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Young Bride´s Story, Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

Kaoru Mori scheint ein Faible für die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts zu haben. Das bewies sie schon in ihrer historischen Serie „Emma“. „Young Bride´s Story“ spielt zwar etwa in der gleichen Zeit, aber viel weiter östlich. Diesmal taucht sie in die orientalischen Gesellschaften der Steppen Asiens ein, begibt sich unter Sesshafte und Nomaden, die nur wenig mit der westlichen Kultur in Berührung gekommen sind.

 

Amira ist mit ihren zwanzig Jahren schon recht alt, daher ist ihr Clan darüber froh, sie endlich an eine sesshafte Sippe auf der anderen Seite der Berge zu verheiraten, obwohl der junge Mann, mit dem sie zusammenkommen soll erst zwölf Jahre alt ist.

Das Mädchen fügt sich in ihr Schicksal und merkt schnell, dass sie sich in der neuen Sippe wohler fühlen kann, als sie dachte, auch wenn sie noch einige Gebräuche, die dort Alltag sind, lernen muss.

Sie wird schon bald akzeptiert, auch wenn sie für eine Frau eher ungewöhnliche Talente besitzt, weil sie mit dem Bogen umgehen kann und auch eine ausgezeichnete Jägerin ist.

Das Glück trübt sich jedoch, als ihre väterliche Sippe plötzlich wieder ankommt und sie zurückfordert, da man einen besseren Ehemann für sie gefunden habe – einen erwachsenen Sippenführer, mit dem familiäre Bande noch wichtiger sind als mit ihrer jetzigen Familie.

Bruder und Onkel wollen sie zurückholen, als Amira entfernte Verwandte besucht, doch dieser Versuch schlägt fehl.

Die beiden stolzen Männer sind aber auch noch nicht gewillt, aufzugeben und bereiten sich so darauf vor, Amira direkt aus dem Schoß ihrer neuen Familie zu entführen. Dabei sind sie auch bereit dazu, Gewalt anzuwenden.

Das erlebt auch der britische Forschungsreisende Smith mit, der schon eine ganze Weile fasziniert das Leben der Sippe teilt und viel über den Alltag und die Bräuche der Einheimischen erfährt. So auch über die Tradition des Tuchemachens, mit dem ein Mädchen schon als Kind beginnt, wollen doch viele Dinge für ihre Aussteuer bestickt werden – und manche der Muster sind seit Generationen weitergegebene Tradition.

 

Schon in „Emma“ hat Kaoru Mori bewiesen, dass es ihr nicht darum geht, eine vordergründige Geschichte um Liebe und Romantik zu erzählen, bei der der historische Hintergrund zur Staffage ist, sondern, dass sich auch darauf Wert legt, dass die Gesellschaft, aus der die Helden stammen glaubwürdig und akkurat wiedergegeben werden.

Auch bei „Young Bride’s Story“ hat der Leser das Gefühl, dass dem so ist, weil die Künstlerin ausgiebig recherchiert hat und vieles von dem Wissen nun auch in die Geschichte einarbeitet.

Letztendlich geht es nicht in erster Linie darum, ob und wie sich die Liebe zwischen Amira und ihrem Mann Karluk entwickelt, sondern was sie mit der Familie erlebt. Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl stehen hoch im Kurs, wie sich nun auch in einer sehr brenzligen Situation zeigt.

Zudem erlaubt sie auch einen schönen Einblick in das Leben und die Kultur der Menschen, die zwar vom Islam, aber auch den Gebräuchen der asiatischen Steppenvölker geprägt ist. Liebevoll und warmherzig erzählt sie viele kleine Geschichte neben den großen Dramen.

So ist der Manga spannend, auch wenn letztendlich nicht so viel passiert, weil es viel zu entdecken gibt und einem die Figuren schnell ans Herz wachsen. So braucht man letztendlich keine Action, weil genug passiert, bei dem man mitfiebern und –fühlen kann.

Die Zeichnungen sind von hoher Qualität, lebendig und detailreich, weil sie ohne Albernheiten die magische Vergangenheit zum Leben erwecken.

 

Wer schön gezeichnete historische Comics mit einer anrührenden Geschichte liebt, wird bei Young Brides Story nicht daneben greifen. Sympathisch, aber auch spannend werden die Erlebnisse einer jungen Braut geschildert, in einer Gesellschaft die uns so fremd sein dürfte wie den Japanern, was das ganze aber noch um so interessanter macht.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Young Bride´s Story, Band 2

Autor und Künstler: Kaoru Mori

Young Bride´s Story Vol. 2, Japan, 2011

Aus dem Japanischen von Alexandra Keerl

Taschenbuch, 200 Seiten

Tokyopop, Hamburg, erschienen Dezember 2011

ISBN-10: 3842002300

ISBN-13: 978-3842002302

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 28.03.2012, zuletzt aktualisiert: 30.10.2019 14:43