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Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes von Uwe Post

Reihe: Walpar Tonnraffir Band 1

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Der Zeigefinger Gottes taucht im Erdorbit auf, und Weltraumdetektiv Walpar Tonnraffir übernimmt die Ermittlungen. Trash-Sänger, Anwaltsheere und obskure Sektenprediger kämpfen um Deutungs- und Besitzhoheit, während sich Walpar mit seinem DVD-abhängigen Neffen, seiner abenteuersüchtigen Ex-Schwiegermutter und einer alleinerziehenden Auftragskillerin herumschlagen muss.

 

Rezension:

Gerade hat Weltraumdetektiv Walpar Tonnraffir in bester James Bond Manier noch vor dem Beginn des Romans eine gefährliche Mission erledigt und dem Costello-Klan die geheime dritte Captain Future DVD-Box abgeluchst, als ihn seine Ex-Schwiegermutter Nera bittet, ihren verschwundenen Sohn, Tilko, Walpars Ex, wiederzufinden. Die Situation ist ungünstig, da sich Walpar gerade mit seinem dreizehnjährigen Neffen Kerbil auf einem Vergnügungspark befindet und von einer Auftragskillerin ins Visier genommen wird.

Doch Kerbil kann nicht nur die Situation und Walpars Leben retten, er ist auch ein findiger Hacker. Eine durchaus praktische Veranlagung, wenn man in einer technisierten Welt lebt und den Pinguin seines Onkels in den Händen hält, das Supersmartphone der Zukunft.

Zwar sind die besten Zeiten Walpars als Weltraumdetektiv vorbei, seine TV-Show abgesetzt und ein paar üble juristische Dinge im Anmarsch, doch das Geheimnis des seltsamen Zeigefingers, der im Erdorbit auftauchte, könnte Walpars Zukunft retten …

 

Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes ist in erster Linie eine SF-Satire. Uwe Post bewegt sich in ihr auf den verschlungenen Pfaden Terry Pratchetts. Jede Szene, jeder Satz sprudelt nur so über von überdrehten Details einer Zukunft, die unseren Alltagsirrsinn noch potenziert hat. Walpar ist ein schwuler Weltraumdetektiv mit silbernem Haar und schlappen Pferdeschwanz der planlos von Moment zu Moment lebt und die Dinge um sich das tun lässt, was er eh nicht verhindern kann und funktioniert daher als Identifikationsfigur ganz vorzüglich.

Sein Neffe Kerbil sieht in ihm nach dem Verzehr zu vieler Psychips den großen Philip Marlowe und beschließt, sein Assistent zu werden, was die Dinge beschleunigt. Walpar ist die ideale Figur, Chaos in einer chaotischen Welt zu entfesseln und einfach all die schrägen Dinge zu schreiben, die man als Autor so im Kopf hat.

 

Gegen den gewohnten Strich gebürstet sind die Frauenfiguren. Von der gestressten alleinerziehenden Auftragskillerin, über die dominante, sich selbst nicht recht wahrnehmende Nera bis hin zur pubertierenden Henriette nutzt Uwe Post einige herrliche Möglichkeiten aus, männliche Blickwinkel zu unterlaufen, natürlich nicht ohne liebevolle Seitenhiebe in die Richtung holder Weiblichkeit.

 

Der Zeigefinger Gottes fungiert dabei als Anlass, sich mit Eventtourismus, Sekten, Religion und allgemeinen Wirtschaftsfragen zu beschäftigen. Allein die Idee, ein Kursbuch zu einem heiligen Buch zu erklären und darauf eine Religion zu gründen, ist großartig. Uwe Post baut sie gehörig aus und fügt sie recht souverän in die anderen Handlungsstränge ein.

 

Allerdings liebt er Cliffhanger und offene Szenen-Enden. Immer wieder wechseln Zeiträume, Handlungsebenen und Schauplätze ohne dann auch wieder in jedem Fall zurückzufinden. Dieses Chaos mag gewollt sein, nimmt aber auch einigen Stellen die Wirkung.

 

Das Buch gewann 2011 den Deutschen Science Fiction Preis und den Kurd Laßwitz Preis als jeweils bester Roman des Jahres 2010. Belohnt wurde hier wohl in erster Linie das schier vor vollgepressten Ideenblitzen berstende, kreative Feuerwerk des Autors. Und es erweitert die Satire um eine weitere Nuance.

 

Fazit:

»Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes« von Uwe Post ist eine rasante SF-Satire, die auf höchst vergnügliche Weise Alltagsprobleme einer fernen, doch seltsam bekannten Zukunft mit den großen, oft zu Recht verdrängten Fragen der Menschheit verbindet.

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Buch:

Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes

Reihe: Walpar Tonnraffir Band 1

Autor: Uwe Post

Atlantis Verlag, 20. August 2010

Gebundene Ausgabe, 177 Seiten

Cover: Si-yü Steuber

ISBN: 9783864024825

 

Taschenbuch:

ISBN-10: 3941258273

ISBN-13: 978-3941258273

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B005UH83R0

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 04.10.2017, zuletzt aktualisiert: 22.05.2021 09:49