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Zombie Army 4: Dead War

Rezension von Cronn

 

Ich sprinte von der Fähre, welche mich bislang sicher durch die Kanäle Venedigs gebracht hat. Vor mir taucht ein Zombie auf. Er wankt mit grotesken Schritten auf mich zu und growlt dabei wie der Sänger einer Death-Metal-Band. Ich strecke ihm mit einem Nahkampfmanöver zu Boden.

Doch schon sind vor mir weitere Untote erschienen. Es sind zu viele, um sie zu zählen. Ihr Heulen und Kreischen geht mir durch Mark und Bein. Ich sehe, dass sich hinter ihnen eine Annäherungsfalle befindet. Ich aktiviere sie durch einen Schuss mit meinem Snipergewehr. Die Falle besteht aus Armen einer Schaufensterpuppe, die an einem Pfahl festgeschraubt sind. Sie bewegen sich und ziehen die Aufmerksamkeit der Zombies auf sich. Unterstützt werden sie von einer schief klingenden Zirkusorgel. Die Untoten wenden sich ab und umringen die Falle, auf deren Rückseite sich bereits der Zeitmechanismus eingeschaltet hat. Plötzlich detoniert der am Pfahl befestigte Sprengstoff und zerfetzt die Ausgeburten der Hölle, so dass ich meinen Weg fortsetzen kann.

Ich laufe über eine der vielen Venedigbrücken und gerate in einen Hinterhalt. Von den Dächern regnen Zombies herab. Ich wechsle zur Maschinenpistole und mähe sie nieder. Doch da ist meine Munition alle. Ein Zombie ist so nah heran, dass er mich packen kann. Ich schlage mit dem Gewehrkolben zu, aber meine Lebensenergie hat rapide durch die Attacke nachgelassen. Ich muss ein Healthpack finden!

Durch einen Eingang betrete ich ein Haus. Überall in den Zimmern regiert Zerstörung und Tod. Doch da – eine Kiste! In wilder Hoffnung stürze ich mich darauf, öffne sie. Aber es ist nur eine Tellermine darin. Ich muss weiter und darauf hoffen, bald ein Safehouse zu finden.

Weiter geht es am Rande des Kanals entlang. Durch das Snipervisier verteile ich Kopfschüsse an Zombies und steigere somit meinen Kombo-Zähler.

Ob es mir gelingen wird, rechtzeitig das rettende Healthpack zu finden?

 

Zombie Army 4: Dead War ist die inzwischen vierte Inkarnation des ursprünglich als Ableger der Sniper Elite-Reihe erdachten Games. Der britische Entwickler Rebellion zeichnet dafür verantwortlich. Die anderen Spiele der Reihe waren spaßige B-Movie-Unterhaltung. In dieser Rezension soll der Frage nachgegangen werden, ob das Game auch im vierten Teil der Reihe seinen Trash-Charme entfalten kann.

 

Hintergrund:

Obwohl im Vorgänger der untote Hitler besiegt wurde, sind seine Zombies noch immer auf der Erde unterwegs und verbreiten Tod und Schrecken. Als Überlebender der Zombieinvasion stellt sich der Spieler erneut den Untoten. Diesmal verschlägt es ihn zunächst nach Italien, aber es stellt sich heraus, dass es damit nicht getan ist. Man kommt einem finsteren Plan auf die Spur.

Die Story ist für einen B-Movie-Shooter erstaunlich eingängig, wobei vor Klischees nicht zurückgeschreckt wird. Aber das ist in diesem Genre selbstverständlich gewollt und wird auch erwartet. Somit unterhält die Story des Games durchwegs.

 

Gameplay:

Wer noch kein Spiel der Reihe kennt, dem sei hier das prinzipielle Mechanikmodell knapp umrissen: Man spielt »Zombie Army« ähnlich wie die Games der Hauptreihe »Sniper Elite« und zwar in der Third-Person-Perspektive. Per rechtem Mausklick kann man in den Sniper-Visiermodus wechseln, sofern man das betreffende Gewehr ausgerüstet hat. Zudem kann man eine Sekundär- und Tertiärwaffe mitnehmen. Sekundärwaffen sind u.a. das bekannte Thompson-Maschinengewehr und dergleichen. Tertiärwaffen sind Pistolen.

 

Zusätzlich kann man Granaten, Minen und Healthpacks mitnehmen. Von den Granaten und Minen existieren verschiedene Versionen, mit denen man experimentieren kann. Dies lohnt sich vor allem bei den Minen, sobald man in einem Level die nötige Zeit bekommt, das Areal zu verminen. Granaten sind in der Hektik des Gefechts oft recht ungenau geworfen und können den Spieler selbst schaden.

 

Im Nahkampf erwehrt man sich mit einer Attacke zum Wegstoßen und Umstoßen, um sich die Gegner vom Leib zu halten. Auch hiervon gibt es mehrere Varianten, dazu später mehr. Zudem existiert ein Takedown, mit dem man die Zombies sofort in den Ruhestand versetzt.

Pro getötetem Zombie läuft ein Zähler hoch, der sogenannte Kombo-Zähler. Je höher dieser ausfällt, desto mehr Punkte erhält man. Auch durch andere Sonderaktionen kann man Punkte erhalten. Diese Punkte werden am Ende des Levels addiert und man bekommt Erfahrungspunkte, Auszeichnungen und dergleichen mehr. Das System erinnert an die Call-Of-Duty-Serie.

 

Diese Erfahrungspunkte wiederum sollte man tunlichst in das integrierte Rollenspielsystem investieren. »Zombie Army 4« besitzt ein recht umfangreiches Level-Up-System. Man kann beispielsweise sogar Waffen upgraden, wofür man spezielle Upgrades findet. Dann schießt man schneller, lädt schneller nach oder erhält explosive Geschosse. Jede Waffe kann man unterschiedlich aufrüsten. Das System motiviert und funktioniert wunderbar.

Auch den eigenen Charakter, den man aus vier vorgegebenen Typen auswählt, kann man verändern. Das beginnt bei kosmetischen Veränderungen, a la Kopfbedeckungen und geht über Perks wie »Last-Chance-Kill« bis hin zu unterschiedlichen Nahkampf-Manövern. Hier kann man als Spieler nach Lust und Laune seinen Charakter anpassen und somit auch seine Spielweise definieren.

 

Zwar ist das grundlegende Gameplay recht repetetiv, aber das merkt man beim Spielen kaum. Die Atmosphäre ist sehr gelungen und mit den unterschiedlichsten Umgebungen, von italienischer Stadtlandschaft, über venezianische Kanäle bis hin zu Waldumgebungen ist Abwechslung angesagt.

 

Auch die in den Leveln untergebrachten Zombiefallen tragen dazu bei, dass »Zombie Army 4« nicht langweilig wird. Elektrifizierte Zombie-Haie beißen bei Aktivierung nach den Untoten oder Akustische Fallen locken sie an und explodieren dann. Wie hier bemerkbar wird, nimmt sich das Spiel nicht bierernst und das ist gut so. Klischees begegnet man an jeder Ecke, allerdings wirken sie nicht aufgesetzt und daher nicht vordergründig satirisch. Ein Detail sind hier beispielsweise die Zombie-Ratten, die man überall beim genaueren Hinsehen findet oder die Horror-Puppen.

 

Grafik und Sound:

Ein großes Lob gebührt den Grafikern für ihr Zombie-Design. Hier wankt und stolpert in sehr gelungenen Animationen einiges Ekeliges auf die Spieler zu, so dass der »Ab 18«-Sticker absolut berechtigt ist. Die Zombies sind unterschiedlich designt, mal als Wasserleichen, mal als Nazi-Zombie-Soldaten, dann wieder als Zivilisten. Es existieren auch Sondermonster, wie den Dämon, der sich teleportieren kann oder auch Sniper-Zombies, die von Dach zu Dach springen und den Spieler aus der Verteidigung locken.

 

Die Lichtstimmung ist gut gelungen. Lichtstrahlen des Mondes zeigen sich als korrekte Beams, Schattenwürfe an den Wänden und am Boden erzeugen Stimmungen und auch die Umgebungsausleuchtung ist bis auf wenige Ausnahmen sehr gelungen.

Exakt dasselbe gilt für die Texturen. Die Zombies sind hervorragend designt, wie schon erwähnt. Auch die Umgebung ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die Texturen sind hochauflösend. Nur wenige Pflanzenranken waren zu entdecken, die gröber aufgelöst sind. Aber das entdeckt man auch nur, wenn man genau mit dem Sniper-Gewehr ranzoomt. Insgesamt überwiegt deutlich der positive Eindruck.

 

Der Sound ist gelungen. Die Zombies growlen herrlich und kreischen dazu. Besonders die Suiciders wirken entnervend mit ihrem Gekirre. Dies erzeugt eine tolle Panik-Stimmung. In den ruhigen Momenten ist das Game allerdings etwas zu sanft mit seinem Horror-Sound. Hier wäre ein bisschen mehr Dynamik in der Musik wünschenswert.

 

Multiplayer:

»Zombie Army 4« ist ein Spiel, das auch im 4er-Koop spielbar ist. Leider war dieser noch nicht zur Verfügung. Sobald wir hier mehr wissen, liefern wir den Test des Koop-Parts noch nach.

 

Fazit:

Bezogen auf den Singleplayer ist »Zombie Army 4« auf dem PC eine runde Erfahrung. Es macht großen Spaß, die Zombiehorden aufzuhalten und dabei mit unterschiedlichen Waffen zu experimentieren, auch wenn man ab und an umzingelt ist und es zum hektischen Nahkampf kommt.

Wer auf humoristischen B-Movie-Charme steht, der atmosphärisch stimmig ist, der macht bei »Zombie Army 4« nichts falsch. Eine klare Kaufempfehlung!

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Eure Meinung:

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PC-Game:

Zombie Army 4: Dead War

Rebellion, 4. Februar 2020

USK: 18


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Erstellt: 07.02.2020, zuletzt aktualisiert: 18.05.2020 08:58