Werner oder was? (Werner Sammelbänder Bd. 1)
 
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Werner oder was? (Werner Sammelbänder Bd. 1)

Rezension von Christian Endres

 

Seit 25 Jahren gibt es ihn nun schon, unverkennbar durch zwei Reißzähne, vier lange Haare und eine riesige Gurkennase: Werner, die prollig-kultige Schöpfung von Comic-Künstler Rötger Feldmann alias Brösel. Zu seinem 25. Dienstjubiläum spendiert der Ehapa Verlag Brösel und dessen alles andere als maulfaulen Helden aus dem hohen Norden eine überarbeitete Neuauflage im edlen Hardcover und insgesamt zwölf Bänden. Seit Anfang Oktober liegt, passend zur Buchmesse, der erste Band der Werner Sammelbänder vor und wartet mit ratternden Motoren und zischenden Bölkstoff-Verschlüssen darauf, auf die Leserschaft losgelassen zu werden ...

 

Bevor wir mit dem altbekannten Bölkstoff-Bier, Werners Rocker-Freunden und dergleichen Bekanntschaft machen können, gilt in diesem Band zunächst: Wehret den Anfängen! So lernen wir Werners Eltern kennen, erleben Werners erste Zusammenstöße mit den Ordnungshütern in Grün und sehen zudem, dass Vorzeige-Biker Werner schon früh eine Vorliebe für schnelle, heiße Kisten mit brummenden Motoren gehabt hat. Dann geht der gute Werner entgegen seiner Vorsätze und Gewohnheiten im ersten Band auch einmal Arbeiten, stellt in dieser Zeit Hühnerfabrik, Baustelle und Restaurant auf den Kopf und beschließt am Ende, dass die Arbeitslosigkeit durchaus auch ihre Vorteile hat. Den Abschluss bilden einige Episoden und kleinere witzige Pin-Ups von Brösel – hier treffen wir neben einer Giraffe auch »den Führer«, machen mit Werner noch einmal Urlaub und erfahren außerdem, wer sich hinter den Wicken erquicken tut ...

 

Wer Werner nur aus dem Kino oder dem Fernsehen kennt, der wird wohl erst einmal stutzen, wenn er den »Comic-Werner« – und damit die Ursprünge der Figur – kennerlernt. Außerdem ist Brösels Humor (ebenso wie sein Artwork) aus heutiger Sicht leider ziemlich angestaubt und bedarf eher einer Grundüberholung denn einer Neuauflage, um es einmal überspitzt auszudrücken. Zu selten wissen die häufig unangenehm gezwungen wirkenden Gags oder Wortspiele zu überzeugen, zu selten trifft eine Pointe, und viel zu oft ist es eher nervig als lustig, was in den Panels mit nordischem Dialekt getrieben wird.

 

Immerhin besticht Ehapas neue »Beinhaatcover«-Edition durch eine sehr schöne Aufmachung und Verarbeitung: Ein stabiles, schön gestaltetes Hardcover mit eigens für diese 12-bändige Werkausgabe überarbeitetem Original-Cover, ein angestrebtes Buchrückenmotiv und natürlich das für Werner-Strips ungewohnt großzügige Format machen durchaus einiges her, ebenso wie die Einleitung zu Brösel und sein Weg zu Werner einen guten, gelungenen Einstieg in die Welt von Werner bieten und z. B. auch selbstkritisch zeigen, wie sich das Cover des ersten Bandes im Laufe der Jahre verändert hat (und wie Brösel nun die Chance nutzt, es neu zu zeichnen und einen lange mitgeschleppten Fehler zu beseitigen ...).

 

Fazit: Brösels Werner ist Kult – das steht wohl außer Frage. Dennoch muss man an dieser Stelle und anlässlich der Neuauflage des zum Teil fünfundzwanzig Jahre alten Materials kritisch hinterfragen, ob Brösels kultiger Nordlicht-Proll seinen Zenit nicht schon längst überschritten hat. Zumindest der erste Band der Werner-Sammelbänder kann nämlich nur selten überzeugen – weder, was seine Optik, noch was seinen Humor anbelangt. Beides ist nicht mehr zeitgemäß, sonderlich originell oder frisch-frech.

 

Was bleibt, das ist der Start einer wirklich sehr gut aufgemachten Edition für beinharte Brösel-Fans – allerdings auch ein eher unbefriedigend-zähes Lesevergnügen für alle anderen.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202402220610272238cef6
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Comic:

Werner oder was?

Werner Sammelbänder Bd. 1

Text/Zeichnungen: Brösel

Hardcover, 144 Seiten

Verlag: Ehapa, Oktober 2006

ISBN: 3770430824

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 09.10.2006, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 2873