Die X-Men hatten es in letzter Zeit nicht einfach. So ist das Inselparadies Krakoa längst Geschichte. In Auferstanden aus der Asche hausen die Superhelden nun in einer verlassenen Fabrik in Alaska. Ironischerweise liefen hier zuvor die Mutanten jagenden Sentinels vom Band. Doch es bleibt keine Zeit, um durchzuatmen. Was hat es mit einer drohenden Alien-Invasion auf sich und warum entwickeln weitere Menschen plötzlich X-Kräfte? Zu allem Überfluss müssen sich die X-Men mit Protesten, der Regierung und skrupellosen Mutanten auseinandersetzen.
Für den Neustart der X-Men ist Jed Mackay verantwortlich. Das passt: Schließlich feierte der gebürtige Kanadier sein Debüt als Comicautor 2011 im Rahmen der Anthologie X-Men: To Serve and Protect. Hier sorgt er einerseits für einen frischen Ansatz, verprellt aber andererseits auch langjährige Fans der X-Men nicht. Dazu kombiniert er etwa klassische Mitglieder des Superheldenteams wie Cyclops mit spannenden Charakteren, die noch nicht eine ganz so lange Historie haben – etwa Magik, Psylocke oder Temper. In bester Magneto-Tradition ist mit Juggernaut auch wieder ein Ex-Schurke Teil des Teams. So ist alles angerichtet für – bislang noch kleinere – Reibereien, die für Dynamik sorgen. Gleichzeitig rollt Mackay mehrere Erzählstränge aus und deutet einige Rätsel an, von denen er im ersten Band nur wenige lüftet. Das liest sich bislang richtig gut.
Für die Bebilderung sind Ryan Stegman (Der Lehrling des Magiers) und Netho Diaz (Kampf um den Thron von Apocalypse) verantwortlich. Beide liefern grundsätzlich gute Arbeit ab. Unter dem Strich überzeugen die Panels des etwas unbekannteren Diaz aber sogar etwas mehr. Das liegt daran, dass er einige Figuren detailreicher und überzeugender darstellt und vor allem im letzten Teil des Bandes mit dynamischen größerformatigen Zeichnungen glänzen kann. Stegman hingegen patzt etwas beim Figurendesign von Chief Paula Robbins. Die Polizistin wirkt bei ihm nämlich nicht wie eine Frau, sondern eher wie ein Mädchen.
Grundsätzlich ist die Übersetzung aus dem Amerikanischen von Alexander Rösch gelungen. So schafft er es, den zuweilen locker-flockigen der jungen Mitglieder der X-Men stimmig ins Deutsche zu übertragen. Leider übersetzt er an einer Stelle, an der es darum geht, die Rolle von Cyclops zu kennzeichnen, »leader« mit »Führer«. Hier wäre Anführer treffender gewesen, zumal die im Deutschen ansonsten mitschwingende Konnotation bei Röschs Übertragung hier unpassend ist – erst recht, wenn mit Magneto ein Jude im Team der X-Men weilt, der selbst in einem Konzentrationslager gefangen war.