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Winterwende von Brian Ruckley

Reihe: Die Welt aus Blut und Eis, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Nachdem eine Zeit lang die epischen Heldengeschichten im Stil von J. R. R. Tolkiens „Herrn der Ringe“ den Markt dominierten, kehren nun auch wieder die Werke zurück, die ein etwas düstereres und schmutzigeres Bild in archaischen Welten zeichnen.

Daran ist nicht zuletzt George R. R. Martins „Ein Lied von Eis und Feuer“ Schuld, in dem das Böse keine uralte Macht ist sondern mehr oder weniger in den Menschen verborgen ist und sich in Machtgier, Fanatismus und tödlichen Intrigen eine Bahn bricht, wenn die Zeit gekommen ist. An diesem Zyklus orientiert sich auch der junge britische Autor Brian Ruckley in seinem Debüt, an dem er drei Jahre arbeitete. „Winterwende“ ist der Auftakt zu seinem Zyklus „Die Welt aus Blut und Eis“.

 

Aus Entsetzen über die dunklen Seiten ihrer eigenen Schöpfung, verließen die Götter die Welt und die fünf von ihnen geschaffenen Rassen alleine und ohne Beistand zurück. Das Schicksal wurde nun von der Willkür und dem triebhaften Wesen der sterblichen Geschöpfe - bestimmt und die tausend Jahre ihrer nun folgenden Geschichte waren immer wieder von Gewalt und Blut durchzogen.

Zwar gelang es den Clans der Menschen in den letzten Jahrhunderten einen friedlichen Status Quo zwischen sich und den magischen Rassen zu erreichen, aber auch unter ihnen entwickelten sich dunkle Strömungen. An die Weissagungen einer Bäuerin glaubend, folgten einige Sippen dem „Schwarzen Pfad“ der von einem verborgenen Gott sprach, der die Hände beschützend über seine Diener halten würde, wenn sie nur seine Religion immer weiter verbreiten würden.

Bevor diese Religion Fuß fassen konnte, wurden die Gläubigen ausgestoßen und in den unwirtlichen Norden vertrieben. Dort aber vermehrten sie sich und schürten fanatisch ihren Hass.

Und nun - viele Jahre später scheint ein günstiger Zeitpunkt gekommen, um grausame Rache zu nehmen. Die Bewohner von Burg Kolglas ahnen nichts von dem Verhängnis, als sie sich zum Fest der Winterwende zusammen finden. Gerade erst wurde ein anderes Haus des Haigh-Clanes zur Räson gebracht, das gegen die Herrschaft des Hoch-Thans rebelliert hatte, und das Bündnis mit den magischen Rassen scheint durch die Bestrafung der Aufrührer um so fester geworden zu sein. So glauben sie das Fest ohne Vorbehalte genießen zu können und sind nicht mehr wachsam genug, um das Verhängnis, das nun mit roher Gewalt über sie hinein bricht.

Der verbannte Gyre-Clan fällt über sie her und macht viele wehrlose Bewohner nieder. Von der Familie des Burgherrn überleben nur die Kinder - Orisian, der Erbe und seine Schwester Anyara. Während dem Jungen mit Getreuen die Flucht gelingt, muss das Mädchen in der Gefangenschaft darben und bekommt die angestaute Wut und Entschlossenheit der Diener des „Schwarzen Pfads“ mit voller Wucht zu spüren...

 

Man merkt sehr deutlich, dass sich Brian Ruckley sehr stark an seinem Vorbild Martin orientiert. Auch hier sind es die Erben einer abgelegenen Burg, die als einzige Überlebende ihrer adligen Familie in den Fokus der Geschichte rücken und immer mehr eine Schlüsselstellung einnehmen. Gelenkt werden die fanatischen Anhänger des „Schwarzen Pfades“ nicht von ihren kriegerischen Anführern sondern von einer grauen Eminenz im Hintergrund, dem Halbblut Aeglyss, der sich für seine Verbannung aus dem Süden rächen und die blühende Allianz der Völker zerstört sehen will.

Aber da hören die Ähnlichkeiten auch schon auf. Brian Ruckley gelingt es nicht, so starke Bilder aufzubauen wie George R. R. Martin. Sein Roman ist zunächst sehr unstet, man kann durch ständige Szenenwechsel nur ahnen, auf was das ganze hinaus laufen wird, weil er darauf verzichtet, die Figuren gründlich einzuführen. Bei der Vielzahl an wichtigen Charakteren verliert man gerade in der ersten Hälfte des Buches schon einmal den Überblick und leider auch den roten Faden.

Auch die Beschreibungen sind sehr vage - man bekommt zwar mit, dass man sich in einem Land befindet, das kulturell wie auch landschaftlich an das frühmittelalterliche England zur Zeit der Sachsen- und Wikinger-Invasionen angelehnt ist, wichtige Dinge, wie die Unterscheidungen zwischen den magischen Rassen oder der mythische und magische Überbau bleiben aber sehr schwammig und sind einfach nicht richtig vorstellbar.

Hat man das diese Probleme erst einmal hinter sich gelassen, wird der Roman auch klarer. Die den Teilen vorgeschobenen Zitate aus der Vergangenheit ergeben nun einen Sinn und helfen dabei mit, den Hintergrund des Kampfes und der Angriffe besser zu verstehen. Der Flickenteppich wird langsam zusammengefügt und auch die Hauptfiguren gewinnen an Schärfe und Glaubwürdigkeit. Die Spannung steigert sich und es gelingt Ruckley sogar, auf den nächsten Band neugierig zu machen.

 

„Winterwende“ bietet damit zwiespältige Lektüre. Während man sich durch die erste Hälfte des Romans wirklich quälen muss und dabei zwar oberflächlich unterhalten, aber nicht zufrieden gestellt wird, zeigt die zweite Hälfte des Buches, wozu der Autor eigentlich wirklich fähig ist. Hier hätte eine Straffung der ersten 300 Seiten wirklich Wunder gewirkt und aus einem nun eher mittelmäßigen Debüt einen guten und spannenden Einstiegsroman gemacht.

 

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Winterwende

Reihe: Die Welt aus Blut und Eis, Bd. 1

Autor: Brian Ruckley

Paperback, 600 Seiten

Piper, erschienen November 2007

ISBN 978-3-492-70143-3

Übersetzung aus dem Englischen von Birgit Ress-Bohusch

Titelfoto: Lubos dE Gerardo Surzin, Kroatien; Karte von n. n.

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 25.11.2007, zuletzt aktualisiert: 27.08.2020 19:55