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Wings of War

Rezension von Marcus Krug

 

„Unser Ziel ist es Flieger abzuschießen, nicht Piloten! Wir sind Sportsmänner, keine Schlächter!“

 

So lauten die ersten Sätze im beiliegenden Trailer zum Spielfilm „Der rote Baron“. Auch wenn dies doch eher realitätsfern ist, wenn man es auf die tatsächlichen Gegebenheiten des ersten Weltkriegs bezieht, sollten Kritiker von militaristisch angehauchten Spielen vielleicht mit eben diesen Sätzen im Hinterkopf an „Wings of War“ herangehen. Denn auch wenn Brettspiele mit militaristischem Hintergrund, insbesondere wenn sie einen der Weltkriege zum Inhalt haben, immer noch in weiten Kreisen unbeliebt sind oder zumindest mit Argwohn betrachtet werden, sieht die Realität, bezogen etwa auf Computerspiele, doch anders aus. Dies ist besonders deswegen unverständlich, da es völlig normal erscheint, wenn in Spielen, die in der Antike angesiedelt sind, Schlachten geschlagen werden und im durchschnittlichen Computer- oder Konsolenspiel sowieso andauernd Köpfe rollen. Mit genug geschichtlichem Realitätssinn ausgestattet, sollte dem Spielspaß nichts im Wege stehen.

 

Spielziel

 

Wings of War kann mit verschiedenen Zielsetzungen gespielt werden. Es ist sowohl möglich einfache Luftschlachten auszutragen, bei denen das Ziel darin besteht die gegnerischen Maschinen vom Himmel zu holen, als auch komplexere Missionen und Szenarien, bei denen bestimmte Missionsziele, wie etwa die Zerstörung eines Bodenziels, nötig sind.

 

Ausstattung

 

Zunächst stechen natürlich die vier beiliegenden Flugzeugminiaturen ins Auge. Sie sind sehr detailverliebt und originalgetreu gestaltet und insbesondere auch ihre Bemalung kann sich sehen lassen. Schon allein diese Miniaturen lassen in vielen, mehrteilig männlichen Spielern, den kindischen Spieltrieb noch deutlicher hervortreten als sonst. So begannen und endeten unsere Testrunden nicht selten damit, dass Flugzeuge durch die Luft bewegt, Starts und Landungen und natürlich auch die notwendige Geräuschkulisse simuliert wurden. Das Fazit hieraus: die Flugzeuge sind klasse!

Auch das restliche Material ist von hoher Qualität. Sowohl Markierungschips als auch Karten dürften den Spielern viele Runden Spaß bereiten.

 

 

  • 4 Flugzeuge
  • 4 Manöverdecks
  • 2 Schadenskartendecks
  • 4 Spielbretter
  • 2 Lineale
  • 85 Spielmarken

 

 

Spielregeln

 

Die Regeln von Wings of War sind verständlich geschrieben und angenehm kurz. Vor allem, wenn man sich auf die Grundregeln beschränkt, kann das Spiel innerhalb weniger Minuten beginnen. Ein erfahrener Spieler kann das Spiel denn auch in unter 3 Minuten erklären.

Das weitere Regelwerk kann als Bausatz verstanden werden, von dem nach belieben weitere Details inkorporiert werden können. Auch sie sind gut verständlich erklärt.

 

Spielverlauf

 

Der Spielverlauf ist abhängig vom gewählten Spieltyp. Eine einfache Luftschlacht läuft etwa wie folgt ab:

 

Alle Spieler bekommen ein oder mehrere Flugzeuge und die zugehörigen Bewegungskarten. Auf diesen ist jeweils ein Pfeil abgebildet, etwa eine Kurve oder eine Gerade, die das Flugzeug entlang fliegt. Da die Flugzeuge je nach Wendigkeit und Geschwindigkeit verschiedene Decks haben, fliegen sich die Maschinen entsprechend unterschiedlich.

 

Zu Beginn des Spiels wählen die Spieler eine glatte Fläche, die sie als Spielfeld definieren. Ihr werden dabei Grenzen zugewiesen, die von den Flugzeugen nicht überschritten werden dürfen. Nachdem die Spieler ihre Flugzeuge innerhalb dieser Fläche aufgestellt haben, meist in der Nähe der zu ihnen weisenden Spielfeldgrenze, kann es losgehen.

 

Am Anfang jeder Runde wählen die Spieler verdeckt drei Bewegungskarten und legen sie, ebenfalls verdeckt, in einer festen Reihenfolge vor sich ab. Dies sind die Manöver, die das Flugzeug in dieser Runde durchführen wird. Nachdem die Karten abgelegt wurden, müssen sie, ohne dass sie nochmals verändert werden könnten, auch durchgeführt werden.

 

Haben alle Spieler diese Planung ausgeführt, kann damit begonnen werden die Flugzeuge zu ziehen. Dazu decken alle Spieler gleichzeitig ihre erste Karte auf, legen sie an die Vorderkante der Base ihres Flugzeuges und ziehen dann das Flugzeug am auf der Karte abgebildeten Richtungspfeil entlang.

Ist dies für alle Flugzeuge geschehen, kann noch geschossen werden. Dazu ist auf der Base jedes Flugzeuges ein Sichtfeld eingezeichnet, innerhalb dessen gefeuert werden darf. Die maximale Entfernung wird durch das beiliegende Lineal überprüft. Ist der Gegner nah genug, wird er getroffen und muss 1 bis 2 Schadenskarten (nach Entfernung) ziehen.

 

Die Schadenskarten zeigen Zahlenwerte von 0 bis 5. Diese beziffern den verursachten Schaden. Jedes Flugzeug hat eine bestimmte Anzahl „Lebenspunkte“. Erreicht die Summe des Schadens diesen Wert, wurde das Flugzeug abgeschossen. Die Höhe des Schadens wird bis zu diesem Zeitpunkt geheim gehalten, indem die Schadenskarten verdeckt vor dem Spieler abgelegt werden.

 

Abgesehen vom rein numerischen Schaden gibt es noch verschiedene Formen des Sonderschadens. So kann das Flugzeug Feuer fangen, das Seitenruder kann klemmen oder das MG eine Fehlfunktion aufweisen. Dem entsprechend ist die Manövrierbarkeit eingeschränkt oder das Feuern ist für eine bestimmte Dauer nicht möglich.

 

Gewonnen hat, wessen Flugzeug sich zuletzt am Himmel befindet.

 

Neben diesen einfachen Grundregeln existieren noch Regeln zur Einbeziehung der Flughöhe, zu Landungen und Starts und, ganz besonders interessant, Szenarios.

 

Die Höhenstufenregeln sind erst mit den Miniaturen möglich und bieten noch weit mehr Realitätsnähe. Schön umgesetzt ist dabei, dass die Flugzeug dank variabler Stiele tatsächlich unterschiedliche Flughöhen haben.

 

Für die Szenarios wurden dann noch Regeln zum Bombardieren feindlicher Stellungen sowie für Flugabwehrgeschütze beigefügt. Insgesamt enthalten die Regeln 4 einfache und 3 fortgeschrittene Szenarien. Für die fortgeschrittenen Szenarien werden weitere, im Handel erhältliche, Miniaturen benötigt.

 

Spielspaß

 

Das Grundprinzip von Wings of War ist sehr einfach, die Komplexität kann aber nach Belieben erhöht und an die Erfahrung der Spieler angepasst werden. Es ist demnach sowohl möglich Wings of War als lustige und schnelle Ballerei zu spielen, als auch mehr in Richtung einer detailgetreuen Simulation. Immer bleibt das Spiel jedoch schnell und kurzweilig.

 

Insbesondere der Zugmechanismus mittels der Karten sorgt für Spannung und oft auch Überraschungen. Es gilt das Verhalten des Gegners vorherzusagen und insbesondere auch mit der eigenen Reaktionsverzögerung zu arbeiten. Dies folgt daraus, dass immer drei Karten im Voraus gespielt werden, man dementsprechend auch erst danach auf die Aktionen des Gegners reagieren kann. Dies simuliert sehr schön die doch deutlich trägere Steuerung älterer Flugzeuge und insbesondere auch den Umstand, dass der Mensch eben bei hohen Geschwindigkeiten eine gewisse Reaktionszeit hat.

 

Insgesamt spielt sich Wings of War ähnlich, wie ein Flugsimulator am PC. Der Spieler versucht das Verhalten des Gegners zu antizipieren und fühlr sich dabei so, als würde er selbst im Cockpit sitzen.

 

Die deutlich unterschiedlichen Flugmanöver, die den Flugzeugen zur Verfügung stehen, sorgen dafür, dass sich die Maschinen auch unterschiedlich fliegen. Manche sind sehr schnell, andere eher wendig. Die Flugstrategie muss entsprechend angepasst werden. Von einigen wird behauptet, dass die wendigeren Maschinen, wie etwa die des roten Baron, klar im Vorteil und von den restlichen Maschinen schwer zu besiegen seien. Wem das ebenso geht, der sollte mit 2 Flugzeugen auf jeder Seite spielen, einer schnellen und einer eher wendigen. Ich kann dazu nur sagen, dass ich mit beiden Typen gute Erfolge erzielt habe.

 

Die Glückskomponente darf wegen der zufälligen Schadenshöhe bei einem Treffer natürlich nicht unterschätzt werden. Insbesondere, da man auch mit einer „Sudden Death“–Karte spielen kann, bei der dann schon ein Treffer genügt. Diesen Glücksanteil könnte man aber auch einfach durch das Beschränken der Zahlenwerte auf 0 bis 2 minimieren. Uns hat er in jedem Fall nicht gestört. Dies wohl auch, da die Kämpfe meist schnell vorbei waren, meiner Erfahrung nach braucht man für ein Match etwa 10 bis 30 Minuten, je nach Anzahl der Spieler und Flugzeuge. Danach war fast immer Zeit für eine Revanche.

 

Fazit

 

Egal mit welchen Erwartungen man an Wings of War herangeht, man wird nicht enttäuscht. Man kann sowohl eine kurze fetzige Luftschlacht mit wenigen Regeln und hohem Funfaktor haben, als auch eine komplexere, missionsgesteuerte Simulation mit vielen Details. Gerade diese Flexibilität kam bei den Spielern gut an.

 

Die Flugzeugmodelle erhöhen den Spaß dabei ungemein und locken auch andere Spieler an den Tisch. Allein die Haptik und der Spieltrieb sind hier ein klarer Vorteil.

Da die Flugzeuge sonst nur Einzeln erhältlich sind und dazu noch ein Basisspiel gekauft werden muss, liegt mit dem Deluxe Set der perfekte Einstieg in die Welt von Wings of War vor. Auch der Preis ist wegen der wirklich hervorragenden Miniaturen nicht übertrieben. Zudem kann die Spieleranzahl einfach durch neue Flugzeugmodelle, die ihre Bewegungskarten gleich mitbringen, beliebig erweitert werden. Hier gilt es jedoch Vorsicht walten zu lassen, Suchtgefahr! Wer würde nach ein paar Runden Wings of War nicht gerne eine größere Luftschlacht mit einem halben Dutzend Maschinen pro Seite durchspielen? Wir bestimmt!

 

Daher kann es nur heißen: Zuschlagen und auf zur Luftschlacht!

 

Wer noch mehr über Wings of War wissen möchte, wir haben auch die anderen Spiele aus der Serie rezensiert:

 

www.fantasyguide.de/4621.0.html

www.fantasyguide.de/4586.0.html

www.fantasyguide.de/4587.0.html

www.fantasyguide.de/4568.0.html

 

(anklicken zum vergrößern)
 

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Wings of War - Deluxe Set

Autor: Andrea Angiolino & Pier Giorgio Paglia

Nexus Games; Mad Man's Magic

Spieleranzahl: 2 - 4

Spielzeit: ab 30 Minuten

Mindestalter: ab 10 Jahren

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Inhalt:

 

  • 4 Flugzeuge
  • 4 Manöverdecks
  • 2 Schadenskartendecks
  • 4 Spielbretter
  • 2 Lineale
  • 85 Spielmarken

 


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Erstellt: 30.05.2008, zuletzt aktualisiert: 02.03.2016 11:40