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Wölfe in den Wänden von Neil Gaiman

Rezension von Christoph Weidler

 

Wer macht diese huschelnde, tuschelnde, klackende, knackende, schleichende, krabbelnde und kratzende Geräusche in den Wänden? Mutter meint es sind die Mäuse, Vater meint es sind die Ratten und ihr Bruder meint es sind Fledermäuse. Doch Alice ist sich sicher, es ist weder noch es sind die Wölfe. Doch Wölfe können es nicht sein, sagen ihr alle, denn wenn die Wölfe aus den Wänden kommen ist alles vorbei!

Doch Lucy behält recht und eines Nachts, als die Geräusche abbrechen und eine drückende Stille sich breit macht, stürmen die Wölfe aus den Wänden und vertreiben die Familie aus dem Haus. Während Lucy und ihre Familie am Ende ihres Garten ein notdürftiges Lager aufschlagen, verwüsten die Wölfe das Haus und lassen es sich gut gehen. Voller Schreck stellt Lucy fest das nicht alle aus dem Haus fliehen konnten - ihr kleines Schweinchen blieb zurück, doch niemand mag in das Haus zurückkehren in dem die Wölfe nun ihr Unwesen treiben. Mutig schleicht sich Lucy alleine in das Haus zurück, verkriecht sich in den Wänden wo nun ja keine Wölfe mehr hausen und rettet ihr Schweinchen. Dabei sieht sie wie was die Wölfe aus ihrem Haus gemacht haben in ihrem Ungestüm und schleicht zurück zu ihrer Familie. Sie kann alle überzeugen zu versuchen das Haus zurückzuerobern, und so schleicht sich die ganze Familie in die Wände des Hauses und mit lauten Geschrei stürmen sie heraus und vertreiben die Wölfe aus dem Haus. Die Gefahr gebannt und alles wieder gut - wären da nicht diese neuen Geräusche in den Wänden des Hauses.

 

Was Neil Gaiman hier an Story in "Wölfe in den Wänden" darbietet ist äußerst gelungen. Einfach aber eindrucksvoll spielt er mit den ureigensten Ängsten aus jedem Kinderzimmer - den unheimlichen Geräuschen der Nacht im Haus. Das Knarren in den Wänden, das Knacken in den Bodendielen, das Rauschen des Windes und das Tocken eines Astes gegen die Hauswand. Der Ursprung von dem "Monster unter dem Bett", dem "Gespenst im Schrank" oder den "Schwarzen Mann" vor dem Fenster. Ängste die jeder aus seiner Kindheit kennt und als Eltern auch bei seinen Kindern erleben darf oder durfte. Dabei nimmt Neil Gaiman diese Ängste durchaus ernst und geht in seiner direkten und mit knappen Sätzen gekonnt dargelegte Storyführung sehr gut darauf ein, aber zeigt hierbei das auch alles halb so schlimm ist und man mit ein klein wenig Mut jeder Gefahr entgegentreten kann. Ein Aspekt der Kindern sehr zukommt und das Bilderbuch von der Story ein wichtiges Element gibt. Begleitet und bildlich umgesetzt wird Gaimans Story von den Illustrationen von Dave McKean. Beide zusammen, Gaiman und McKean, haben schon viele Projekte erfolgreich gemeistert und bieten nun mit "Wölfe in den Wänden" ein weiteres Highlight welches sicherlich die Gemüter spalten wird. Denn es werden hier neue Wege des "Bilderbuches" betreten, anstatt den bekannten gradlinigen und textliche mit Illustrationen gewohnt aufgeteilten Bilderbuch ist "Wölfe in den Wänden" doch gänzlich anders. So wechseln sich die Panels zwischen einseitigen Ganzaufnahmen zu comictypischen Vierbilderaufbau. Die Texte werden eindringlich, teilweise "laut" in den Illustrationen eingebunden und die Illustrationen selber bieten eine kunstvolle Mischung aus Zeichnung und Fotographie.

Das Ganze im Gesamtbild wirkt auf einen laut, direkt, teilweise eindringlich und denoch gefühlvoll, beeindruckend und lebendig. Man muß sich daran gewöhnen, zumal einen Generationen von Bilderbüchern ein altbekanntes Bild vorsetzen, doch wenn dann WOW!

Es ist Kunst als Bilderbuch, optisch und storymäßig einfach gelungen. Eine Empfehlung für jeden Fan von Gaiman und/oder McKain und ein Muß für jeden Fan des Außergewöhnlichen. Einzig wo ich meine Bedenken habe, wäre die mögliche Zielgruppe der Kinder von ab 6 Jahren. Hier habe ich meine Bedenken das sie "Wölfe in den Wänden" ebenso für sich erfassen wie ich es tue, denn man darf nicht vergessen Kinder sind kleine Gewohnheitsmenschen und nicht so ganz offen abseits ihren üblichen Bild eines Bilderbuches. Aber wenn, dann werden sie hier ein neuen Weg der Darstellung finden der für sich atemberaubend ist und gekonnt mit einer bekannten Angst aus dem Kinderzimmer umgeht.

 

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Buch:

Wölfe in den Wänden

Text von Neil Gaiman

Bilder von Dave McKean

Aus dem Englischen von Zoran Drvenkar

56 Seiten

Verlag: Carlsen

Gebunden, vierfarbig

ISBN: 3-551-51648-0

ab 6 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 05.10.2005, zuletzt aktualisiert: 25.05.2018 14:40