan ist der kleinste Staat der Welt, aber um keinen Ort der Erde ranken sich mehr Geheimnisse und Legenden als um die wenigen Quadratzentimeter, die das Zentrum der katholischen Kirche darstellen.

Es gehört zur Politik des Vatikan, sich von der Öffentlichkeit weitestgehend abzuschotten und auch der Presse gegenüber nur ein ganz bestimmtes Bild vermitteln zu wollen.

Aus diesem Grund wird auch nur wenigen Fernsehteams erlaubt, sich dort umzusehen und eine Reportage zusammen zu stellen.

 

Im Jahr 2010 gelang es Richard Ladkani nach vielen Verhandlungen und Absprachen im Vatikan selbst drehen zu dürfen. Die Reportage für den Bayrischen Rundfunk zeigt weniger das Leben des Papstes, als der Menschen um ihn herum. Im Mittelpunkt stehen zum Beispiel eine Journalistin, die für den vatikaneigenen Rundfunk arbeitet, der persönliche Fotograf des Papstes, der Sicherheitschef, der penibel darauf achten muss, dass der Papst selbst in seiner Mittagspause unauffällig aber ausreichend bewacht werden muss, und nicht zuletzt einer der wenigen Ministranten, die im Vatikan selbst lernen und dienen dürfen.

Er verfolgt einige Zeitabschnitte im Leben dieser Personen, zeigt, warum die Sicherheitsbestimmungen heute so scharf geworden sind und wie es den Kräften gelingt, einerseits auf den Papst zu achten und ihm andererseits so viel Privatsphäre wie möglich zuzugestehen. Der Fotograf erzählt von seiner Aufgabe, die oftmals nicht so einfach ist, wie sie aussieht und doch immer wieder interessante Aspekte aufwirkt. Er kommt den mächtigen Personen der Welt sehr nahe, darf aber nicht auffallen.

Die Journalistin begibt sich auf Spurensuche nach den ersten Frauen, die im Vatikan gearbeitet haben und macht dabei eine erstaunliche Entdeckung, mit der selbst sie nicht gerechnet hat.

Der Traum des jungen Ministranten ist es, einmal an einer Papstmesse teilzunehmen und so dem Oberhaupt der Kirche ganz nah kommen zu dürfen. Sein Traum erfüllt sich, aber dafür hat er ein Leben auf sich genommen, das durch viele Pflichten gefüllt wird und ihm wie auch den anderen kaum Freizeit gewährt.

Allen gemeinsam ist der fest und tiefe Glaube und die innere Zufriedenheit an diesem Ort arbeiten zu dürfen.

 

Wirklich viel Kritik sollte man von der Dokumentation allerdings nicht erwarten. Zwar werden die Skandale um Missbrauch und Misshandlung durch Priester und Angestellte der Kirche in den letzten fünf Minuten erwähnt, aber nicht wirklich zu einem Thema gemacht, das sonderlich vertieft wird.

Auf der anderen Seite kann man dies aber gut verschmerzen, da der Film einen sehr interessanten Einblick in das Leben im Vatikan gewährt. Man erfährt mehr über die einfachen Menschen rund um den Papst, ihre Aufgaben und Pflichten, aber auch das alltägliche Treiben rund um den Petersdom, wenn gerade einmal nicht besondere Feste oder Generalaudienzen stattfinden. Der Vatikan bietet vielen Menschen Arbeit, sei es nun in der Verwaltung, der Sicherheit, oder bei der Bewahrung der seit vielen Jahrhunderten gesammelten Schätze des Glaubens.

Das Fernsehteam darf dabei auch Bereiche betreten, die bisher kaum einer sehen durfte – einmal einen Blick in die verschlossenen Archive werfen, sich mit einer Restauratorin Kunstschätze ansehen, die vor dem Zerfall bewahrt werden müssen, und schließlich sogar tief unter dem Petersdom den Papstgräbern und sogar der mutmaßlichen Ruhestätte des Apostels Petrus nahe kommen.

Die Dokumentation gewährt damit tatsächlich Einblicke, die man bisher noch nicht bekommen hat. Dafür zollt sie aber auch der Kirche als Institution und den Gläubigen den gebührenden Respekt und bricht nicht mit Regeln. Sie räumt viel mehr mit Klischees und Vorurteilen auf, die man durch „Sakrileg“, „Illuminati“ und andere Religions- und Mystery-Thriller gewonnen haben mag.

 

 

Fazit:

 

Alles in allen bietet „Vatikan – Die verborgene Welt“ eine spannenden und überraschend vielseitigen Einblick in den kleinsten Staat der Welt, der vielleicht für den ein oder anderen Zuschauer zu positiv gezeichnet sein könnte, aber für den gezollten Respekt gegenüber der Kirche viele Örtlichkeiten und alltägliche Situationen zeigt, die bisher kein anderes Fernsehteam filmen durfte.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202302051833077973d410
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DVD:

Vatikan – Die verborgene Welt

Regisseur(e): Richard Ladkani

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1, RC 2

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 25. März 2011

Produktionsjahr: 2010

Spieldauer: 90 Minuten

 

ASIN: B004FH490Q

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 08.04.2011, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01