Maeve O’Sullivan studiert im 3. Semester Katakombenforschung. Jetzt will sie diese Katakomben, die erst vor wenigen Jahrzehnten entdeckt wurden, endlich mal mit eigenen Augen sehen. Sie schließt sich einer Touristen-Führung an und schleicht sich von dort in den nicht touristisch erschlossenen Teil der Katakomben. Sie gerät immer tiefer in nicht erforschte Bereiche und trifft auf Typen, die ihr nicht aller wohlgesonnen sind.
Ich lese sehr gerne Urban Fantasy, und London ist für dieses Genre ein gern genutzter und immer wieder funktionierende Handlungsort. Deshalb klang Anne Herzels Dilogie für mich sofort interessant. Sie kombiniert Urban Fantasy hier mit Alternative History, denn in der Handlungswelt wurden in den 1990er Jahren Katakomben unter London entdeckt, die immer noch nicht vollständig erforscht sind und in denen eigenartige Wesen leben.
Protagonistin ist die irische Studentin Maeve O’Sullivan, die ihr Studiengebiet inoffiziell selbst erkunden will. Dabei verirrt sie sich erwartungsgemäß. Auf sie warten einige Herausforderungen und Komplikationen. So weit, so gut. Leider konnte mich die Umsetzung nicht wirklich überzeugen. Zum einen hatte ich nie das Gefühl, mit Maeve mitzufiebern. Zum anderen fielen mir einfach zu viele Unstimmigkeiten auf. Beispielsweise studiert die Protagonistin Katakombenforschung in Dublin. Wieso bietet eine irische Universität einen Studiengang an, dessen Absolventen dann weltweit ausschließlich in London in ihrem Fach arbeiten können?
Und die Studenten des 3. Semesters haben bisher keinen einzigen offiziellen Vor-Ort-Besuch absolviert? Immerhin können ganz normale Touristen Teile der Katakomben besichtigen.
Was mir auch ins Auge fiel, ist die Charakterisierung der Protagonistin. Sie betrachtet sich als nonbinär und erzählt in einer Unterhaltung sogar ausdrücklich, dass sie sich schon als Kind nicht in das übliche Schema einpassen wollte. Nur verliebt sie sich offensichtlich spontan in den ›starken Helden‹, der sich in der Unterwelt um sie kümmert. Da wirkt sie eher wie eine klassische ›damsel in distress‹. Das ergib für mich kein stimmiges Bild.
Die Autorin lässt ihre Protagonistin als Ich-Erzählerin agieren.