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Zombies – Sie werden dich fressen! von Thomas Backus

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Bereits 2007 kündigte der emsige und aus der Szene praktisch nicht mehr heraus zu denkende (Hobby-)Autor – und Mitglied der Apokalyptischen Schreiber Thomas Backus im Rahmen der damaligen Buchmesse-Con die Veröffentlichung seines Debüt-Romans an. Vier Jahre später war es dann so weit, präsentierte der stets sympathische, immer gut gelaunte gebürtige Biedenkopfener seinen allerersten Schmöker, der mit stolzen 434 Seiten alles andere als dünn ausgefallen ist. Und wie es der, sicherlich etwas reißerisch klingende, aber definitiv passende Titel verrät, hat sich Backus auf jene Kreaturen fokussiert, die momentan auf einer scheinbar nicht enden wollenden Woge des Erfolgs treiben: den Zombies.

Was unweigerlich die nächsten Fragen hervorruft. Etwa ob dieser Erstling, wie so viele ähnlich gelagerte Romane der letzten Zeit, dank eines eventuell verwendeten Nummer Sicher-Prinzips einfach auf den Zug des Erfolgs aufspringen möchte oder eben doch eine Herzensangelegenheit ist. Und, noch viel wichtiger – was kann Backus dem geneigten Leser Neues bieten; welche frischen Ideen schlummern zwischen den Buchdeckeln? Das kein romantisches Glitzer-Geplänkel zu erwarten ist, dürfte spätestens nach dem Lesen der Warnung auf dem Buchrücken klar sein, welche der Unrated-Version von Zombies - Sie werden Dich fressen! ganz klar keine Jugendfreigabe bescheinigt.

 

Allerdings hat sich Backus nicht für die klassische Erzählform entschieden. Sein Roman besteht aus insgesamt 43 Segmenten (einschließlich einer Gastgeschichte vom Apokalypse-Kollegen Volker Ilse), die mal länger, mal kürzer ausgefallen sind. Zusammen ergeben sie ein Mosaik des Untergangs, eine rot gefärbte Collage des Grauens. Was Sinn macht. Schließlich wird im Falle einer Invasion hungriger Untoter an vielen Fronten gekämpft, die ebenso viele Schicksale zu erzählen haben. Besagte Front macht ebenfalls den Unterschied aus. Wo sonst über den Niedergang von Metropolen wie New York, Washington oder London fabuliert wird, lässt Backus die Zombies auf deutsche Gefilde los – und hat sich für diese erfrischende Ausgangslage das erste Lob verdient.

Was genau die Toten wieder lebendig macht beziehungsweise unbescholtene Bürger in hungrige Kannibalen verwandelt? Es könnte sich durchaus um einen Virus handeln – oder um das Werk einer sonderbaren Voodoo-Priesterin (Ein kleiner Fisch mit großer Wirkung). Letzten Endes ist es gar nicht so gewichtig, woran die Zivilisation untergeht. Das Wie samt seiner Auswirkungen ist da erheblich reizvoller.

Etwa wenn ein raffgieriger Bestatter den unlängst verstorbenen Ehemann um seine Zahnfüllungen erleichtern will, sein Opfer aber dummerweise just dann wieder zu neuem Leben erwacht (Des einen Tod ist des anderen Brot). Ferner wird unter anderem auf die Probleme hingewiesen, welche ein vermeintlicher Bordellbesuch in Zeiten der Wandelnden Toten mit sich bringt (Kurtchen und die Frauen). Auch der Freiwillige Löschdienst auf dem Lande hat es dann nicht einfach (Die Drei von der Feuerwehr). Doch nicht nur dem kleinen Mann werden Steine in den Weg gelegt. In Gotteskrieger zeigt sich, dass die aufkommende Zombie-Welle auch den Beruf des gemeinen Terroristen ziemlich belastet. Doch wo ist man diesen Zeiten eigentlich sicher? In geheimen Bunkern? Dem Weltall? Im Keller des hiesigen Arbeitsamts?

 

Eins ist klar: Zombies machen keine Gefangenen. Diplomatie? Ein Fremdwort. Insofern lässt Backus den Lebenssaft meterweit spritzen, zischt Gekröse durch die Luft wie Luftschlangen beim Karnevalsumzug. Munter wird drauflos gebissen, gezerrt und durchtrennt. Doch jeder Romero-Apostel weiß, dass zu einer guten, intelligenten Horrormär mehr gehört – etwa eine gebührliche Portion Sozialkritik. Und da Thomas Backus ebenfalls dem Kult-Regisseur aus Pittsburgh verfallen ist (das Buch besitzt sogar einen Anhang, der sich ausführlich mit Romeros Werken auseinandersetzt), wird hier nicht an bitterbösen Gesellschaftsreflexionen gespart. Ob Arbeitslosengeld, ob religiöser Irrsinn oder schlichtweg die Verrohung innerhalb der lebenden Gesellschaft – Backus hält uns allen bisweilen einen Spiegel unter die Nase, sorgt entweder für zustimmendes Nicken oder schweigsame Nachdenklichkeit. Mitunter muss man sich sogar die Frage stellen, wer die gefährlichere Spezies ist. Zwischendurch wird das Ganze aber immer wieder von überwiegend überzeugenden humoristischen Passagen unterbrochen, welche einerseits das nihilistische Wesen der Beiträge auflockert, andererseits das Nachfolgende umso intensiver werden lässt. Sicher, manchmal schießt Backus – wohl eher ungewollt – übers Ziel hinaus; wird aus dem vermeintlichen Splatterinferno ein Techtelmechtel mit Pulp- und Trashgefilden. Schmälern tut dies den Gesamteindruck aber nicht; im Gegenteil.

 

Fazit:

»Zombies – Sie werden dich fressen!« ist zwar kein perfektes, aber dennoch beeindruckendes Debüt geworden; geschrieben mit viel Herzblut und einer reichlich kranken Fantasie. Wer auf die Lebenden Toten Marke Romero, Keene & Co. steht, der sollte definitiv zugreifen!

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Buch:

Zombies – Sie werden dich fressen!

Autor: Thomas Backus

Titelbild: Ralph Haselberger

Persimplex-Verlag, 17. Oktober 2011

Gebunden, 434 Seiten

 

ISBN-10: 3864400201

ISBN-13: 978-3864400209

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Inhalt:

 

  • Die Auferstehung der Toten
  • Ein kleiner Fisch mit großer Wirkung
  • Das Ende der Nahrungskette
  • Beweisfotos
  • Des einen Tod ist des anderen Brot
  • Sehnsucht (Gastgeschichte von Volker Ilse)
  • Das Leben nach dem Tode
  • Leichenkammer Blues
  • Kurtchen und die Frauen
  • Die Leiden der Jenny Werther
  • Houston, wir haben ein Problem!
  • Gemüse ist gesund, Fleisch ist leckerer
  • Nur der Tod macht frei
  • Voodoo-Rache
  • Gerüttelt, nicht gerührt
  • Kein Aprilscherz
  • Flagge zeigen
  • Mercedes Benz
  • Das Grauen kam von den Sternen
  • Wenn Vögel Grippe kriegen und Schweine husten
  • Zombies im Mädchenpensionat
  • Der schlimmste Feind des Soldaten
  • Frauen hinter Gittern
  • Bürokratie der Gehirntoten
  • Zum Totlachen
  • Die Nacht der liebenden Toten
  • Premiere mit Zombies
  • Wenn ich tot bin
  • Ein gottverdammter Held
  • Gotteskrieger
  • Das Heer der Fliegen
  • Totgeburt
  • Live-Übertragung aus der Hölle
  • Ein Toter mit Herz
  • Happy Zombie-Slapping
  • Sternen-Zombies
  • Das geduldigste Pferd tritt mal aus
  • Die Drei von der Feuerwehr
  • Die Poesie des Todes
  • Stan Hunters letzte Jagd
  • Zombie-Ballern
  • Überleben
  • Das Wunder der Geburt

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.02.2012, zuletzt aktualisiert: 09.05.2019 14:37