Wildnis von Roddy Doyle

Rezension von Heike Rau

 

Der Vorschlag ihrer Mutter Sandra, einen Abenteuerurlaub zu unternehmen, gefällt den Brüdern Johnny und Tom gut. Ohne Vater und ohne ihre Schwester Gráinne. Es ist im Grunde eine Flucht. Gráinne ist nicht die Tochter Sandras. Gráinnes Mutter Rosemary, hat die Familie vor vielen Jahren verlassen und kehrt nun zurück, um ihre Tochter zu sehen.

 

Es wird eine Winter-Safari. Auf geht es nach Finnland. Mit Hundeschlitten soll die Wildnis erkundet werden. Aki und Kalle leiten die kleine Gruppe an. Die Ausflüge in die Schneelandschaft sind umwerfend beeindruckend, aber auch gefährlich. Sandra geht mit ihrem Hundeschlitten verloren. Als sie nicht mit den anderen zurückkehrt, glaubt man, sie sei vom Schlitten gestürzt. Aki und Kalle würden sie finden, da sind sich Johnny und Tom zunächst sicher. Doch für ihre Begriffe zeigen die Fremdenführer nicht genug Enthusiasmus. Die Jungen finden keine Ruhe und machen sich schließlich auf eigene Faust mit einem Hundegespann auf die Suche.

 

Unterdessen lernt Gráinne ihre Mutter kennen. Sie hat sich das Treffen ganz anders vorgestellt. Sie muss erkennen, keinerlei Beziehung zu ihrer Mutter mehr zu haben. Diese versucht sich zu erklären, aber Gráinne kann ihr Handeln nicht verstehen. Sie kann ihrer Mutter nicht verzeihen, dass sie als kleines Kind einfach verlassen worden ist. Doch das geschah natürlich nicht grundlos. Und so versucht Rosemary dies zu rechtfertigen. Weder ihr noch ihrer Tochter gelingt es, die Gefühle, die ihre Gespräche auslösen, im Zaum zu halten.

 

Diese beiden Erzählstränge laufen parallel. Nur wird die eine Geschichte von der anderen bald komplett überlagert. Statt über Gráinne zu lesen, ist es viel spannender zu erfahren, was Sandra und ihren Söhnen widerfährt.

Johnny ist fast 12 und sein Bruder Tom 10 Jahre alt. Was für die beiden wie ein Abenteuer beginnt, wird zur Bewährungsprobe, als ihre Mutter vermisst wird. Es ist sehr aufregend zu sehen, wie die Jungen das Kindliche abstreifen und beginnen Verantwortung zu übernehmen. Der Autor beschreibt dies sehr genau. Er geht auf die Gedanken und Gefühle der Brüder ein und lässt das in jeden Satz einfließen. Man kann die Geschichte also sehr gut nachvollziehen. Mitzudenken ist bei diesem Buch natürlich erforderlich.

 

Die beiden Geschichten sind so unglaublich gegensätzlich und gehören doch zusammen. Johnny und Tom drohen ihre Mutter zu verlieren, während Gráinne ihre wiederfindet. Diese sehr emotionale Schreibweise des Autors, macht die ganze Dramatik sichtbar. Vor diesem Hintergrund scheint die Geschichte allerdings zu kurz.

 

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Jugendbuch:

Wildnis

Autor: Roddy Doyle

Übersetzt von Andreas Steinhöfel

208 Seiten, gebunden, 12,95 Euro

cbj, 25. Januar 2010

ISBN-10: 3570135535

ISBN-13: 978-3570135532

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 13 Jahre

Erhältlich bei: Amazon

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zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49 | Users Online
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