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Volk der Finsternis von Robert E. Howard

Reihe: Lovecrafts Bibliothek des Schreckens Bd. 23

Rezension von Christian Endres

 

Lange genug hat es gedauert, bis uns Frank Festa die diverse Male verschobene erste Kurzgeschichtensammlung von Fantasy-Ikone und Conan-Schöpfer Robert E. Howard präsentierte. Aus dem bereits vor einiger Zeit angekündigten Paperback wurde schließlich der 23. Band von H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens im Hardcover – und ein kleines Fest für REH-Fans und solche, die es noch werden wollen.

 

Gleich in der titelgebenden ersten Story treffen wir einen Conan – nicht jedoch auf den legendären Fantasy-Helden, sondern auf die erste Figur des texanischen Pulp-Autors, die den Namen Conan trug. Aber auch »dieser Conan« kann zupacken, wenn es sein muss, und legt sich mit dem Volk der Finsternis an (während Howard hier noch das Thema Wiedergeburt verarbeitet). Es folgen ebenso exzellente wie abwechslungsreiche Geschichten wie Schaufelt mir kein Grab (die erste Story im Band mit Lovecraft-Verbindung) oder Das Feuer von Asshurbanipal (ein tolles Wüsten-Abenteuer mit Horror-Elementen und die wahrscheinlich beste Geschichte dieses Bandes, die Howards Vorlieben für historische Stoffe geschickt mit den Sujets verbindet, die einen Verkauf der Story an die fantastik-orientierten Pulps möglich machten). Auch Der Schatten der Bestie ist eine der Perlen dieser ansprechenden Zusammenstellung, genauso wie das kompakt geschriebene Afrika-Abenteuer Die Hyäne.

 

Da macht es gar nichts, dass zwei ziemlich suggestive Schlangen-Traumgeschichten am Ende nicht so richtig zünden oder die Steve Costigan-Story im englischen Moor regelrecht gehetzt wirkt. Der schwarze Bär dagegen entpuppt sich als ziemlich maue Pulp-Story in China – und die letzte Story im Band, Der Mond von Zambebwei, zeigt dann leider noch mal, dass auch der Träumer aus Texas ab und an mächtig daneben greifen konnte: Hölzern und reichlich naiv vom Ton her kommt da eine arg konstruierte und plumpe Geschichte daher. Zur Versöhnung gibt es zum Schluss noch drei Briefe: einen von Robert E. Howard an Weird Tales-Herausgeber Farnsworth Wright, einen von H. P. Lovecraft an Howard, und dann wiederum einen von REH an den Meister des kosmischen Grauens (in letzteren beiden diskutieren die beiden hinter dem Mantel der Höflichkeit und Wertschätzung ziemlich angeregt und energisch über historisches Hintergrundmaterial).

 

Robert E. Howards Geschichten glänzen selten vor Innovation – aber sie glühen und pulsieren vor Kraft, Atmosphäre und Intensität. Damit machte Howard stimmungstechnisch wett, was an seinen Handlungsverläufen vielleicht zu geradlinig oder an seinem Stil zu rustikal war. Wer nur Conan und Kull kennt, wird außerdem erstaunt sein, wie oft sich REH der Ich-Perspektive bediente – gerade wenn er Lovecraft nacheiferte und sich in dessen Cthulhu-Mythos bewegte, eher die Regel denn die Ausnahme. Auch außerhalb des Lovecraft’schem Kosmos des Schreckens fand Howard derweil noch genügend Anleihen und Inspirationen, um seine Storys mit interessanten Versatzstücken anzureichern – in afrikanischen Mythen genauso wie in alten keltischen Legenden und natürlich der Vergangenheit unserer Welt, die den Texaner wahnsinnig faszinierte - so wie er Leser und Autoren nun schon seit mehr als einem Dreivierteljahrhundert gleichermaßen fasziniert und inspiriert.

 

Ein schöner Story-Band für alle, die Howards Texte abseits der hyberischen Welt noch aus Pabel-Zeiten kennen und lieben – und eine angenehme Überraschung für alle, die damit REH-mäßiges Neuland betreten.

 

Schade, dass der nächste Howard-Band dieser Art innerhalb der Bibliothek des Schreckens erst für das zweite Quartal 2011 angekündigt ist.

 

Andererseits hat sich das Warten ja auch hier gelohnt.

 

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Buch

Titel: Volk der Finsternis

Reihe: Bibliothek des Schreckens Bd. 23

Autor: Robert E. Howard

Festa, Oktober 2009

Hardcover, 344 Seiten

ISBN: 3865520626

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.12.2009, zuletzt aktualisiert: 05.08.2019 19:15