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Winterfluch von Seanan McGuire

Reihe: October Daye, Bd.1

Rezension von Christel Scheja

 

Nachdem schon so gut wie jeder Autor über Vampire geschrieben hat, erweitert sich nun die Palette der Wesen, die im Mittelpunkt der Urban Fantasy stehen können. Dabei ist es nicht einmal neu, dass Feenwesen aus der Anderswelt in der Gegenwart agieren, denn schon in den 1980er Jahren haben sich Autorinnen als das Genre erstmals aufkam, einer solchen Mischung bedient. Daher steht auch Seanan McGuire mit ihren Romanen um „October Daye“ in einer alten Tradition. „Winterfluch“ ist das Romandebüt der in Nordkalifornien lebenden Musikerin und Comic-Zeichnerin.

 

October Daye ist ein „Wechselbalg“, ein Wesen halb Mensch, halb Fee, das zwischen den Welten steht und nicht wirklich zu einem ihrer Elternvölker gehört. Die meisten anderen Wesen der Anderswelt verachten Mischlinge und unter den Sterblichen fällt sie zu schnell durch ihr Aussehen auf, wenn sie nur einmal vergisst ihre magische Tarnung aufrecht zu erhalten.

Dennoch hat sich die junge Frau dazu entschieden, in der Menschenwelt zu leben und dort als Privatdetektivin zu arbeiten. Allerdings macht ihr ein gut vierzehn Jahre dauernder Zauberbann einen Strich durch die Rechnung. Als sie wieder ihre natürliche Gestalt annehmen kann, ist nichts mehr wie zuvor. Ihre Freunde und ihre Familie haben sie vergessen und ihre Lizenz ist abgelaufen, so dass sie sich auch nicht mehr in ihren Beruf zurückziehen kann. Was ihr bliebe wäre allein die Rückkehr an den Feenhof auf dem sie aufgewachsen ist.

Aber es kommt anders als sie denkt. Bevor sie eine Entscheidung treffen kann wird ihre einzige Freundin, die Feenfürstin Evening Winterrose auf bestialische Weise mit Eisen ermordet, so als wolle jemand ein Zeichen setzen.

Als October Daye ihren ersten Schock überwunden hat, macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder und muss feststellen, dass sie sich dabei auch ihrer eigenen Vergangenheit in beiden Welten stellen muss. Denn die Intrigen reichen weit tiefer in die Vergangenheit als sie dachte. Und ihr Gegner scheint sie sehr gut zu kennen, denn er ist ihr einen Schritt voraus.

 

Anders als in vielen anderen Romanen in denen sich Menschen- und magische Welt vermischen, gibt es erst einmal keine Liebesgeschichte. October ist zu sehr damit beschäftigt, die Scherben ihres eigenen Lebens aufzuräumen zu kitten, was sie kitten kann, um eine Romanze mit einem der in Buch auftauchenden Männer zu beginnen, auch wenn sie mit dem ein oder anderen schon eine gemeinsame Geschichte hat.

Stattdessen erfährt man eine Menge über ihre Vergangenheit und die Gesellschaft der Feen, die sich mit der modernen Welt arrangiert hat und auch ihren Nutzen daraus zieht. Dabei bedient sie sich der Motive und Darstellungen, wie man sie in zahlreichen keltisch-irisch-britannischen Mythen finden kann – die Wesen der Anderswelt sind generell arrogant, ziemlich herz- und gefühllos. Sie kennen nur wenige moralische Skrupel, wenn es um Mischlinge und den Tod geht. In dieser Hinsicht unterscheidet sie sich kaum von den anderen Autoren, die sich dieses Hintergrundes bedienen.

Allerdings wird sie auf der anderen Seite auch nicht süßlich. Die Geschichte erinnert ein wenig an die von Jim Butchers „Harry Dresden“, ohne dass sie ihn kopiert. Auch October Daye ist durch ihre Erlebnisse ein wenig zynisch geworden und erwartet von ihrem Gegenüber lieber erst einmal nichts gutes, da sich Vertrauen oft genug als Falle erwiesen hat.

All das wird in eine flott erzählte Handlung gepackt, die zwar in Punkto Charaktere noch etwas an Entwicklung und Tiefe vermissen lässt, aber nichtsdestoweniger unterhält. Gerade weil hier nicht wieder die Liebe sondern das Abenteuer und ein gut durchdachter Krimi im Vordergrund stehen, bietet der Roman Abwechslung von dem ganzen Vampir-Einheitsbrei.

 

„Winterfluch“ ist damit waschechte Urban Fantasy und keine paranormale Romanze. Da der Schwerpunkt eindeutig auf Spannung und Action gepaart mit einem Hauch von Drama liegt, kann das Buch damit auch für Genre-Fans interessant sein.

 

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Buch:

Winterfluch

Reihe: October Daye, Bd.1

Autorin: Seanan McGuire

broschiert, 338 Seiten

LYX/Egmont Verlagsgesellschaften, Köln, erschienen Januar 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Michael Krug

Titelbildgestaltung von Hildendesign unter Verwendung von Motiven von Laura Zalegna

ISBN-10: 3802582888

ISBN-13: 978-3802582882

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 19.03.2010, zuletzt aktualisiert: 10.01.2020 09:40