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Zündung

Reihe: Green Lantern Sonderband 1

Rezension von Jörg Pacher

 

Der DC-Superheld Green Lantern ist quasi paradigmatisch für eine ganze Comictradition. Während Marvel Comics künstlich so etwas wie den Sentry einführen muss, um die Geschichte der Comics selbstreferenziell abzudecken, hat der in unseren Breiten einst als Grüne Laterne bzw. Grüne Leuchte bekannte Held, sämtliche Stationen selbst durchgemacht.

 

Eines seiner Alter Egos, Hal Jordan, wurde bekanntlich zwischenzeitlich zum Schurken Parallax. Aber auch dieses Faktum konnte in schönster Superhelden-Tradition rückgängig gemacht werden. Superhelden sind eben auch deshalb super und unsterblich, weil sie den Marktgesetzen unterworfen sind. Und solange sie nicht versuchen gegen diese zu rebellieren, kann auch die größte Krise sie nicht auf Dauer töten.

 

Vielleicht sind es aber auch gar nicht so sehr die Marktgesetze, sondern Jungs und Mädels, die nie genug davon kriegen können, eben solche zu sein. Seien wir uns ehrlich: die Superhelden leben heute doch hauptsächlich vom Nostalgiefaktor, und sprechen einen gealterte Zielgruppe an. Die Jugend ist längst zur japanischen Konkurrenz übergelaufen.

 

Deshalb ist es wahrscheinlich sogar notwendig Green Lantern vorzustellen. Diverse Menschen wurden im DC-Universum bereits mit den Wächtern des Universums konfrontiert und von ihnen mit der Gabe ausgestattet alle ihre Wünsche zu erfüllen. De facto äußert sich das in der Fähigkeit alle vorstellbaren Objekte in Neongrün herzustellen und durchs All zu rasen. Dienen sollen die Superkräfte einer intergalaktischen Polizeitruppe, dem Green Lantern Corps. Der amerikanische Testpilot Hal Jordan ist einer dieser Green Lanterns, und für den Raumsektor der Erde zuständig. Nach dem Intermezzo als Schurke, ist er eben erst zu den ‚Guten’ zurückgekehrt und findet in seine Rolle als Held und Pilot langsam zurück.

 

Der Gegensatz zum gegenwärtigen Ringträger Kyle Rayner fällt ziemlich stark aus. Hal ist ein prolliger Militärpilot und macht es feinfühligen Comic Book Geeks mit der Identifikation nicht gerade leicht. Hier geht es nicht um Kinkerlitzchen, etwa wie man damit umgehen kann anders zu sein, sondern darum markige Sprüche abzulassen, die blonde Kollegin abzukriegen und nebenbei dem Bösen eins in die Fresse zu geben. Man müsste schon Zyniker sein, um zu behaupten Autor Geoff Johnes schreibe hier einfach rund um pseudointellektuellen Habitus herum. Vielmehr schreibt er direkt dagegen an. Hal hat das verdient.

 

Trotz des simplen Hauptcharakters ist die neue Green-Lantern-Serie natürlich an Deepness interessiert. Nur leider wirken die aufgebauten nachdenklichen Elemente sehr konstruiert, als hätte man sie im Nachhinein künstlich eingepflanzt.

 

Da wird eine vernichtete Millionenstadt erstmals aufgebaut, bevor man sich Gedanken darüber macht, ob irgendwer dorthin zurückziehen will (um mal den Fakt außer Acht zu lassen, dass scheinbar ein Großteil der Bevölkerung ohnehin tot ist) und man bedient sich ziemlich offensichtlich bei Michael Moore, wenn man sich dem Angstthema so widmet, wie es schon ‚Bowling für Columbine’ getan hat. Das mag man dem Hobbyschreiberling in seinem Blog durchgehen lassen, von einem Profi wie Geoff Jones erwartet man dann aber doch zumindest einen zusätzlichen Spin für das fast eine Dekade alte Thema.

 

Zeichnerisch ist der Band, der dreieinhalb US-Ausgaben enthält, im Gegensatz dazu gut gelungen. Sowohl Helden als auch Schurken präsentieren sich äußerst dynamisch und teils ist man direkt gezwungen nochmals zurückzublättern, um zu ergründen, warum eine bestimmte Doppelseite eine solche Sogwirkung aufs Auge auslöst.

 

Wollten wir aus den Heften dieses Bands eine Moral ableiten wollen, würde die wohl so klingen:

 

„Zuerst handeln und dann als Soundtrack irgendwas dazu denken! Wenn es nicht dazu passt, ist man eh schon beim nächsten Problem und die Mühe zu rekapitulieren wird sich eh keiner antun.“

 

„Green Lantern #1“ ist Superhelden-Lesefutter der alten Schule. Action, Heldentum und schöne Bilder. Leute unter 16 werden wohl auch noch den einen oder anderen Anstoß zum Nachdenken finden.

Eure Meinung:


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Comic:

Zündung

Reihe: Green Lantern Sonderband 1

Label: DC

Serie: Green Lantern

Green Lantern 1-3, Green Lantern Secret Files 2005

G. Johns, C. Pacheco, E. Van Sciver

S. 100

1/2006

erhältlich bei Panini


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Erstellt: 02.06.2006, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:40