Vinci
 
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Vinci von Didier Convard und Gilles Chaillet

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Es ist ein Novemberabend im Jahr 1519 als der König dem Zisterzienserkloster Vauluisant einen Besuch abstattet um dem Abt ein geheimnisvolles Bild anzuvertrauen. Dazu erzählt er dem Gottesmann unter dem Siegel der Verschwiegenheit eine Geschichte, die im Mailand des Jahres 1494 ihren Anfang nimmt. Unter rätselhaften Umständen wurde dort ein Notar getötet. Wirklich mysteriös ist aber, dass der Mörder dem Toten mit chirurgischer Präzision das Gesicht entfernt hat und ein Augenzeuge ein Ungeheuer gesehen haben will. Ein ähnlicher Mord ereignet sich wenig später in Venedig. Wie beim ersten Verbrechen befindet sich gerade das Universalgenie Leonardo da Vinci in der Stadt. Ein Zufall?

 

Den 1950 geborenen Franzosen Didier Convard könnten einige Lesern als Autor der Graphic-Novel "Tanatos" kennen. Sein vier Jahre älterer Landsmann Gilles Chaillet machte sich durch seine Zeichnungen für die Comicserie "L. Frank" einen Namen. Die beiden Künstler arbeiten zudem zusammen an dem Zyklus "Das geheime Dreieck", der ebenfalls bei Ehapa erschienen ist. Das Rezensionsexemplar vom "Vinci" vereint die beiden Teile "Der zerbrochene Spiegel" sowie "Schatten und Licht".

 

Didier Convard hat eine sorgfältig komponierte Kriminalgeschichte erschaffen, die zwar mit der Historie und der realen Titelfigur spielt, deren Handlung aber fiktiv ist. Der Autor bindet aber geschickt Fakten und reale Werke von Leonardo da Vinci in seine Schöpfung ein, so dass die Graphic Novel vollkommen realistisch wirkt.

 

Dabei gelingt es dem Autor seine Leser durch die spannende und komplexe Story zu fesseln. Zuerst lässt er sein Publikum über Identität, Motiv und Vorgehensweise des Mörders rätseln. Dazu stellt er dem Täter mit dem Vogt aus Mailand einen scharfsinnigen Antagonisten gegenüber. Später entspringt die Spannung mehreren Verfolgungsjagden und der endgültigen Auflösung des Falls. Dem Plot kann man lediglich Übel nehmen, dass für Letzteres ein mysteriöses Gift herhalten muss, das gleichzeitig den Körper lähmt und das Kurzzeitgedächtnis löscht. Ganz bis zum Ende muss sich neugierige Leser gedulden, bis offenbart wird, was das geheimnisvolle Bild darstellt.

 

Visuell besticht "Vinci" durch schön gestaltete, detailreiche und realistisch anmutende Zeichnungen. So zeigt Chaillet im opulenten Breitformat schon beim ersten Bild, nicht nur einfach wie der König mit seinem Gefolge das Kloster erreicht, sondern ebenso wie die Regenwasserpfützen unter Pferdehufen und Kutscherädern empor spritzen und wie ein Bauer sein Ochsengespann wegen des hohen Gastes vom Weg getrieben hat. Gebäude wirken durch die aufwändige Betonung ihrer Struktur oder der minutiösen Gestaltung ihrer Verzierungen wirklichkeitsnah. Damit huldigt Chaillet dem Ligne-Claire-Zeichenstil des großen Herge. Anders als dieser stellt er aber Mimik und Gesichter seiner Figuren genau dar, so dass deren Emotionen für den Leser stets sichtbar sind.

 

Der ansprechende gestaltete Aufbau der Bildabfolgen hat häufig einen filmischen Charakter. Ein gutes Beispiel dafür ist der Beginn der Binnenerzählung, bei der wie in einem klassischen cineastischen Establishing Shoot zuerst eine Totale von Mailand gezeigt wird und sich die Einstellung dem Tatort des Mordes dann immer weiter nähert.

 

 

Fazit:

"Vinci" überzeugt durch eine spannende Story im historischen Setting und eine opulente, realitätsnahe und detailreiche Bildgebung.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240618053940945c3491
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Graphic Novel

Vinci

Autor: Didier Convard

Zeichner: Gilles Chaillet

Verlag: Ehapa Comic Collection

Erscheinungsdatum: 15. Januar 2010

Format: Din A4, gebunden

Seitenzahl: 113

ISBN-10: 3770433378

ISBN-13: 978-3770433377

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 28.02.2010, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 10109