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Wind der Zeiten von Jeanine Krock

Rezension von Christel Scheja

 

Jeanine Krock hat sich wohl in erster Linie einen Namen als Autorin von erotischen Romanen um Feen, Vampire und einem gehörigen Schuss Dark Fantasy gemacht. Nun zeigt sie, dass sie auch ein wenig mehr kann, als nur leidenschaftliche Romanzen in der Jetztzeit zu erzählen, denn „Wind der Zeiten“ spielt nur zu einem geringen Teil im 21. Jahrhundert.

 

Johanna hatte in der letzten Zeit ziemliches Pech in der Liebe und braucht nun ein wenig Abstand von ihrem Leben als Erbin einer Hamburger Reederei. Sie will die letzte Beziehung mit einem Mann hinter sich lassen, der sich nicht nur als geldgierig, sondern auch brutal erwies. In den schottischen Highlands hofft sie durch die Einsamkeit und die wildromantische Landschaft wieder zu sich zu kommen. Tatsächlich helfen ihr eine Freundin, ein schottisches Urgestein und nicht zuletzt ein verstörtes Pferd dabei andere Gedanken in den Kopf zu bekommen.

Tatsächlich geht es ihr bald besser und sie beginnt sich wieder genauer umzusehen. Dabei macht sie Bekanntschaft mit dem gutaussehenden aber geheimnisvollen Alan, den sie – auch wenn sie es gar nicht will - aus dem Kopf bekommt.

Dann gerät sie bei einem Reitausflug in einen Sturm und stützt vom Pferd. Als sie wieder zu sich kommt, ist Alan bei ihr, doch er wirkt wie ausgewechselt. Und das liegt nicht nur an der Kleidung eines schottischen Highlanders aus dem 18. Jahrhundert. Das beste ist, er behauptet auch noch ein Laird zu sein, der Anführer eines Clans.

Als er sie mit zu sich nach Hause nimmt, wird Johanna bald eines besseren belehrt und muss sich tatsächlich damit abfinden, dass sie im Jahr 1728 gelandet ist und einige Legenden, die man sich über den Clan und die Gegend erzählt, wahr zu sein scheinen. Vor allem Alan umranken viele Geschichten, gilt er doch als Wechselbalg, als Sohn der Feen, der eigentlich nicht in diese Welt gehört.

Nach und nach taucht Johanna tiefer in diese magische Welt ein und muss bald feststellen, dass diese durch hinterhältige Intrigen bedroht wird, die inzwischen auch sie erwischt zu haben scheinen...

 

Eine junge Frau, die schottischen Highlands und eine Zeitreise, das dürfte vielen Leserinnen bekannt vorkommen. Nach Diana Gabaldons Welterfolg haben viele andere Autoren dieses Thema aufgegriffen und die Bestseller mehr oder weniger kopiert. Für eine ganze Weile dominierten die Highlands und ihre kernigen Krieger sogar den historischen Liebesroman. Nun nachdem es still um diese Geschichten geworden ist und einige Jahre ins Land gegangen sind, tauchen diejenigen Werke wieder auf, die es damals vermutlich nicht mehr in die Bücherregale geschafft haben und erscheinen nun - wenn sie einen gewissen Anteil an Feen- oder alter heidnischer Magie haben - als Fantasy-Roman.

Ob „Wind der Zeiten“ dazu gehört, lässt sich nur vermuten, es kann aber sehr gut möglich sein, da der phantastische Anteil des Buches eher gering ist.

Immerhin konzentriert sich die Autorin nicht nur auf die Beziehung zwischen den Helden sondern erweckt auch das 18. Jahrhundert zum Leben. So erfährt man nicht nur, wie sich Alan und Johanna langsam näher kommen, sondern auch wie die Menschen im 18. Jahrhundert gelebt haben oder wie Schotten und Engländer wirklich versucht haben miteinander auszukommen, auch wenn es ihnen immer wieder durch. Viel Wert legt sie auch auf die Beschreibung der Kleidung, was wohl an ihren ehemalige Berufen in der Mode- und Theater-Branche liegt.

Angenehm fällt dabei auf, dass sich die Figuren Zeit lassen zusammen zu kommen. Sie lernen sich erst einmal richtig kennen und schätzen, was für viele nette kleine Szenen und das gewisse erotische Knistern sorgt, auch wenn es keine expliziten Szenen gibt.

Die wichtigen Nebencharaktere sind ebenfalls sehr gut ausgearbeitet und haben einen abwechslungsreichen Charakter, so dass die Handlung - auch wenn letztendlich nicht so viel passiert, spannend und lebendig bleibt.

 

Alles in allem ist „Wind der Zeiten“ ein unterhaltsamer und kurzweiliger Liebesroman, der Historienkitsch vermeidet und einen frischen Wind durch das schwülstig gewordene Highlander-Genre wehen lässt. Hardcore-Fantasy-Fans werden zwar die Magie vermissen, aber Leserinnen, die Romantik und Ambiente suchen, werden genau das bekommen.

 

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Wind der Zeiten

Autorin: Jeanine Krock

broschiert - 558 Seiten

Heyne, erschienen Mai 2011

Titelbild von Nele Schütz Design, Karte von Andreas Hancock

ISBN-10: 345353400X

ISBN-13: 978-3453534001

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.06.2011, zuletzt aktualisiert: 27.08.2020 19:55