Brandon Sanderson ist nicht nur ein erfolgreicher Bestseller-Autor, sondern auch umtriebig genug, Geschichten in Eigenregie auf den Markt zu bringen, die eben nicht den Massengeschmack befriedigen. Einige Romane mit ungewöhnlichen Ideen und Gestaltung sind so schon auf den Markt gekommen, nun folgt mit Yumi and the Nightmare Painter ein weiteres ungewöhnliches Projekt.
Nikaro, der meistens »Maler« genannt wird, verdient mit eben diesem Beruf seinen Lebensunerhalt in einer modernen, fast schon dystopisch anmutenden Welt. Er entdeckt an sich die Fähigkeit, die Albträume anderer Menschen malen zu können.
Ganz anders Yumiko. Sie dient als Yoki-Hijo ihrem Volk, hat über viele Jahre gelernt, die Geister zu beschwören und sie zum Dienst an den Menschen zu überreden. Als das Schicksal die beiden überraschend zusammen bringt, stellen sie fest, dass Vergangenheit und Zukunft sich vermischen und ein düsteres Geheimnis alles zu zerstören droht, was ihnen wichtig ist.
Mit der Geschichte fängt Sanderson genau die Vibes ein, die durch die koreanische und japanische Pop-Kultur auch in den deutschen Verlagen angekommen ist und immer mehr – vor allem junge Leser begeistert. Hier vermischt er gleich zwei vertraute Szenarien miteinander: Zum einen lernen wir den jungen Mann kennen, der in einem modernen Großstadtsetting mit dystopischen Zügen lebt und durch seine übersinnlichen Fähigkeiten in der Lage ist, besondere Bilder zu malen. Das bekommt ebenso eine große Bedeutung wie die Fähigkeiten der jungen Priesterin, die von Geburt an dazu erzogen wurde, mit den Geistern zu kommunzierzen.
Das Buch ist eines der leisen Töne. Es konfrontiert die Helden mit einer außergewöhnlichen Situation, die sie erst einmal zu verstehen und zu meistern lernen müssen, ehe sie sich auch den Problemen zuwenden können, die in beider Umfeld immer mehr Einfluss auf ihr Leben und das der anderen nehmen.
Magie und Wissenschaft treffen aufeinander, aber auch zwei gänzlich fremde Lebenswelten. Dennoch kommen sich die beiden Hauptfiguren immer näher. Die zarte Romanze ist allerdings nur eine nette Dreingabe zu der spannenden Geschichte, die sich in typischer Sanderson-Manier nach und nach entfaltet.
Dadurch beweist er wieder einmal, dass es nicht unbedingt eines großen Dramas und viel Action bedarf, um Welten zu retten, sondern einfach nur den Einsatz der Fähigkeiten, die die Helden schon mitbringen, verbunden mit einer großen Portion an Mut und Entschlossenheit. Gerade deswegen wünscht man den Helden auch ein verdientes Ende
Das ganze ist auch noch liebevoll und zart von Aliya Chen in einem Wasserfarben-Stil illustriert, der an die Farbenpracht koreanischer und chinesischer Comics erinnert. Das ganze verleiht der Story noch mehr Atmosphäre und Tiefe.