Whiteout (Whiteout Bd. 1)
 
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Whiteout von Greg Rucka und Steve Lieber

Whiteout Bd. 1

Rezension von Christian Endres

 

Im kommenden Jahr wird die Leinwand-Adaption von »Whiteout« mit der attraktiven Kate Beckinsale in der Hauptrolle in die Kinos kommen. So kommt es ferner dann auch recht gelegen, dass Cross Cult einmal mehr die Vorlage zeitig im gewohnten Hardcover-Kleinband auf den Markt bringt - und damit Greg Ruckas und Steve Liebers arktischen Comic-Thriller inklusive Cover-Gallerie von Frank Miller, Mike Mignola, Matt Wagner und Co. erstmals der deutschen Leserschaft präsentiert.

 

Carrie Stretko ist US-Marshal in der Antarktis – einem Ort, an dem nichts normal ist, schon gar nicht kriminalistische Ermittlungsarbeit im Anschluss an einen brutalen Mord. Ein kleiner Kreis Personen bedingt automatisch einen engen Kreis Verdächtiger, der sich in der Weite von Schnee und Eis aber recht schnell relativiert, da weit auf der Landkarte verstreut und nur per Flugzeug zu erreichen. Dazu kommt, dass an guten Tagen Temperaturen von 30°C unter Null herrschen, die schneidende Kälte des Windes nicht mitgerechnet. So ist es neben den üblichen Problemen und Hindernissen dann vor allem auch das Wetter, das Carries Nachforschungen beeinträchtigt. Einmal findet sie sich nach dem Angriff des Mörders sogar blind im tobenden Schneechaos wieder. Gotcha: Whiteout. Doch nicht nur das Wetter steht Carries Ermittlungen im Weg. Die Morde häufen sich, niemand scheint mit offenen Karten zu spielen, und kurz bevor sich monatelange Dunkelheit über das eisige Ende der Welt senkt, bekommt die widerborstige Polizistin von ihrem Vorgesetzten die Pistole auf die Brust gedrückt: Löse den Fall, oder Du hast ein Problem...

 

Man kennt das ja aus Horror-Filmen: Je kleiner die Cast und je begrenzter der Raum, desto spannender das Rätselraten, wer denn nun der Mörder ist – oder wer als nächstes dran glauben musss. Dieses klassische Prinzip überträgt Rucka geschickt auf seinen Comic-Thriller und würzt die dadurch entstandene Konstellation schließlich noch clever mit dem ungewöhnlichen Setting der Antarktis, wo die Uhren in vielerlei Hinsicht ein bisschen anders ticken (was zu Beginn des Bandes aber auch ein wenig das Problem der Story ist, da der Leser gut 30 Seiten braucht, um hinter die Mechanismen in Carries Alltag in der Artkis zu steigen). Et voilá, fertig ist der Comic-Krimi der etwas anderen Art.

 

Und auch Steve Liebers Artwork ist anders. Ruckas spürbar gründliche Recherchen sind eine gute Grundlage für die atmosphärische Schnitzeljagd in Schnee und Eis, die von Lieber treffend in nicht weniger stimmungsvollen Schwarzweiß-Panels festgehalten wird. Wandelbar wie die Geschichte selbst, setzt Lieber Ruckas Skript äußerst facettenreich um. Sein ebenso üppiger wie vielfältiger Einsatz von Texturen, Schraffuren und dem Manga entnommenen Rasterflächen weiß stets gut zu gefallen und passt gut zur Story. Pikante Quintessenz: Der Thriller im weißen Gewand lebt also von seinen üppigen schwarzen Momenten und dunklen Seiten, was die Optik anbelangt.

 

Zehn Jahre hat das 1998 bei Oni erschienene »Whiteout« inzwischen auf dem Buckel. Doch weder die Klimaerwärmung, noch Happy Feet haben dem arktischen Comic-Thriller etwas anhaben können. Nach wie vor präsentiert er sich als moderner, spannender und vor allem angenehm straighter Krimi mit einer wohltuend schlüssigen, schnörkellosen - und für das Medium und Genre längst nicht mehr selbstverständlichen - Auflösung.

 

Trotz einiger Startschwierigkeiten in der bitteren Kälte haben Rucka und Lieber mit dem ersten Whiteout-Band also fast alles richtig gemacht. Ein im wahrsten Sinne des Wortes eiskalter Thriller.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202406251153226c68c435
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Comic:

Whiteout

Whiteout Bd. 1

Autor: Greg Rucka

Zeichner: Steve Lieber

Cross Cult, November 2007

Hardcover, 128 Seiten

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 393648080X

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 28.11.2007, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 5391