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Zeichen

Reihe: Ex Machina Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Diesmal muss sich New Yorks Bürgermeister Mitchell Hundred mit allerhand Zeichen herumschlagen: Zeichen, die mit seinen Kräften zu tun haben, alle Maschinen allein mit der Macht seiner Stimme beeinflussen zu können; Zeichen, die er politisch zu setzen gedenkt, um auch in Sachen gleichgeschlechtlicher Ehe im ach so prüden Amerika ein Zeichen der Modernität und Aufgeschlossenheit zu setzen. Doch alle Dinge sind bekanntlich drei – und so sind es auch diverse Zeichen der Vergangenheit, die Mitchell alias The Great Machine einzuholen drohen, als Symbole seines noch zu ergründenden Superheldentums plötzlich an diversen Stellen in New Yorks U-Bahn-Netz auftauchen und die Leute scheinbar verrückt spielen lassen, während Gleisarbeiter zeitgleich sogar auf einen ausgeweideten Hund stoßen...

 

In Vaughans Ex Machina steht der zweite Turm des World Trade Centers noch – Dank Mitchell Hundred, heute Bürgermeister, gestern Superheld. Damit spielt die Geschichte allerdings automatisch in einer Art Elseworld, ja einem alternativen Unversium – und ist eigentlich schon wieder Science Fiction (wozu ja auch Hundreds Kräfte bestens passen würden). Doch die sozialen und vor allem natürlich politischen Aspekte sind in Ex Machina mindestens genauso stark ausgeprägt wie die SF-Ambitionen, sodass trotz allem ein unglaublich realistischer Eindruck entsteht. Selbst die Einbindung der NSA, des FBI und nicht zuletzt einer üppigen, charismatischen Supportingcast samt ausgeprägtem Soapfaktor und sehr guten, kompromisslosen Dialogen integriert sich perfekt in das Wechselspiel zwischen fiktivem Superheldencomic, politischer Quasi-Realität und innovativer Science Fiction.

 

Trotz alledem nimmt sich Vaughan auch Zeit und Platz, mit diversen Komponenten seiner politisch angehauchten Serie zu spielen und ferner auch hie und da eine Message einzubauen. Diese kann mal mehr, mal weniger deutlich ausfallen – vorhanden ist sie letztlich trotzdem alle paar Seiten einmal, wenngleich die Thematik der Rassendiskriminierung aus dem ersten Trade nun auch durch die Diskriminierung aufgrund sexueller Vorlieben abgelöst wurde. Und egal ob staatliche Paranoia oder kirchliche Eiferer, Intrigenspiele der US-Behörden oder gar internationale Schwierigkeiten zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Nachrichtendienst – altbekannte Elemente aus Thrillern werden in Ex Machina: Zeichen zudem ebenfalls immer wieder spannend neu verquickt und arrangiert.

 

Spannend und schön in Szene gesetzt sind auch einmal mehr die Bilder von Tony Harris, der diesmal jedoch auch einige ziemlich deftige und blutige Passagen zu zeichnen hatte, dabei aber ebenso überzeugen konnte wie in den ruhigeren und/oder lustigeren Szenen á la Chaos City. Wie eigentlich schon im ersten Band absehbar, bestätigt Harris sich endgültig als konstant guter, vielfältiger Zeichner, der Vaughans Ideen und dessen Welt grafisch sehr schön umsetzt und die Geschichte der Karriere von Mitchell Hundred/The Great Machine sehr ansehnlich realisiert.

 

Political Correctness sieht freilich anders aus, und der erste Sammelband war vielleicht auch einen Ticken besser – trotzdem ist Brian K. Vaughans Ex Machina auch nach den Zeichen dieses zweiten Trades eine großartige Serie mit hohem Suchtfaktor und noch größerem Unterhaltungswert.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Zeichen

Reihe: Ex Machina Bd. 2

Autor: Brian K. Vaughan

Zeichner: Tony Harris

Softcover, 132 Seiten

Panini Vertigo, Juni 2007

erhältlich bei Panini


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Erstellt: 27.07.2007, zuletzt aktualisiert: 20.08.2019 17:15