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Zirkel von Sara B. Elfgren und Mats Strandberg

Reihe: Engelsfors Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Sara B. Elfgren ist mit ihren Arbeiten als Drehbuchautorin und Dramaturgin für Film- und Fernsehen sehr erfolgreich. Mats Strandberg hat bereits Romane geschrieben und arbeitet unter anderem auch für Schwedens größte Abendzeitung.

Weil die beiden sich gut verstanden, als sie sich kennen lernten, entschieden sie sich dazu, es mit einem gemeinsamen Werk zu versuchen, da sie beide ein Faible für übersinnliche Themen hatten. So entstand „Zirkel“, der erste Band der „Engelsfors“-Trilogie.

 

Wer anders ist hat es nicht leicht – weder in der Schule, noch ein einem kleinen, von Gott und der Welt vergessenen, Örtchen wie Engelsfors. Die Arbeiterstadt ist heruntergekommen, viele Firmen und Geschäfte haben geschlossen und nicht wenige Erwachsene sind arbeitslos und leben in den Tag hinein.

In dieser trostlosen Umgebung wachsen sechs sehr unterschiedliche Mädchen auf, die normalerweise nicht viel miteinander zu tun haben – Klassenlieblinge wie Ida, die viele Freundinnen hat, es aber auch nicht lassen kann, andere zu verspotten, um damit eigenen Unzulänglichkeiten zu verbergen. Ihr beliebtestes Opfer ist Anna-Karin, die ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringt, dadurch viel schwitzt und dann auch noch auf einem Bauernhof lebt. Das Mädchen hat niemanden, dem sie sich anvertrauen kann, weil ihre Mutter sie nicht beachtet.

Rebecka mag zwar hübsch sein und einen Freund haben, aber sie bezahlt dafür mit einer Esstörung, von der sie noch niemandem erzählt hat. Minoo ist in den Augen der anderen eine Streberin, weil sie immer die besten Noten der Klasse schreibt. Vanessa hasst ihren Stiefvater, der keine Gelegenheit auslässt sie zu maßregeln oder beschimpfen. Da nicht einmal ihre Mutter hinter ihr steht, sucht sie Zuflucht bei einem Freund, der aber auch nur seine Drogen im Kopf hat. Linnea schlägt sich nach dem Tod ihrer Mutter mehr oder weniger alleine durch, denn ihr Vater ist ein stadtbekannter Trinker.

Alles ändert sich, als Elias, ein junge aus der Schule Selbstmord begeht. Zunächst versuchen die Mädchen das nicht weiter zu beachten, weil es ihnen unangenehm ist und sie den Jungen ohnehin kaum mochten – aber mit diesem Tag erwachen seltsame Kräfte in ihnen.

Und schon bald sind sie dazu gezwungen, miteinander auszukommen und sich zu vertragen. Denn gemeinsam bilden sie den „Zirkel“, eine Gemeinschaft aus Hexen, die ganz allein gegen das Böse kämpfen müssen, das sich unter ihnen breit gemacht hat.

 

„Zirkel“ erinnert an die vielen Kriminalromane aus dem skandinavischen Sprachraum. Zuerst einmal wird das Umfeld von Täter und Opfern genau vorgestellt und analysiert, erst dann kommt auch die Geschichte langsam in Gang und wird Stück für Stück umsichtig und methodisch aufgebaut.

Hier ist das nicht anders. Der Leser lernt zunächst die Mädchen genauer kennen. Jede der sechs und noch ein paar mehr werden ausführlich vorgestellt, damit man versteht, warum sie wie handeln und was hinter ihrem Verhalten wirklich steckt.

Dabei gehen die Autoren bewusst das Risiko ein, dass einige ihrer Protagonisten unsympathisch bleiben, weil sie sich trotz ihrer Kräfte und Aufgaben nicht sonderlich ändern wollen und werden.

Etwa die Hälfte des Buches ist damit beschäftigt, Engelsfors und das Lebensumfeld der Mädchen zum Leben zu erwecken und genüsslich zu schildern, warum sie einander nicht leiden können. Dabei werden viele Klischees bedient – natürlich ist die Klassenzicke auch oberflächlich, die Dicke leidet unter einem lieblosen familiären Umfeld die Schöne versteckt ihre Unsicherheit hinter einer hohlen Fassade und zwei andere stammen aus zerrütteten Familien.

Erst die magischen Fähigkeiten zwingen die sechs dazu, sich zusammenzuraufen und miteinander auszukommen, was natürlich nicht leicht ist. Allerdings bleiben diese übersinnlichen Elemente eher verhalten und werden kaum eingesetzt. Erst zum Ende hin gewinnt die Hexenkraft der Mädchen an Bedeutung.

Ansonsten aber ist das Buch eher damit beschäftigt, die Lebenswelt der Teenager auseinander zu nehmen und alle Probleme an einem Ort zu versammeln, mit denen sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu kämpfen haben.

Daher ist das Wort „Fantasy“ im Buch eher klein geschrieben – der Leser hat eher das Gefühl, dass sowohl die Magie als auch das schwammig bleibende Böse eher Mittel zum Zweck sind als wirklich das übergeordnete Thema.

 

„Zirkel“ ist auf seine Art und Weise sehr interessant geschrieben, aber weniger „Urban Fantasy“ als man denken mag. Vor allem die Wünsche, Sorgen und Probleme der jungen Heldinnen stehen im Vordergrund, weniger ihr Kampf gegen das nicht fassbare Übel in ihrer Mitte.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Zirkel

Autoren: Sara B. Elfgren und Mats Strandberg

Reihe: Engelsfors Band 1

gebunden, 608 Seiten

Dressler, Februar 2012

Übersetzerin: Friederike Buchinger

 

ISBN-10: 3791528548

ISBN-13: 978-3791528540

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 13.06.2012, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54