Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Vergebung von Stieg Larrson

Rezension von Björn Backes

 

Stieg Larsson gehört zu der Riege der tragischen Autoren, die ihren Erfolg zu Lebzeiten nicht mehr miterleben durften, ihre Profession aber dennoch bis zum letzten Tag knallhart aufrechterhalten haben, um einige Meisterwerke zu kreieren, die in der internationalen Literatur-Historie einen dauerhaft elementaren Rang bekleiden werden. Mit seiner „Millenium“-Trilogie hat der Meister des schwedischen Krimis wenige Monate vor seinem Ableben ein wahrhaft fantastisches Thriller-Konstrukt geschaffen, welches abseits der fiktiven Handlung mit seinem latenten Hang zur modernen Gesellschaftskritik und eben solcher am politischen System seines Landes überzeugt und eben durch diese fulminant inszenierte Mischung von der ersten bis zur letzten Seite zu begeistern weiß. „Vergebung“ bildet nun den Abschluss dieser Serie und lässt den 2004 verstorbenen Larsson ein letztes Mal hochleben.

 

 

Inhalt:

Beinahe tödlich verletzt wird Lisbeth Salander in die Notfallaufnahme eines Göteborger Hospitals überliefert, nachdem ihr Vater und Gegenspieler Alexander Zalatschenko ihr eine Kugel in den Kopf gejagt hat. Doch auch der abtrünnige Agent musste die Auseinandersetzung mit Salander, der inzwischen drei Morde und eine versuchte Tötung angehangen werden, schwer bezahlen und befindet sich in der Intensivabteilung des gleichen Spitals. Während die beiden um ihr Leben ringen, laufen die Arbeiten der schwedischen Geheimdienste auf Hochtouren. Auf keinen Fall darf Salander dazu kommen, ihr großes Wissen um die skandalösen Verstrickungen der schwedischen Regierung publik zu machen, so dass der Staat mit aller Macht daran werkelt, seinen womöglich derzeit größten Feind mit der gewaltigen Anklage kaltzustellen. Allerdings hat Salander noch einen mächtigen Verbündeten, den Journalisten Mikael Blomkvist, der Lisbeths Wissen teilt und im Hintergrund die Fäden zieht, damit die komplizierten Verbindungen doch noch ans Tageslicht kommen und Salander ihr Recht durchsetzen kann. Aber auch er muss sich mit den resoluten Auswüchsen der Geheimdienste auseinandersetzen, gleichzeitig aber auch mit der Zeit rennen, denn mit wachsender Gesundheit seiner Partnerin, soll dieser auch der Prozess gemacht werden – und Lisbeth selber für nicht mehr zurechnungsfähig erklärt werden.

 

 

Rezension:

Von vielen sehnlichst erwartet und selbst von Einsteigern in Larssons Werk mit Spannung verfolgt: Der Release des nunmehr letzten Bandes der „Millenium“-Trilogie schließt zweifelsohne eine sehr große Lücke in der Kriminalliteratur, erweist sich schlussendlich aber auch der erneut einjährigen Wartezeit wert, da der Autor sein gewaltiges inhaltliches Fundament auch in „Vergebung“ konsequent und weiterhin absolut spannungsvoll durchboxt. Die Charaktere bekommen in der abschließenden Szenerie noch einmal eine ganz gewisse Schärfe, gewinnen noch mehr an Individualität und Tiefe, bleiben überdies aber größtenteils trotzdem unnahbar und unberechenbar, sodass auch in Roman Numero drei auf beiden Seiten schier alles möglich scheint – zumindest was die Leitmotive der vielen beteiligten Personen betrifft. Dennoch schließt sich im Laufe der immerhin 850 Seiten der Kreis immer deutlicher. Die Skandale sind weitestgehend bekannt, die Tragödie bereits am vermeintlichen Höhepunkt ihrer Dramaturgie angelangt, nun scheint es also nur noch darum gehen, mit steigernden Intensität ein möglichst effektreiches Finale einzuleiten. Doch weit gefehlt: Auch in „Vergebung“ ergeben sich neue Verstrickungen am laufenden Band und stellen den bis dato eigentlich schon nahezu abgeschlossenen Plot noch einmal völlig auf den Kopf.

Die Hauptrollen wechseln derweil ständig, wobei es vor allem Reporter Blomkvist ist, der hier den aktivsten Part übernimmt und Salander während ihrer unfreiwilligen Pause die Rolle des Sympathieträgers abluchst, obschon auch Lisbeth bis dato nie die Voraussetzungen für ein Dasein als Heldin erfüllen konnte. Aber die Prioritäten wechseln heuer noch häufiger und offensichtlicher, sowohl auf der Seite der vermeintlichen Helden als auch bei ihren Widersacher, weshalb die Komplexität insbesondere in der Mitte des Buches noch einmal zunimmt, den Plot aber dadurch auch weiter bereichert. Dass der Showdown in den letzten Abschnitten dann derart spektakulär sein würde, wie er de facto ist, war folgerichtig auch zu erwarten; aber Larsson hätte nicht seinen genialen Ruf, könnte er dem Ganzen nicht einige entscheidende weitere Impulse verleihen und auch mit der Schlussseite noch für erregtes Staunen sorgen – womit sich am Ende dann auch die Frage geklärt hätte, ob „Vergebung“ ein würdiger Schlusspunkt für diese faszinierende Reihe ist. Um es kurz zu fassen: Ja, dieser Roman erfüllt die Erwartungen und bringt darüber hinaus sogar noch ein bisschen mehr!

 

 

Fazit:

Wie auch schon seine beiden direkten Vorgänger ist „Vergebung“ ein wahrhaftig berauschendes Schriftstück und mitsamt der Bände der „Millenium“-Trilogie die Referenz im schwedischen Thriller-Segment. Kaum zuvor waren Charaktere und Inhalte so individuell und voller Tiefgang wie in Stieg Larrsons Romanen. Eine Schande ergo, dass der gute Herr den Erfolg nicht mehr auskosten darf. Aber man kann sich im Grunde genommen sicher sein, dass der Autor damals bereits wusste, welchen Geniestreich er da ins Leben gerufen hat!

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Vergebung

Autor: Stieg Larrson

Gebundene Ausgabe: 848 Seiten

Verlag: Heyne (März 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453013808

ISBN-13: 978-3453013803

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 06.06.2008, zuletzt aktualisiert: 05.08.2019 19:15