Nachdem wir im letzten Band ja ein Crossover zwischen klassischen und uncanny X-Men hatten, geht es in „X-Men Bd. 3 – Von Alpha bis Omega“ wieder um die Fraktion um Cyclops und Beast. Diese haben es mit ungebetenem Besuch zu tun. Zudem nehmen ihre in den Vorgängerbänden angeteaserten Gegenspieler endlich Gestalt an. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten.
Was tun mit einer Heldengruppe, die bereits fast alle irdischen Herausforderungen gemeistert hat? Diese Frage scheint sich auch Jed MacKay (MOON KNIGHT) gestellt zu haben und hetzt den „Kindern des Atems“ deswegen eine außerirdische Bedrohung auf den Hals. Dabei gelingt es dem Autor stimmig, neue Ideen mit bekannten Figuren des X-Men-Universums zu verbinden und seinem Lesepublikum einige Überraschungen zu bescheren. Das gilt auch bezüglich der in den bisherigen Bänden eher nebulös gebliebenen Gruppe 3K. Außerdem kommen Fans actionreicher Kämpfe auf ihre Kosten. Aber auch die Charakterentwicklung vernachlässigt MacKay unter dem Strich nicht, wobei das bei so vielen Figuren natürlich eine Herausforderung darstellt und einige Helden in dieser Ausgabe zwangsläufig etwas kürzertreten müssen. Verzichten müssen Leser dieses Mal allerdings auf die „Uncanny-Fraktion“ der X-Men. Dafür taucht aber ein anderes traditionsreiches Superheldenteam auf, das hoffentlich auch in den nächsten Ausgaben eine tragende Rolle bekommt, und nicht nur als Lückenfüller dient. Auf jeden Fall garantieren diverse offen gebliebene Fragen Spannung über das Ende dieses Bandes hinaus.
Für die Visualisierung von Jed MacKays Ideen ist ein Künstlerquartett verantwortlich. Die ersten beiden Kapitel bebildert Netho Diaz, übergibt dann an Ryan Stegman und C. F. Villa, übernimmt schließlich wieder, räumt den Platz erneut für Stegman, der wiederum für den finalen Teil Emilio Laiso Platz machen muss. Positiv ist, dass weiterhin das Duo Diaz und Stegman für einen Großteil der Panels verantwortlich ist. Beide Künstler haben bereits in früheren Ausgaben der Serie ihre Klasse bewiesen. Ärgerlich sind aber die häufigen Zeichnerwechsel – auch wenn sich die Künstler vor allem beim Figurendesign um einen einheitlichen Stil bemühen. Unterschiede gibt es dennoch: So wirkt etwa Cyclops’ Kinnpartie bei Netho Diaz realistischer als die eckig-kantige Version, die Ryan Stegman zu Papier bringt. Qualitativ hat unter dem Strich Diaz die Nase vorn, der immer wieder ansprechende ganzseitige Zeichnungen einstreut und die Dynamik der Kämpfe überzeugend einfängt.
Als Bonus gibt es eine umfangreiche Galerie von (alternativen) Covern. Leider müssen sich teilweise jeweils vier davon eine Seite teilen.