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Walhalla

Rezension von Marcus Krug

 

Walhalla, dem Ruheort der in der Schlacht gefallenen Krieger, hat dieses Spiel über die Raubzüge der Wikinger seinen Namen zu verdanken. So spielt denn dieser Ort auch eine wichtige Rolle für das Spielgeschehen und manch ein Feldherr wird sich unerwartet darüber freuen, wenn seine tapferen Krieger das Zeitliche segnen, aber dazu gleich mehr.

 

Aufmachung

Walhalla hat ein teilweise modulares Spielbrett. Walhalla selbst, also der Ort der gefallenen Krieger, wird durch ein kleines Spielbrett mit umliegender Punkteskala dargestellt. Der weitaus wichtigere Teil sind jedoch die Landzungen, an denen die Drachenbote der Wikinger anlegen können, um ihre Raubzüge auszuführen. Diese Landzungen bestehen aus Spielplättchen, die in variabler Reihenfolge aneinander gelegt werden können, so dass immer wieder neue Konstellationen entstehen. Insgesammt gibt es drei Landzungen, was dazu führt, dass 4 Fjorde für die Drachenbote zur Verfügung stehen.

Die Optik ist bei Walhalla Geschmacksache und rief sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. Das Material ist jedoch hochwertig, die Spielfiguren für die Wikinger sind aus Holz.

 

 

Verständlichkeit der Spielregeln

Die Spielregeln enthalten alle wichtigen Informationen, hätten aber etwas besser strukturiert werden können. So steht die Möglichkeit durch den Verkauf von Aktionskarten an zusätzliche Wikinger zu kommen, etwas verloren am Ende der Spielregeln und wurde auch prompt übersehen.

 

Spielziel

Wie immer gilt, der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt. Da es sich bei Walhalla grundlegend um ein Mehrheitenspiel handelt, entscheidet hierüber meist die Anzahl der Figuren in bestimmten Gebieten. Punkte gibt es für die Mehrheit der Wikinger auf einer Landzunge, aber auch für das Besetzen einzelner Felder auf den Landzungen, für Aktionskarten und am Ende des Spiels auch für die Meisten Helden in Walhalla. Es gilt also darum möglichst viel Gebiet zu besetzen.

 

Spielvorbereitung

Da das Spielfeld erst zusammengesetzt werden muss, dauert die Vorbereitung zwar keine Minute, ist aber dennoch schnell erledigt. Es gilt die Landzungen auszulegen, ein paar Karten auszuteilen und die Korrekte Anzahl Wikinger an jeden Spieler auszuteilen, da diese je nach Spielerzahl variiert. Die Drachenbote werden als Nachziehstapel an die Seite gelegt.

 

Spielablauf

Ist ein Spieler an der Reihe, zieht er eines der verdeckt bereitgelegten Drachenbote. Auf diesen sind jeweils drei Sitzplätze für Wikinger. Einer der Sitzplätze ist in einer der Spielerfarben markiert. Zieht der Spieler eine fremde Farbe, muss er den entsprechenden Spieler fragen, ob dieser mit ihm auf den anstehenden Raubzug fahren will. Möchte dieser, wird das entsprechende Feld mit einer Figur versehen. Die anderen beiden Plätze kann der Spieler, der an der Reihe ist, besetzen. Möchte der andere Spieler nicht, bleibt das farbig markierte Feld frei. Für den Fall, dass ein Spieler seine eigene Farbe zieht, kann er alle Felder besetzen.

Da die Sitzplätze in einer Reihe angeordnet sind, entscheidet der Spieler nun, in welcher Richtung er sein Boot in Richtung Küste steuern möchte und schiebt es soweit wie Möglich in einen der Fjorde Richtung Küste.

Ist das Boot an seinem Bestimmungsort angekommen, liegt es zumindest an einer Seite, meist an beiden, an Land an. Dieses Land können die Wikinger nun besetzen. Der Spieler kann sich entscheiden, ob der das Boot nach links oder rechts verlässt. Eine Veränderung der Position auf dem Boot ist nicht möglich.

 

Auf den Landzungen gibt es Felder verschiedenen Typs:

- so kann man einen Wald besetzten, der sofort Siegpunkte beschert,

- ein Weizenfeld, das am Ende der Spielrunde, wenn alle Drachenbote einmal im Einsatz waren, gewertet wird und in der ersten Runde einen, in der zweiten Runde zwei und in der dritten Runde drei Punkte beschert

- darüber hinaus gibt es Dörfer, die die eigene Stärke auf den Landzungen erhöhen

 

Am Ende jeder Runde wird gezählt, wer auf den drei Landzungen die meisten Wikinger hat, dieser Spieler und der Spieler mit den zweitmeisten bekommen dann Punkte. Die genannten Felder erhöhen den errechneten Wert um ein bis zwei Punkte und sind daher heiß begehrt. Zuletzt gibt es noch Felder, die einem erlauben Aktionskarten zu ziehen. Mit diesen kann man mehr Punkte für bestimmte Felder bekommen oder ist im Kampf stärker.

 

Zum Kampf kommt es dabei, wenn ein Wikinger auf ein Feld gesetzt wird, das bereits von einem anderen Wikinger besetzt ist. Da jeder Wikinger sein Boot in maximal 2 Richtungen verlassen kann, kann dies auch dazu führen, dass sich ein Spieler selbst angreifen müsste, was aber nur dazu führt, dass der Wikinger vom Boot zurück in den Spielvorrat des Spielers kommt.

Ansonsten kommt es zum Kampf. Dieser ist bei Walhalla in sehr interessanter Art konzipiert. Über den Ausgang des Konflikts entscheiden nicht Würfel oder ähnliches sondern schlicht der verteidigende Spieler. Er kann sich aussuchen, ob er auf dem Feld verweilen will und den Gegner nach Walhalla schickt, oder ob er selbst das Zeitliche segnen möchte, um nach Walhalla zu kommen. Dies aber nur, wenn er selbst mindestens eine Figur in Walhalla hat, denn diese Figur kommt das aus Walhalla in den Asgard genannten Reservebereich, auf den der Spieler in der laufenden Runde keinen Zugriff mehr hat.

Hat der Spieler keine Figur in Walhalla, verliert der Verteidiger automatisch. Ausnahmsweise ist dies mit der entsprechenden Aktionskarte anders.

 

Sind alle 12 Drachenboote gefahren und die Wikinger an Land gegangen, kommt es zur Wertung. In den beiden Zwischenwertungen am Ende des ersten und zweiten Raubzuges werden nur Aktionskarten und die Landzungen gewertet. Am Ende der Dritten Runde bekommt man auch Siegpunkte für jedes besetzte Feld und für die Mehrheit in Walhalla.

 

Ganz wichtig hierbei ist, dass die Wikinger von allen Feldern, bis auf die Weizenfelder, nach jeder Wertung entfernt werden. Die Wikinger auf den Weizenfeldern bleiben sitzen und können, wenn sie kein anderer Wikinger vertreibt, auch in der nächsten Runde Punkte bringen.

 

Sind die Siegpunkte vergeben, wird noch bestimmt, wie viele Wikinger jeder Spieler für den nächsten Raubzug zur Verfügung hat. Hierfür wird die Spielerreihenfolge in Walhalla herangezogen. Wer jetzt hier die meisten Wikinger hat, bekommt auch den meisten Nachschub.

 

Zum Ende des ersten und zweiten Zuges wird jeweils noch eine bestimmte Anzahl Wikinger aus Walhalla entfernt und die nächste Runde kann beginnen.

 

Nach dem dritten Raubzug endet das Spiel.

 

Fazit:

Walhalla ist in vielen Teilen ein klassisches Mehrheitenspiel, bietet aber auch neue Ideen. Insbesondere das Kampfsystem ist sehr interessant und führte des Öfteren zu Erheiterung, wenn ein Spieler sich überschwänglich freute, weil sein Wikinger gestorben war und er nun die Mehrheit in Walhalla hatte. Ein durchaus makaberer Spaß.

Das Ziehen der Boote und der Aktionskarten bringt eine nicht zu unterschätzende Portion Glück ins Spiel. Hier sollte jeder für sich entscheiden, ob er das mag. In unseren Testrunden störte es auch die eher strategisch ausgerichteten Spieler nicht übermäßig. Ansonsten wurde Walhalla überwiegende positiv aufgenommen, von einigen aber auch als zu trocken empfunden. Die Thematik von Walhalla ist nett in das Spiel eingebunden, darüber hinaus aber nicht weiter wichtig. Es geht eben schlicht um Mehrheiten und dabei ist es egal wovon man nun die Mehrheit hat.

Walhalla fiel in Essen aus dem Radar der meisten Fans heraus, obwohl es interessante Ideen bietet. Leider wirkte bei all dem das Endprodukt jedoch etwas konstruiert. Das Spiel wirkte nicht wirklich wie aus einem Stück. Damit ist Walhalla kein schlechtes Spiel, es riss jedoch die wenigsten Mitspieler richtig mit sich. Spieler, die sich in die Zusammenhänge hineindenken möchten und die auch vor dem Gefühl der Konstruiertheit nicht zurückschrecken können jedoch einen Blick riskieren. Es darf nur nicht erwartet werden, dass sich das Spiel wirklich wie ein Wikingerraubzug spielt. Dieses Gefühl vermittelt Walhalla in keiner Weise.

Die Spieldauer liegt bei etwa 60 bis 90 Minuten. Die Veränderung der Spielerzahl ist bei der engen Vorgabe vernachlässigbar.

 

Eure Meinung:


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Walhalla

Autoren: Alessandro Zucchini

Verlag: Amigo

Spielerzahl: 3 - 4

Spielbar ab: 12 Jahren

Spielzeit: c.a. 60 Minuten

Preis: 19,99 EUR

Erhältlich bei: Amigo Spiele

 

 

  • 56 Spielsteine
  • 32 Aktionskarten
  • 24 Geländeplättchen
  • 12 Drachen (Bootsplättchen)
  • 4 Zählsteine
  • 1 Spielplan
  • 1 Spielanleitung

 


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Erstellt: 12.02.2007, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50