Weiße Krähe von Marcus Sedgwick

Rezension von Christel Scheja

 

Marcus Sedgewick wurde 1968 geboren. Er arbeitete zunächst als Buchhändler und Lektor, ehe er selbst mit dem Schreiben anfing. Seit 1994 verfasst er vor allem Thriller für ältere Jugendliche, von denen bereits einige in Deutschland erschienen sind. Nun bietet er mit „Weiße Krähe“ einen Einblick in die düsteren Seiten der menschlichen Seele.

 

Rebecca und ihr Vater ziehen den Sommer über in das verschlafene Küstenstädtchen Winterfold. Hier kennt jeder jeden und neue Einwohner werden erst einmal mit Skepsis beobachtet. Da sich schnell herumspricht, dass der Vater der Siebzehnjährigen seine Pflichten als Kriminalkommissar vernachlässigte und so einem Mädchen den Tod brachte, wird auch sie geschnitten und bleibt einsam.

Da ist das Interesse von Ferelith eine willkommene Abwechslung. Die Gleichaltrige ist selbst eine Außenseiterin, schert sich aber nicht darum, was die anderen über sie und ihren Lebensstil denken. Sie ist eine bekennende Goth und tut, was ihr gefällt – führt nun auch Rebecca im Ort herum und verleitet sie zu manchen Dingen, an die Rebecca nicht einmal gedacht hat.

Schließlich weiht Ferelith ihre neue Freundin auch noch in das verfluchte alte Herrenhaus ein, das ein wenig abseits vom Dorf liegt, genau so wie die alte Kirche. Doch selbst sie kann nur ahnen, was ein französischer Arzt und der Pfarrer vor zweihundert Jahren angestellt haben, um einen Blick in Himmel und Hölle werfen zu können.

 

Trotz des Themas steht der Roman fest auf der Erde und hat nur ganz wenige phantastische Elemente. Selbst diese sind eher verhalten und überlassen es mehr oder weniger der Phantasie des Lesers, was er sich vorstellen möchte.

Damit folgt der Autor der Tradition der Schauerromantik. Das merkt man auch der Erzählweise an – denn sie ist nicht leichtgängig und oberflächlich wie in vielen anderen Romanen, sondern in sich verschachtelt. Auf drei Ebenen wird das Geheimnis erhüllt – einmal durch die Tagebucheinträge des Dorfpfarrers, der sich von den Versprechungen des Arztes einlullen lässt, obwohl ihm dieser zu Anfang unsympathisch war, dann durch Szenen aus der Sicht von Ferelith, die keinen Hehl daraus macht, dass sie mit der Freundschaft zu Rebecca spielt und sehr merkwürdig für das andere Mädchen empfindet und zum dritten aus einer distanzierten Sicht in der dritten Person, die sich mehr mit den Sorgen und Nöten Rebeccas beschäftigt.

Das Buch hat grob gesehen eine klare Linie, wird aber ganz und gar nicht linear erzählt, da die Szenen oft Sprünge machen und nicht den Blickwinkel fortsetzen, den eine andere Ebne hatte. Es wirkt daher über weite Strecken wie Stückwerk ohne roten Faden, erst am Ende merkt man, dass alles sauber zusammengeführt wird.

Spannung erhält das Buch so vor allem durch die Atmosphäre, die Figuren bleiben eher distanziert, da sie wie Schachfiguren auf einem Spielbrett bewegt werden und ihre Gefühle nur sehr kryptisch wirken. Dadurch sind sie der Handlung untergeordnet, die immer wieder neue Fragen und Überraschungen aufwirkt.

 

Alles in allem trägt „Weiße Krähe“ zu recht die Bezeichnung „Gothic Thriller“. Dem Buch gelingt es, viele Elemente der Schauerromantik in die Moderne zu übertragen ohne sie dadurch zu beschädigen oder zu verwässern. Daher ist das Buch sicherlich auch für Genre-Fans interessant, die sich nicht daran stören, dass die Helden diesmal Teenager sind und keine Erwachsenen. Das Grauen nämlich lässt wie in jedem Klassiker kalte Schauder über den Rücken rinnen..

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Weiße Krähe

Autor: Marcus Sedgwick

Taschenbuch, 279 Seiten

dtv, Februar 2012

Übersetzerin: Renate Weitbrecht

Titelbild: Lisa Helm

 

ISBN-10: 342324884X

ISBN-13: 978-3423248846

 

Erhältlich bei: Amazon

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zuletzt aktualisiert: 09.11.2018 15:20 | Users Online
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