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Wölfe des Nordens von Rolf W. Michael

Rezension von Markus Mäurer

 

Lars Wolfsohn ist ein junger Wikinger, der nun die Möglichkeit hat, auf seinen ersten Beutezug mitzugehen. Denn Haakon Bärensprung der Jarl (Häuptling, Vorsitzender) von Lars’ Thing (Dorf, Siedlung) wurde von einem anderen Jarl beleidigt. Um diese Beleidigung zu rächen, greift Haakon mit seinen Kriegern nun die Siedlung des Feindes an. Für Lars die erste Möglichkeit sich im Kampf zu bewähren. Und ich verrate wohl nicht zuviel, wenn ich schreibe, dass er diese Bewährung mit Glanz besteht. In seinem ersten ernsthaften Gegner findet Lars einen Freund fürs Leben. Nachdem Lars ihn besiegt hat, kann er ihn als Sklaven behalten. Doch Lars denkt gar nicht daran und schenkt Widar die Freiheit und seine Freundschaft. Nachdem die Krieger von ihrem erfolgreichen Beutezug zurückkehren feiern sie ein großes Fest, indessen Verlauf sie Besuch von einem Wikingerpriester und einem Sachsen mit seiner Tochter bekommen. Diese Besucher berichten von den Gräueltaten der Franken, die ihm Namen Christus alle heidnischen Völker zum Christentum bekehren wollen. Wenn nötig auch mit Gewalt. Die Wikinger sind erstaunt über das unsinnige Verhalten der Christenmenschen und beschließen etwas dagegen zu unternehmen. Es beginnt mit einem Beutezug gegen ein englisches Kloster. Doch das ist nur der Auftakt zu einer abenteuerlichen Reise, die die Wikinger durch ganz Europa, bis in den fernen Orient führt.

 

Die kurze Inhaltsangabe lässt die Geschichte einfacher erscheinen, als sie eigentlich ist. Den Rolf W. Michael führt denn Leser tief in die Kultur und die Eigenheiten der Wikinger ein. Ausführlich beschreibt er ihren Glauben, ihre Riten und Kulte, und auch das tägliche Leben in der Thinggemeinschaft. Dort gibt es Neid, Missgunst, Intrigen und Liebesdramen.

Ich muss zugeben, dass ich Anfangs einige Schwierigkeiten hatte mich an den Schreibstil des Autors zu gewöhnen. Denn er bedient sich einer altmodischen und blumigen Sprache, die für die heutige Zeit eher ungewöhnlich ist. Vor allem die ritualisierten Dialoge die die Wikinger während der Schlacht führen sind sehr gewöhnungsbedürftig. Doch nach 50 Seiten hatte ich mich eingelebt und war völlig fasziniert von der rauen und abenteuerlichen Welt der Wikinger. Der altmodische Sprachstil des Autors passt hervorragend zu der Welt des 8. Jahrhunderts, und trägt maßgeblich zu der dichten Atmosphäre der Geschichte bei.

Besonders interessant ist der Gegensatz zwischen dem Christentum und dem „heidnischen“ Glauben der Wikinger. Die Nordmänner sind erstaunt über die Unsinnigkeiten die diese neue Religion von ihren Anhängern verlangt. Sie erkennen auch schon die ersten Widersprüche zwischen der friedlichen Lehre Jesus und dem brutalen Ausführen der Religion durch die katholische Kirche. Hier lässt der Autor deutliche Kritik am Christentum durchschimmern.

Aber auch die, für die heutige Zeit, barbarisch anmutenden Bräuche und Gepflogenheiten der Wikinger bleiben nicht unerwähnt. So ist es durchaus legitim wenn sich der Stärkere vom Schwächeren das holt was er haben will. Auch wenn es sich dabei um ein ganzes Dorf mitsamt Frauen und Kindern handelt. Die Kritik an solchen Handlungen äußert sich hauptsächlich durch die Gedanken von Lars Wolfsohn, der sich dem brutalen Gemetzel verweigert, das die Wikinger in einem christlichen Kloster veranstalten.

 

Es sind aber auch zwei Kritikpunkte anzumerken. Bei so vielen altmodischen und heute unbekannten Begriffen wäre ein erklärender Glossar wünschenswert. Anstrengend wird das Lesen auch durch die kleine Schriftgröße, die man benutzt hat um Seiten zu sparen.

 

Für Leser die durchgehend abenteuerliche Action erwarteten, hält der Roman einige Längen bereit. Denn die sehr ausführlichen Beschreibungen der Bräuche und der alltäglichen Verrichtungen sind sicher nicht jedermanns Sache. Wer sich aber schon immer näher für die Kultur der Wikinger interessiert hat, kann bei diesem Roman nichts falsch machen. Wobei die Action auch nicht zu kurz kommt.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Wölfe des Nordens

Autor: Rolf W. Michael

Atlantis, 2005

Taschenbuch, 272 Seiten

Titelbild: Emmanuel Henné

 

ISBN: 3-936742-05-7

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.09.2005, zuletzt aktualisiert: 10.01.2020 09:40