Die 18-jährige Inez lebt in Buenos Aires. Ihre Eltern sind wie in jedem Jahr für lange Monate in Ägypten, wo sie gemeinsam mit dem Bruder ihrer Mutter Ausgrabungen durchführen. Ein Brief des Onkels verändert Inez’ Leben für immer: Ihre Eltern sind in der Wüste verschwunden und mit Sicherheit tot. Ohne ihre Tante um Erlaubnis zu fragen, besteigt Inez ganz allein das nächste Schiff nach Ägypten.
Mit diesem Buch startet Isabel Ibañez in ein mehrteiliges historisches Fantasy-Abenteuer, das uns ins Jahr 1884 führt. Dieser Zeit entsprechend ist auch das dargestellte Weltbild. Allein dass die in gutbürgerlichen Verhältnissen lebende Protagonistin ganz allein ohne Zofe und vor allem ohne Anstandsdame eine Reise antritt, ist schon ein Skandal. Auch die Verhältnisse in Ägypten, das seit wenigen Jahren unter britischer Kontrolle ist, entsprechen der Handlungszeit. Auch wenn die Autorin ihre Protagonistin die Grenzen des damals für eine vornehme junge Frau möglichen austesten lässt, entwickelt sich kein klassisches Archäologie-Abenteuer im Stil eines Indiana Jones mit actiongeladenen Verfolgungsjagden und Kämpfen. Inez’ Abenteuer besteht viel mehr in der Überwindung der sich ihr in den Weg stellenden Hindernisse. Fantasy-Elemente bleiben sehr dezent und bestehen eigentlich nur aus dem Fühlen von Magie und magisch bedingten Erinnerungen.
Auf eine Romantik-Komponente wollte die Autorin allerdings auch nicht verzichten. Dass sich in dieser Hinsicht etwas entwickelt, wird schon klar, als Inez erstmals auf den Assistenten ihres Onkels trifft. Eine der wichtigsten Komponenten der Handlung ist die Frage, wem die Protagonistin glauben und vertrauen kann, wobei gerade der Epilog in diesem Punkt neue Fragen aufwirft.
Die Autorin lässt ihre Protagonistin in der Ich-Form erzählen. Dies ist vielleicht auch ein Grund, dass das Buch eher behäbig beginnt. Erst bei ungefähr ⅓ des Umfangs, als die Reise auf dem Nil beginnt, nimmt auch die Handlung Fahrt auf. Etwas unverständlich ist für mich, dass die Kapitelüberschriften (Prólogo, Capítulo Uno, …) im portugiesischen Original belassen wurden.