Drachenflamme von Naomi Novik

Reihe: Die Feuerreiter seiner Majestät Band 6

Rezension von Christel Scheja

 

Auch der neuste Band der „Feuerreiter seiner Majestät“ ist wieder bei Penhaligon erschienen und spinnt die Geschichte um den jungen Kapitän William Lawrence weiter, der ursprünglich ein Schiff der britischen Kriegsmarine kommandierte, dann aber durch das Aufbringen eines Schiffes ein Drachenei unter seine Obhut nehmen musste.

Zwischen ihm und dem frisch geschlüpften Temeraire entstand ein enges Band, das nicht mehr zu lösen war und zu erheblichen Komplikationen führte – war der junge chinesische Kaiserdrache doch eigentlich für Napoleon Bonaparte bestimmt gewesen.

Auch wenn die meisten Differenzen geklärt werden konnten und der junge Kapitän durchaus strategisches Geschick im Krieg gegen Frankreich bewies, blieben William Lawrence und sein Drache für seine Vorgesetzten unbequem. Denn eines stellten sie immer über den absoluten Gehorsam: Ihr Mitgefühl.

 

Genau das hat die beiden Kriegshelden stürzen lassen. Nachdem sie das Heilmittel für eine Drachenseuche im Herzen Afrikas entdeckt haben, stellen sie es nämlich nicht nur England zur Verfügung, sondern auch Frankreich, weil sie nicht mit ansehen können, dass die unschuldigen Drachen dort sterben sollen, nur um einen Kriegsvorteil zu erwirken.

So wird Lawrence verhaftet und eingesperrt. Als Hochverräter erwartet ihn eigentlich die Todesstrafe, doch diese wird in lebenslange Deportation nach Australien umgewandelt, als der junge Kapitän und Temeraire maßgeblich daran beteiligt sind, eine Invasion Bonapartes bei Nacht und Nebel zu aufzuhalten.

Doch das ändert nichts daran, dass man ihn weiterhin verachtet. Das bekommen die beiden auch am anderen Ende der Welt zu spüren, wo sie wie Aussätzige behandelt werden. Doch auch wenn man sie schlecht behandelt, bemühen sich Lawrence und Temeraire auch weiterhin für das Wohl ihres Landes zu arbeiten. Das bedeutet, sich um drei Eier zu kümmern, mit denen eine Drachenzucht aufgebaut werden soll, und sich auch ein wenig im öden Landesinnern umzusehen.

Bereits auf einer langwierigen Expedition in die Einöde werden sie immer wieder auf die Probe gestellt, sei es nun durch die klimatischen Umstände, die Arroganz anderer Offiziere und nicht zuletzt das Schlüpfen eines Jungdrachen und den Diebstahl eines Eis. Und nicht zuletzt entdecken sie eine verborgene chinesische Siedlung an der Küste – was ein Affront gegen die Krone bedeutet und einen kriegerischen Konflikt auslösen könnte. Nun ist es gerade an den beiden, die eine besondere Beziehung zum chinesischen Königshof haben, das Schlimmste zu verhindern. Doch wollen sie es überhaupt noch.

 

Sicherlich könnte Naomi Novik ihre zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einem alternativen Europa angesiedelte Geschichte noch endlos weiter führen – was sie auch vorzuhaben scheint – aber man merkt leider auch, dass eine gewisse Routine eingekehrt ist. Gerade weil sie in „Drachenflamme“ das Tempo arg zurückschraubt und sich mehr mit der Expedition und den Zickereien junger Drachen beschäftigt, als ihren Helden in weitere politische Konflikte zu stürzen, bleibt die Geschichte spannungsmäßig auf einem niedrigen Niveau. Leider führt sie die Intrigen im Hintergrund zu wenig aus, so dass man sich schon ein wenig in der Militärgeschichte Australiens auskennen sollte um das Gemauschel zwischen den Gouverneuren zu verstehen.

Letztendlich fehlt dem Buch der klare Konflikt, der die Helden in Gewissensnöte stützt und zu Entscheidungen zwingt. Auch ist am Ende kaum etwas gelöst, man wird wieder nur mit einem recht unbefriedigenden Cliffhanger vertröstet.

Die Geschichte ist auch weiterhin flüssig und abwechslungsreich geschrieben, aber man wird nicht mehr wirklich warm mit ihr. Es fehlt die Faszination und Dramatik der ersten Bände, der nachvollziehbare politische Hintergrund und eine deutliche Wende, die neue und wesentlich spannendere Abenteuer ermöglicht, die auch den Helden weiter hilft, neue Facetten ihrer Persönlichkeit zu entwickeln. Denn im Gegensatz zu „Drachenwacht“ macht Temeraire diesmal wieder einen deutlichen Rückschritt, und auch Lawrence bleibt auf der Stelle stehen.

 

Alles in allem bietet „Drachenflamme“ zwar immer noch gute Unterhaltung, aber letztendlich fehlt dem neusten Buch der Reihe einiges an Spannung und Lebendigkeit, die noch die ersten drei Bände auszeichnete.

 

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zuletzt aktualisiert: 25.07.2021 14:15 | Users Online
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