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Wonderlands herausgegeben von Laura Miller

Rezension von Matthias Hofmann

 

Rezension:

Um es gleich vorweg zu nehmen: Bei diesem Buch stimmt der Aufmacher auf dem Klappentext wirklich. »Das ultimative Vergnügen für jeden Bücherwurm«, steht dort in fetten Lettern, und das ist nicht übertrieben.

 

Herausgeberin von Wonderlands ist die Journalistin und Autorin Laura Miller. Sie schreibt für renommierte Zeitschriften wie den New Yorker, Harper’s oder Zeitungen wie den Guardian, und hat selbst schon Sachbücher verfasst, u. a. über Narnia von C. S. Lewis. Bei wbg, der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, erschien die deutschsprachige Ausgabe dieses wunderbaren Sekundärwerks innerhalb des Imprints ›wbg THEISS‹, welches Sachbücher zu Geschichte, Kultur und Natur für neugierige Leserinnen und Leser präsentiert.

 

Laut Untertitel geht es um »die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J.K. Rowling, Stephen King, J.R.R. Tolkien, Haruki Murakami u. v. a.«, aber die berühmten Namen sind nur der Köder für die unbedarfte Masse. Das eigentliche Kernstück steckt hinter dem »u. v. a.« – und das hat es in sich.

 

Das Buch ist in fünf große Kapitel gegliedert, die sich chronologisch durch die Geschichte der fantastischen Literatur arbeiten: »Alte Mythen & Legenden« (bis 1700), »Wissenschaft & Romantik« (1701–1900), »Das goldene Zeitalter der Fantasy« (1901–1945), »Neue Weltordnung« (1946–1980) und »Das Computerzeitalter« (1981–heute/2015).

 

Insgesamt werden fast 100 Bücher bzw. Welten behandelt. Es beginnt mit dem Gilgamesch-Epos und Homers Odyssee, geht über Jonathan Swift, Jules Verne, L. Frank Baum, Robert E. Howard, Pierre Boule, Peter S. Beagle bis hin zu George R. R. Martin und Ann Leckie.

 

Dabei werden die einzelnen Werke nicht einfach nur wie in einem Wikipedia-Eintrag abgehandelt, sondern durchaus essayhaft vorgestellt, ohne Fakten zu vergessen. Aber das wirklich Schöne an »Wonderlands« ist die vortreffliche Bebilderung. Da gibt es nicht nur die Buchtitelbilder der Originale, sondern auch Autorenfotos, Illustrationen, Plakate, Filmbilder und einiges mehr, teilweise auch ganzseitig abgebildet.

 

Die Auswahl beinhaltet neben den üblichen Verdächtigen auch viele Titel, die man schon länger nicht mehr auf dem Radar hatte. Und es sind überraschend viele Science-Fiction-Titel dabei, wie z. B. Samuel R. Delanys Dhalgren, Octavia E. Butlers Kindred, William Gibsons Neuromancer, Philip K. Dicks Träumen Androiden von elektrischen Schafen? oder Nnedi Okorafurs Lagune.

 

Die Qualität der Texte variiert naturgemäß als Folge der großen Zahl der vielen verschiedenen Autorinnen und Autoren. Es sind Namen dabei, die man aus der Fachliteratur kennt, wie John Clute, der Lexikograf der Encyclopedia of Science Fiction, der über Larry Nivens Ringwelt schreibt, Paul Kincaid, der den Kultur-Zyklus von Iain M. Banks behandelt, Maureen Speller, die über Terry Pratchett und Cornelia Funke referiert oder Lisa Tuttle, die gleich mehrere Texte beigesteuert hat, u. a. über Ray Bradburys Fahrenheit 421.

 

Man kann »Wonderlands« in kleinen Portionen lesen, als Streifzug durch die Jahrhunderte von den uralten Sagen und Geschichten von Königen, fahrenden Rittern oder epischen Heldenabenteuern und erfährt so das Wesentliche über die Geschichten aus Tausendundeine Nacht, Beowulf, Thomas Malorys König Arthur und die Ritter der Tafelrunde oder Cyrano de Bergeracs Reise zum Mond. Und landet schließlich in der Neuzeit bei Salman Rushdies Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte aus dem Jahr 2015.

 

Man kann das Buch aber auch als Nachschlagewerk nutzen, da es nicht nur gut strukturiert, sondern auch mit einem Register ausgestattet ist. In erster Linie möchte ich das Buch jedoch als frische Inspirationsquelle empfehlen.

 

Wer sich mit den Genres Fantastik, Fantasy oder Science Fiction nicht so auskennt, kann jede Menge Neues erfahren. Selbst wer bereits mit der Materie vertraut ist, wird einiges Interessante entdecken. Es macht einfach total Spaß darin zu blättern und zu lesen.

 

Man könnte bemängeln, dass die Buchauswahl etwas anglozentrisch ist und man zumindest weiterführende Informationen über die deutschen Veröffentlichungen der einzelnen Bücher hätte ergänzen können, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

 

Solche gut illustrierten Sekundärwerke wie »Wonderlands« erscheinen nicht so oft. Und schon gar nicht in einer deutschsprachigen Edition. Es ist ein rundum gelungenes Buch, das sich auch sehr gut zum Verschenken eignet. Das Fazit fällt mir hier leicht: uneingeschränkt empfehlenswert.

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Eure Meinung:

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Buch:

Wonderlands

Original: Literary Wonderlands. A Journey through the greatest fictional worlds ever created, 2016

Herausgeberin: Laura Miller

Übersetzerinnen: Hanne Henninger, Susanne Kolbert und Madeleine Kaiser

Cover: Jim Tierney

gebundene Ausgabe, 320 Seiten

wbg THEISS, 2020

 

ISBN-10: 3806240728

ISBN-13: 978-3806240726

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.01.2021, zuletzt aktualisiert: 15.01.2021 14:49