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X-Men: Apokalypse – Zeit der Apokalypse 1

Rezension von Ingo Gatzer


Noch in diesem Jahr wird der nächste große Film um das Superheldenteam X-Men – X-Men: Apokalypse – in die Kinos kommen. Dabei ist die Story um den mächtigen Mutanten Apokalypse nicht neu. Als Vorlage dient – unter anderem – das Crossover-Event „Age of Apocalypse“. Panini bringt die wichtigsten Geschichten um dieses Marvel-Großereignis in drei fetten Sammelbänden heraus. Der erste „X-Men: Apokalyse – Zeit der Apokalypse 1“ umfasst bereits mehr als 390 Seiten. Hier finden sich verschiedene Mini-Serien, die erstmals zwischen Februar und Juni 1995 erschienen. Neben dem kurzen Auftaktgeschichten „X-Men Alpha“ und „Astonshing X-Men“ 1 handelt es such um „Gambit and the X-Ternals“ 1-3, „X-Men Chronicles“ 1, „X-Calibre“ 1-4 sowie „Generation Next“ 1-4.

 

Das Vorspiel für die in „X-Men: Apokalyse – Zeit der Apokalypse“ dargestellten Ereignis ist übrigens die Geschichte „Legion´s Quest“, in der Charles Xavier durch einen Zeitreisenden in der Vergangenheit getötet wird. Dadurch entstehen die gewohnten X-Men nicht und ein extrem mächtiger und uralter Mutant namens Apokalypse sieht seine Zeit gekommen, um die Welt nach seinen Vorstellungen zu formen.

 

Die verschiedenen Geschichten des Crossover-Events spielen sich in diesem Rahmen ab. Gelungen ist dabei der kurze Einstieg „X-Men Alpha“, der von Stephen Lobdell sowie Mark Waid verfasst und von dem Duo Roger Cruz und Steve Epting illustriert wurde. Der Leser findet sich in einer ihm „bekannt unbekannten“ Welt wieder, in der Superhelden wie Storm oder Nightcrawler mit Magneto als Anführer die Gewaltherrschaft von Apokalypse bekämpfen. Dann aber sorgt ein besonderer Besucher für Irritationen. Die Story bietet einige Überraschungsmomente und dient als tragfähige Basis für die nachfolgenden Geschichten. Zeichnerisch fällt das teilweise ungewöhnliche Charakterdesign auf. Dennoch bewegen sich die Illustrationen insgesamt auf gutem Niveau, auch wenn die Mimik der Figuren nicht immer ganz überzeugt.

 

Als absolutes Highlight des Sammelbands kann X-Calibre“ gelten. Die Story stammt von Warren Ellis, der bereits vor seiner Arbeit für Marvel beim Verlag Wildstorm mit „The Authority“ für Furore gesorgt hatte. Hier erzählt er von einer Gegenwelt namens Avalon, in der Mutanten vor der Gewaltherrschaft von Apokalypse fliehen können – was dem despotischen Mutanten natürlich ein Dorn im Auge ist. Ellis lässt die Story als klassische mythologische Höllenfahrt beginnen und sorgt damit gleich für eine düstere Atmosphäre. Dann halten zahlreiche unerwartete Wendungen den Leser in Atem. Das Ende bildet ein furioses Finale. Glücklicherweise bietet „X-Calibre“ nicht nur den besten Autor, sondern mit Ken Lashley auch den besten Zeichner des Sammelbandes. Der vielseitige Kanadier hat in seiner Karriere nicht nur bei Marvel, sondern etwa auch für DC, Hasbro und Lucasfilm gearbeitet. Hier fängt er zu Beginn der Geschichte nicht nur die dunkle Stimmung perfekt ein – etwa durch den Kontrast des pechschwarze Wassers und der bleichen Totenschädel am Rande. Er variiert auch geschickt die Panelgrößen, um Höhepunkten mehr Raum zu geben. Auch sein Charakterdesign ist herausragend. Hier weiß vor allem der recht düster angelegte Nightcrawler zu gefallen.

 

In „Gambit and the X-Ternals“ verknüpft Autor Fabian Nicieza die Story mit intergalaktischen Motiven und schickt die Superhelden auf ferne Planten. Der Plot ist zwar facettenreich, wirkt aber an einigen Stellen etwas zu sehr konstruiert. Die Zeichnungen von Tony Daniel sind routiniert, aber auf jeden Fall deutlich besser als die von Terry Dodson, der X-Men Chronicles“ illustriert. Die Gestaltung von Figuren wie Wolverine kann hier nicht überzeugen und auch einige Hintergründe sind recht monoton. Immerhin bietet die Geschichte von Howard Mackie eine recht interessante Konfrontation zwischen Magnetos X-Men und Apokalypses Schergen.

 

Gewöhnungsbedürftig ist „Generation Next“. Die von Bachalo und Lobdell kreierte Story handelt vom Versuch, die Schwester von Colossus zu befreien. Diese könnte dank ihrer Mutantenkräfte nämlich die Rettung für die Menschheit sein. Die Geschichte liefert viele neue Figuren, von denen vor allem Mondo interessant ist. Leider verliert sie jedoch an einigen Stellen den Fokus. Die Zeichnungen stammen von Mark Buckingham. Die Arbeit des Briten polarisiert. Fehlende Klasse lässt sich einem vierfachen Eisner-Preisträger schwerlich vorwerfen. Doch sein ungewöhnlicher Zeichenstil wirkt wie ein Fremdkörper im Sammelband und vor allem das Design von Collosus mutet unfreiwillig komisch an.

 

Ansonsten bietet der Sammelband bekannte Stärken und Schwächen. Zu ersteren zählt das kenntnisreiche – dieses Mal von Christian Witzler stammende – Vorwort, das die Ereignisse passend in den Gesamtkontext einordnet, was vor allem für Neulinge hilfreich sein dürfte. Die bekannte Schwäche ist das Fehlen von Seitenzahlen, obwohl am Anfang explizit auf diese verwiesen wird.

 

Fazit:

„X-Men: Apokalypse – Zeit der Apokalypse 1“ überzeugt vor allem dank der fast 100 Seiten langen und in allen Bereichen hervorragenden Mini-Serie „X-Calibre“. Mit „X-Men Alpha“ bietet das Event zudem einen stimmungsvollen Auftakt und mit „X-Men Chronicles“ zumindest inhaltlich eine interessante Story. Dagegen fällt „Generation Next“ - auch wegen des eigenwilligen Zeichenstils – allerdings etwas ab.

 

 

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Eure Meinung:

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Comic:

X-Men: Apokalyse – Zeit der Apokalypse 1

Autoren: Stephen Lobdell, Mark Waid, Warren Ellis u. a.

Zeichner: Roger Cruz, Steve Epting, Ken Lashley, Tony Daniel, Mark Buckingham u. a.

Erscheinungsdatum: April 2016

Panini - 322 Seiten - Softcover

ISBN-10: 3957987709

ISBN-13: 978-3957987709

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 19.04.2016, zuletzt aktualisiert: 13.08.2019 18:27