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Winterkind von Lilach Mer

Rezension von Christel Scheja

 

Schon in ihrem Erstlingsroman „Der siebte Schwan“ verband die 1974 geborene Autorin Lilach Mer Märchenmotive mit dem Leben in der Zeit der Jahrhundertwende. In ihrem zweiten Buch „Winterkind“ begibt sie sich in das ländliche Niedersachsen um 1880.

 

Blanka von Rapp ist eine stolze Schönheit, schlank und grazil entspricht sie mit ihren schwarzen Haaren und der weißen Haut dem Schönheitsideal der Zeit. Und sie könnte zufrieden sein, hat sie doch einen reichen Mann, der die Glashütte im Dorf sein Eigen nennt und ein hübsches Kind.

Aber die adlige Dame lebt in einer eigenen Welt, nimmt kaum wahr, was um sie herum passiert. Ein Tonikum schenkt ihr die Kraft und Stärke, die sie braucht, um jeden Tag zu überstehen und sich dem großen Spiegel zu stellen, der ihr liebstes Mitbringsel aus der eigenen Vergangenheit ist.

Das Gesinde und die Gouvernante ihrer Tochter haben sich mit ihrer seltsamen Herrin arrangiert. Doch auch sie können nicht verhindern, dass Blanka eines Tages nicht mehr länger ihre Augen vor der Wirklichkeit verstecken kann. Als deutlich wird, dass die Geschäfte ihres Mannes schlechter laufen und er durch Spekulationen viel Geld verloren hat, muss sie sich den Problemen stellen und damit auch ihrer eigenen traumatischen Vergangenheit.

 

„Winterkind“ wirkt magisch und mystisch ohne es wirklich zu sein. Zwar erkennt man Motive wie Blankas Aussehen und den Spiegel wieder, die Geschichte verläuft aber gänzlich anders und zeichnet ein interessantes Sittengemälde der späten Gründerzeit, beschäftigt sich ebenso mit der Stellung der Frau, den wenigen Möglichkeiten, die ihnen bleiben, um ihr Leben ohne Mann zu gestalten und den vielen Hürden, wie auch mit der hierarchischen Struktur, in die die Menschen hineingeboren wurden.

Ohne dass sie das Leben der einfachen Arbeiter thematisiert sind Not und Unmut doch spürbar, zeigt sich gelegentlich der Dünkel, den auch Blanka nicht ablegen kann. Ihr Mann – der Auslöser allen Übels bleibt dagegen eher schattenhaft und blass, im Mittelpunkt stehen eigentlich nur die Frauen.

Blanka hütet ein düsteres Geheimnis aus ihrer eigenen Kindheit, durch das sie sich in ihre eigene Welt geflüchtet hat, Sophie hat keine andere Wahl als sich anzupassen, auch wenn sie hochgebildet und intelligent ist, und Johanna wagt es als Kind noch aufzubegehren, auch wenn sie schon erste Grenzen gesetzt bekommt.

Alles in allem verläuft die Handlung zwar ruhig ist dennoch spannend, weil man mit den Figuren fühlt und leidet, sie genauer kennen lernen möchte und gleichzeitig einiges über die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts lernt, was in den Geschichtsbüchern eher untergeht und das Leben im deutschen Kaiserreich auch für Laien plastisch werden lässt.

 

Damit spricht „Winterkind“ vor allem die Freunde ruhiger aber atmosphärisch dichter Romane an, in dem die vergangene Zeit vor allem durch die Figuren zum Leben erwacht. Dazu kommt eine warmherzig-märchenhafte Stimmung, die die schlichte aber poetische Sprache der Autorin noch verstärkt wird.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Winterkind

Autorin. Lilach Mer

broschiert, 279 Seiten

Dryas, erschienen September 2012

Umschlaggestaltung von Guter Punkt

ISBN-10: 3940855367

ISBN-13: 978-3940855367

Erhältlich bei: Amazon

Kindle Edition

ASIN: B008UCNKVQ

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 17.02.2013, zuletzt aktualisiert: 10.01.2020 09:40