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Westwood Vibrato (Band 4)

Rezension von Christel Scheja

 

Nun heißt es Abschied nehmen, denn „Westwood Vibrato“ findet seinen Abschluss, wie die Leser bereits wissen, die die Serie im Internet mitverfolgt haben. So ist der vierte Band der Printausgabe zugleich auch der letzte. Und wie zu erwarten war, schließt die Geschichte nicht mit den üblichen Einzelstories ab, sondern widmet sich ganz allein Cornelia, den Schatten ihrer Vergangenheit und dem Schicksal, das sie erwarten könnte, wenn sie nicht aufpasst.

 

Zwischen Cornelia und dem jungen Arzt Alan hat sich eine zarte Romanze entwickelt. Doch diese bleibt nicht ganz unbemerkt. Während die junge Frau in der Schwester eine Verbündete findet, macht der strenge Vater als konservativer Patriarch seiner Adelsfamilie eines klar – Cornelia hat aufgrund ihrer Vergangenheit nichts in seiner Familie zu suchen.

Er schickt sie mit harten Worten fort und reißt damit tiefe Wunden in der jungen Frau auf, denn sie ahnt selbst, dass durch die Waffen, die sie einst repariert hat, vermutlich Hunderte unschuldiger Menschen ums Leben gekommen sind. Aber hatte sie damals eine andere Wahl.

Um mit sich und ihrer Vergangenheit ins Reine zu kommen, macht sie eine Reise durch Afrika, sucht genau die Orte auf, an denen sie einst gelebt hat und stellt sich den Schatten. Dabei gerät sie zusammen mit einem Kindersoldaten in die Gefangenschaft der Männer, die sie schon einmal benutzt haben …

Aber auch Alan ist nicht bereit, so einfach aufzugeben. Er stellt sich gegen den Willen seines Vaters und reist Cornelia nach. Doch ihre Spuren scheinen verwischt worden zu sein. Wird er sie jemals wieder sehen?

 

Im Gegensatz zu den früheren Bänden beschäftigt sich dieser nun ganz mit Cornelia und erzählt eine fortlaufende Geschichte. Was zuvor nur als Andeutung fiel, ist nun Gewissheit. Die junge Frau hat als Kind mit geschickten Fingern und guten Gehör Waffen repariert, was skrupellose Waffenhändler schamlos ausgenutzt haben.

Nun, wühlt sie auf der Reise die Schatten der Vergangenheit wieder auf – und der Leser erfährt mit Alan zusammen nach und nach die eigentliche Wahrheit. Jede Anschuldigung hat auch noch eine andere Seite – und diese wird in den Farben Afrikas, mit viel Gefühl und Gewalt nur dann wenn es nötig wird, erzählt. Die Geschichte setzt auch weiterhin auf Andeutungen und eine ruhige Erzählweise, die nicht minder eindringlich ist als Action und Abenteuer es wären.

Cornelia mag zwar eine Täterin sein, aber sie ist auch ein Opfer, und all das hat sie zu der feinfühligen Reparateurin von Muskinstrumenten und menschlichen Seelen gemacht. Das ist das eigentliche Geheimnis ihres Erfolgs – und wer würde ihr da kein Happy End gönnen.

Wieder einmal überzeugt die Saga durch ihre stillen aber wirkungsvollen Geschichten und eine Handlung, die vieles erst auf den zweiten Blick preis gibt.

 

Das macht den vierten Band zum krönenden Abschluss einer feinfühlig aber eindringlichen Geschichte, deren Künstler genau wissen, wann und wie die Poesie ihrer Handlung auch den Leser erreicht. Durch die Enthüllung ihrer Vorgeschichte ist Cornelia nicht mehr länger nur mythisches Werkzeug magisch erscheinender Geschichten , sondern endlich auch ein lebendiger Mensch, der wie alle anderen aus seinen eigenen Erfahrungen schöpft, Fehler gemacht hat, und diese auszugleichen versucht.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Westwood Vibrato (Band 3)

Autor: In-Wan Youn

Zeichnungen: Sin-Hee Kim

Westwood Vibrato Vol. 4, Korea/Japan, 2012

Aus dem Koreanischen von O. Jeong

Taschenbuch, 208 Seiten

Tokyopop, Hamburg, erschienen Mai 2015

ISBN-10: 3842008791

ISBN-13: 978-3842008793

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 09.05.2015, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:39