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Wächter des Zwielichts von Sergej Lukianenko

Rezension von Carina Schöning

 

“Wächter des Zwielichts“ ist nach “Wächter der Nacht“ und “Wächter des Tages“ der dritte Roman des “Wächter-Zyklus“ des russischen Star-Autors Sergej Lukianenko. Obwohl es ursprünglich als Trilogie angelegt wurde ist beim Heyne Verlag schon der nächste Band “Wächter der Ewigkeit“ angekündigt…

 

Seit Anbeginn der Zeit leben Magier, Hexen, Gestaltwandler, Vampire und Tiermenschen unerkannt unter uns normalen Menschen. Die „Anderen“ kämpfen auf der Seite des Lichts oder aber der Seite des Dunkeln den ewigen Kampf Gut gegen Böse. Aber in dem unendlichen Krieg kann und wird es niemals einen Gewinner geben, da beide Seiten etwa gleich stark sind. Daher beschlossen die Anführer beider Parteien, dass ein Waffenstillstand, der so genannte „Große Vertrag“ geschlossen werden musste. Das Gleichgewicht muss bewahrt werden, damit weder den Anderen noch den Menschen zuviel Schaden zugefügt wird. Jeder Partei kann in gewissen Bereichen eingreifen und Dinge verändern, aber sie wird dabei immer von der anderen Partei kontrolliert. Das ist das Prinzip hinter der Tag- und Nachtwache.

Zusätzlich gibt es eine dritte Partei, die unabhängig und unparteiisch über das Einhalten des Großen Vertrages entscheidet. Die Inquisition steht über der Tag- und Nachtwache.

 

“Wächter des Zwielichts“ ist wie die Vorgängerromane in drei Teile unterteilt, die aber aufeinander aufbauen. „Niemandszeit“ spielt drei Jahre nach den Geschehnissen in der Nachtwache. Anton Gorodezki ist mittlerweile zum Magier zweiten Ranges aufgestiegen und lebt mit dem ehemaligen Nachtwache-Mitglied Swetlana zusammen. Gemeinsam haben sie eine Tochter. Nadja wurde schon vor der Geburt von den höchsten Magiern der Nachtwache mit großer Macht und Kraft beschenkt. Bis jetzt ist sie noch nicht initiiert und daher noch ein gewöhnlicher Mensch, aber ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten werden einmal selbst die der großen Magier ersten Grades übersteigen.

Boris Ignatjewitsch oder auch Geser, der Chef der Nachtwache beauftragt Anton wieder mal mit dem neuesten Fall der Nachtwache. Sie haben eine Nachricht erhalten die besagt, dass ein Anderer einem gewöhnlichen Menschen die ganze Wahrheit über die Anderen erzählt hat und ihn selber zu einem Anderen machen möchte. Eigentlich ist dies unmöglich. Es wäre das Ende des Großen Vertrages, da die jeweilige Seite unzählige Menschen zu Anderen machen könnte und so das Gleichgewicht zerstören würde. Entweder ist es ein geschickter Bluff um wieder eine einfache Intrige zu verdecken oder aber der Verräter kommt aus den eigenen Reihen und hat wirklich eine Möglichkeit zur Umwandlung gefunden. Anton übernimmt für die Nachtwache die Ermittlung. Der Absender der Nachricht kommt aus einem relativ reichen Wohnviertel, dem Assol. Anton will erstmal im Geheimen observieren und gibt sich daher als einer der Mieter aus… Die Tagwache und die Inquisition haben komischerweise gleiche Nachrichten erhalten. Die Tagwache schickt Kostja, Antons ehemaligen Nachbarn und Freund auf Spurensuche und der dunkle Magier Edgar ermittelt zusammen mit Viteszlav, einem außergewöhnlichen baltische Vampir im Auftrag der Inquisition.

 

Danach erholt sich Anton in „Niemandsraum“ von den Strapazen der Ermittlung und macht erstmal mit seiner Familie Urlaub auf seiner Datscha außerhalb Moskaus. Dabei hört er zufällig die Geschichte einer Lehrerin aus Swetlanas Heimatdorf. Ihre beiden Kinder, Oxana und Romka haben sich bei einem Spaziergang in den Wäldern rund um das kleine Dorf verlaufen und wurden angeblich von einer Botanikerin vor vier sprechenden Wölfen gerettet. Die Sache kommt Anton merkwürdig vor und nach einem ausführlichen Gespräch mit seinem Chef Geser ermittelt er auf eigene Faust. Die Werwölfe kann er nicht ausfindig machen aber er begegnet im Wald der mächtigen Hexe Arina, die nicht registriert ist. In ihrem Besitz befindet sich das alte Buch „Fuaran“ von dem nur sehr wenige Abschriften existieren und das der Schlüssel für die Verwandlung von Menschen in Andere ist.

 

Dieses Buch spielt auch in „Niemandskraft“ die Hauptrolle. Arina entkommt mit einer geschickten List der Verfolgung durch die Nacht- und Tagwache und die Inquisition. Das Buch wird jedoch von jemand anderen gestohlen. Wieder muss Anton zusammen mit Kostja und Edgar in der Sache ermitteln. Gemeinsam gehen sie mit der Unterstützung von Geser, seiner Geliebten Olga, Swetlana und Sebulon, dem Chef der Tagwache auf Spurensuche in einem Bahnhof. Anhand eines magischen Kompasses können sie das Buch in einem Zug Richtung Alma-Ata/ Kasachstan ausfindig machen.

 

Wie auch die Vorgänger ist der Roman sehr detailliert und lebendig geschrieben. Der gelernte Mediziner und Psychiater Sergej Lukianenko versteht sich bestens darauf spannend den Leser an seiner Welt teilhaben zu lassen. Geschickt verbindet er die Handlung mit philosophischen Ansätzen und Überlegungen. Anton fragt sich während seiner Ermittlungen immer wieder was der Mensch ist? Was ist wirklich menschlich? Glaubhaft macht er eine Entwicklung durch, die ihn letztendlich immer weniger menschlich macht. Am Schluss erkennt er sich eher in der Rolle eines Parasiten wieder. Er „zapft“ im Zwielicht die Energie aller Lebewesen an und nutzt sie zu seinen Zwecken. Das Zwielicht besteht aus fünf Schichten, wobei ein gewöhnlicher Magier nur die ersten zwei betreten kann. Anton wird durch die Kraft des „Fuaran“ jedoch so mächtig, dass er zur fünften Schicht vordringen kann und mit seinen Fähigkeiten sogar die seiner Frau Swetlana übertrifft. Der Preis dafür ist die Erkenntnis seiner Existenz und die Rolle der Tag- und Nachtwache in dem Schicksal der Welt.

 

Insgesamt ist “Wächter des Zwielichts“ ein sehr interessanter und spannender Roman, der die Handlung der Vorgängerromane zwar weiterführt aber dennoch als einzelner und für sich stehender Roman vollkommen überzeugen kann. Die Charaktere und Figuren wirken allesamt glaubwürdig und handeln nachvollziehbar. Der “Wächter“-Zyklus setzt durch seine vielen guten Ideen und der betont düsteren Themen wunderbar von der Masse der ideenlosen Einheits-Fantasy ab. Freunde von Actionreicher Fantasy werden genauso ihre Freude daran haben wie die, die lieber mehr Tiefgang als Oberflächigkeit mögen.

 

Eure Meinung:

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Steffan
Dienstag, 24. Oktober 2006 09:56 Uhr
Dem kann ich nur vollkommen zustimmen. Ein Wahnsinnsbuch, das Lust auf die fortsetzungen macht. Leider kann man dies von der Verfilmung nicht behaupten, die fand ich eher enttäuschend, so in etwa wie bei den Harry Potter- Filmen.

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Wächter des Zwielichts

Autor: Sergej Lukianenko

Broschiert: 500 Seiten

Verlag: Heyne; Auflage: 1 (Oktober 2006)

ISBN: 3453531981

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 24.10.2006, zuletzt aktualisiert: 10.01.2020 09:40