In Ruf der Wildnis hat sich unser liebster Vielfraß ein weiteres Mal in die Wildnis zurückgezogen. Dort streift er mit einem Wolfsrudel durch die Wälder. Doch der frommste Mutant kann nicht in Frieden leben, wenn es einem alten Feind nicht gefällt. Doch der ist längst nicht der einzige Gegenspieler, mit dem es Logan zu tun bekommt. Bald muss er auch gegen ein legendäres Monstrum, seine Erzfeindin und eine geheimnisvolle Macht kämpfen. Gut, dass ihn ein alter Freund unterstützt.
Die von Saladin Ahmed (Kampf um die Schlangenkrone) erdachte Geschichte klingt relativ konventionell – ist sie aber nicht. Das liegt auch daran, dass der US-Amerikaner gleich zu Beginn fleißig zwischen den Perspektiven seiner Figuren wechselt und wir dabei etwa auch die Sichtweise einer Wölfin erleben. Hier zeigt sich Ahmeds Erfahrung als (Fantasy-)Romanautor. Zudem liefert er genau die richtige Mischung aus alt und neu. So knüpft er einerseits an bekannte Charaktere aus Wolverines Vergangenheit an. Gleichzeitig bietet er andererseits aber auch Neues. Dabei ist vor allem die Interaktion von Logan mit einem (vermeintlichen) bekannten und ziemlich behaarten Gegner spannend umgesetzt. Ob sich die mystische Ebene des Plots bewährt, müssen allerdings die nächsten Ausgaben beweisen. Störend ist – vor allem zu Beginn – allerdings das teilweise zu stark ausufernde Exposition Dumping. Dieses realisiert Ahmed in erster Linie über die inneren Monologe seiner Charaktere. Hier wäre weniger mehr gewesen. Für die Idee, die Vorgeschichte einer Figur als Comic im Comic zu erzählen, verdient der US-Amerikaner allerdings Lob.
Bebildern darf das Comic Martin Cóccolo (Der unsterbliche Thor – Sturmfront) und das Ergebnis kann sich mehr als nur sehen lassen. Gleich zu Beginn stellt der aus Uruguay stammende Künstler gekonnt, plastisch und schön dynamisch das Wolfsrudel zusammen mit Wolverine dar. Dabei wechselt Cóccolo bei ausgewählten Panels regelmäßig, aber auch nicht zu häufig, ins Großformat. Vor allem diese seitenfüllenden Zeichnungen müssen sich qualitativ selbst vor Titelbildern – wie den Alternativ-Covers am Ende des Bandes – nicht verstecken. In einigen Panels macht es sich der Uruguayer allerdings etwas zu einfach, indem er sich etwa zu sehr auf seine Figuren konzentriert oder diese nur als Schattenrisse präsentiert.