Voltar (Künstler: Alfredo P. Alcala)
 
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Voltar von Alfredo P. Alcala

Rezension von Matthias Hofmann

 

Die Historie kennt Barbaren wie Attila den Hunnenkönig oder Alarich I., jener Heerführer, der Rom plünderte. Darüber hinaus gibt es, im Fantasygenre im Allgemeinen und den entsprechenden Comics im Speziellen, jede Menge muskelbepackte heldenhafte Krieger, die gerne mit Faust und Schwert kämpfen: Conan der Barbar, Kull von Atlantis, Taar, Fafhrd oder … Voltar.

 

Voltar? Den dürften in Deutschland die wenigsten kennen. Das ist kein Wunder, denn dessen Abenteuer hatten es bislang nicht nach Deutschland geschafft. Dabei gibt es die Figur des Wikingerkriegers schon seit 1963 als ihn der philippinische Comiczeichner Alfredo P. Alcala erschuf.

 

Alcala ist wohl einer der meist unterschätzten Comickünstler des 20. Jahrhunderts. Der 1925 geborene Alcala begann in jungen Jahren mit dem Zeichnen vom Comics in seinem Heimatland, den Philippinen, doch der internationale Durchbruch gelang ihm erst in den 1970er Jahren als Teil der sogenannten »Filipino Invasion«.

 

Ein paar Jahre zuvor schaffte der talentierte Tony DeZuñiga den Sprung auf den US-Markt, wo er für DC neue Helden wie Jonah Hex (mit John Albano) oder Black Orchid (mit Sheldon Mayer) erschuf. DeZuñiga war es auch, der die damaligen DC-Granden – Joe Orlando und Carmine Infantino – davon überzeugte, dass in seiner Heimat jede Menge Talente auf Entdeckung warteten und so flogen Orlando und Infantino im Jahr 1971 in die Inselnation und »fanden« neben Ernie Chan, Alex Niño, Nestor Redondo, Gerry Talaoc und Romeo Tanghal auch Alfredo Alcala.

 

Alcala war auf den Philippinen bereits ein Star, nach dem sogar ein ganzes Comicmagazin benannt wurde (Alcala Komiks Magasin). Er konnte nicht nur begnadet zeichnen, sondern war auch unheimlich schnell. In den USA fand er schnell eine verlegerische Heimat bei DC, Marvel und Warren. Zu seinen bekanntesten Stationen zählen Serien wie Savage Sword of Conan, Conan the Barbarian oder Swamp Thing, aber er war auch an Bord The Rampaging Hulk oder Planet of the Apes. Und vielen anderen mehr.

 

Was die deutschsprachigen Comicfans bislang verpasst haben, kann man in dem jüngst erschienen Prachtband Voltar bewundern. Die Jungs von der Retrofabrik, ein Verlag, der sich vor allem der Serie Masters of the Universe widmet, haben eine beeindruckende Sammlung vorgelegt.

 

Alcalas Eigenkreation »Voltar«, mit ihrem genretypischen Schwert-und-Magie-Flair, kann in mehrere Phasen unterteilt werden. Das 182-seitige Album bringt die ersten Seiten von 1963, eine Auswahl von 1977 und von der US-Phase, als die »Voltar«-Comics Anfang der 1908er-Jahre im The Rook Magazine erschienen sind.

 

Die Zeichnungen sind teilweise wahre Augenweiden. Erkennbare Einflüsse gegen zurück bis auf Albrecht Dürer, aber besonders in den späteren Arbeiten kann man Franklin Booth, Hal Foster und immer wieder John Buscema erkennen. Zwar ist die Figur des Voltar älter als Buscemas Interpretation von Robert E. Howards Conan, aber Alcalas Tuschearbeit über Buscema Bleistiftzeichnungen war eine Art Blaupause für die späteren »Voltar«-Comics, die von der Panelaufteilung und den Motiven denen von »Savage Sword of Conan« aus den 1970er-Jahren ziemlich ähneln.

 

Inhaltlich ist »Voltar« ein Kind seiner Zeit. Er kämpft – meist mit dem Schwert – gegen böse Mächte in allen Inkarnationen: Drachen, Monster, Zauberer, Goblins und andere Kreaturen. Es gibt beeindruckende Splashpages und mitunter grandios dargebotene Doppelseiten. Es ist fast schon unglaublich, dass Alcala so eine hohe Qualität mit diesem filigranen Detailgrad halten konnte, wenn man bedenkt, dass er ein extrem schneller Vielzeichner war, der meist sowohl die Bleistift- als auch die Tuschezeichnungen selbst gestaltete.

 

Bei der Gestaltung und Umsetzung des »Voltar«-Hardcovers hat die Retrofabrik alle Register gezogen. Die 182 Seiten sind aus dickem 150-Gramm-Papier. Ein edler silberfolienkaschierter Buchdeckel ist umgeben von einem Schutzumschlag mit UV-Spotlackierung. Außerdem hat man dem riesigen Band im Überformat (35,9 × 26,6 × 2,5 cm) ein Lesebändchen und einen silberfarbigen Buchschnitt gegönnt.

 

Dadurch wird das rund 1,7 kg schwere Buch zum Monumentalwerk. Die filigrane Schwarzweißkunst von Alfredo P. Alcala kommt wunderschön zur Geltung. Abgerundet wird der Band inhaltlich durch Bonusmaterial in Form von einer Biografie und einer Galerie, die auch Farbillustrationen beinhaltet.

 

Das Gesamtpaket kann man wirklich nicht besser machen. Es ist perfekt und bietet einen würdigen Rahmen für die Kunst eines großen Comickünstlers, den man mit »Voltar« neu oder wiederentdecken kann. Der Preis von fast 50 Euro mag zunächst als hoch erscheinen, doch wenn man den Band, der vom Erscheinungsbild einem Kaffeetischbuch gleicht, in den Händen hält, wird klar, dass er jeden Cent wert ist. Chapeau, Retrofabrik!

 

Ich empfehle »Voltar« allen Fans von Fantasycomics, besonders von Marvels »Conan«, und allen, die vollendet akribische Schwarzweißcomickunst mögen.

 

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Buch:

Voltar

Original: Voltar, 2025

Text: Alfredo P. Alcala, Manuel Auad und Will Richardson

Zeichnungen: Alfredo P. Alcala

Übersetzung: Nino Ade und Mustafa Ceyhan

gebundene Ausgabe, 182 Seiten

Retrofabrik, 14. November 2025

 

ISBN-10: 3948648077

ISBN-13: 9783948648077

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 28.01.2026, zuletzt aktualisiert: 31.01.2026 15:20, 25780