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Interview mit Karsten Kruschel

von Ralf Steinberg

 

Was ein normales Interview mit einem faszinierenden Autor werden sollte, entwickelte sich zu einem grandiosen Mail-Dialog über endlose Wochen hinweg, Anlass war eigentlich Vilm 3


Karsten Kruschel
Karsten Kruschel © Kerstin Mauersberger

Fantasyguide: Karsten, Du bist nach langer Pause, ich glaube 2008, zur SF zurückgekehrt. Vieles hatte sich verändert, vom Verlagswesen über die Fan-Clubs bis hin zu den ganzen neuen Medien, die alle Beteiligten näher zusammenbringen. Oder nicht? Du hast doch Vergleiche …

 

Karsten Kruschel: Da ich seit 1991 für so ziemlich jede Ausgabe des SF-Jahres bei Heyne Rezensionen und/oder Essays beigesteuert hatte, war die Pause eher eine rein belletristische. Die völlig veränderte Landschaft für SF machte mir aber zu schaffen: Während mein noch in der DDR erschienenes Buch 1989 eine 20.000er Startauflage hatte und ruckzuck ausverkauft war, gab's plötzlich nur noch Riesenverlage mit wenig Platz für deutsche Autoren, und für neue schon gar nicht, ganz zu schweigen von ostdeutschen. Auch von derartigen Auflagen konnte man nur noch träumen - die DDR-Leser haben ja einfach jedes SF-Buch gekauft, das sie kriegen konnten.


Johanna und Günter Braun – Das Ende des Pantamannes, Cover von Jonannes G. K. Niedlich
Johanna und Günter Braun – Das Ende des Pantamannes, Cover von Jonannes G. K. Niedlich

Fantasyguide: Wo sind denn die 20.000 hin nach der Wende?

 

Karsten Kruschel: Soweit ich weiß, sind sie alle verkauft, und nicht wie andere Bücher druckfrisch auf Abfallhalden verklappt worden. Bei eBay und den diversen Antiquariats-Portalen bekommt man das Buch massenweise für wenig Geld. Andere Bücher hatten da weniger Glück. Der dritte Band der Pantamann-Trilogie von Johanna Braun und Günter Braun beispielsweise kam erst 1990 aus der Druckerei, und fast die gesamte 20.000er Auflage wurde vernichtet – was die Phantasiepreise im Handel heute erklärt. Ich besitze allerdings ein signiertes Exemplar des Buches.

Auch die Verlage waren nach 1989 völlig anders. In der DDR haben Lektoren teilweise jahrelang mit Autoren an einem Buchmanuskript gearbeitet, es gab Fördervereinbarungen und langfristige Verträge, und jedes Mal, wenn ich in Berlin mit einem Lektor eine Unterredung hatte, bezahlte der Verlag die Anreise aus Magdeburg oder Leipzig. Verrückt. - Ich derart verwöhnter Depp habe dann nach der »Wende« ein 500-Seiten-Manuskript an Verlage verschickt, ohne zu ahnen, dass man (BRD) so etwas nicht tut. Niemand liest solche ungebetenen Manuskripte; diese Sorte Verlagsmitarbeiter existiert nicht mehr. Unverlangtes bleibt stattdessen anstandshalber eine Weile liegen, ehe ein Standard-Ablehnungsschreiben rausgeht.


Vilm – Der Regenplanet, Cover von Ernst Wurdack
Vilm – Der Regenplanet, Cover von Ernst Wurdack

Fantasyguide: War das schon Vilm?

 

Karsten Kruschel: Ja, das war eine der frühen Fassungen von »Vilm«. Wolfgang Jeschke zeigte kurz daran Interesse, aber dann ging die SF bei Heyne dramatisch zurück, und es hatte sich erledigt.

Die Veröffentlichung von »Vilm« wäre ohne Internet und Email nie passiert: Irgendwann 2007 fragte Heidrun Jänchen per Mail an, ob ich eine Story für eine »Ex-DDR-SF-Autoren-leben-noch-Anthologie« beisteuern könnte. Ich mußte erst mal den Wurdack-Verlag googeln, ehe ich geantwortet habe … und 2009 kamen dann die ersten beiden »Vilm«-Bände heraus. Insofern sind die »Neuen Medien« schon ein Segen. Heute schicken Wurdack, Jänchen und Kruschel einander PDF-Dateien zu - für mein Buch 1989 sind damals noch mächtige Stapel Druckfahnen per Post hin und her gegangen.


Raumsprünge, Cover von Karl Fischer
Raumsprünge, Cover von Karl Fischer

Fantasyguide: Was ist Dir eigentlich geblieben, von Deiner Arbeit vor dem Zusammenbruch der DDR? Welche Erinnerungen sind Dir wichtig? Gibt es Dinge, in Deiner Sozialisation, von denen Du denkst, dass sie Dich besonders stark formten, im Guten wie auch im Schlechten, oder ist die DDR mehr wie ein sich immer weiter entfernender Schatten?

 

Karsten Kruschel: Das mag jetzt manchen Leuten nicht gefallen, aber die DDR ist mein Heimatland, so beschissen es da in mancher Hinsicht auch zugegangen sein mag. Und seine Heimat wird man nicht los, sein Leben lang nicht. Das kann man bei zahllosen Autoren nachlesen, und es stimmt. Ich bin 1990 aus meinem Heimatland ausgewandert worden, und dass es uns allen hier seitdem in vieler Hinsicht besser geht, ändert daran gar nichts. Insofern gibt es natürlich viele Dinge, die mich geformt haben, schließlich hätte ich im Dezember 1989 beinahe vergessen, meinen 30. Geburtstag zu feiern. Meine Heimat ist kein sich entfernender Schatten, sie ist nach wie vor da. Dieselben Schranzen haben heute andere Namen und andere Parteien, leben in einem anderen Wolkenkuckucksheim und bescheißen uns – was der wesentliche Unterschied ist – heute um richtiges Geld und nicht bloß um Aluchips.

Die FDJ-Poetenbewegung hat mich gelehrt, eigene Texte kritisch zu hinterfragen (neben anderen Dingen, die mit Literatur rein gar nichts zu tun hatten). Der Kontakt mit den Lektoren (Erik Simon bei Das Neue Berlin, Helmut Fickelscherer bei Neues Leben) hat mir beigebracht, wie man mit fundierter Kritik umgeht. Beide haben da Arbeit geleistet, die in heutigen Großverlagen kaum mehr stattfindet.


Vilm – Die Eingeborenen, Cover von Ernst Wurdack
Vilm – Die Eingeborenen,  Cover von Ernst Wurdack

Fantasyguide: Ich habe immer das Gefühl, beim Wurdack-Verlag geht es sehr gemütlich, aber trotzdem arbeitsam zu. Bist Du ein disziplinierter Schreiber? Wie gehst Du mit Lektoraten um? Heidrun ist ja sehr resolut …

 

Karsten Kruschel: Heidrun knallt mir ihre Meinung tatsächlich ungefiltert vor den Latz, aber da ich das aus der Poetenbewegung und von meinen Lektoren zu DDR-Zeiten kenne, macht mir das nichts aus. Die Affenliebe, die jeder Autor für seinen Text empfindet, endet für mich in jenem Augenblick, in dem ich das Geschreibs einem anderen Menschen zeige. Genau deswegen zögere ich manchmal auch so lange, diesen Weg zu beschreiten. Wenn es aber soweit ist, betrachte ich die Vorschläge und Änderungswünsche eher analytisch … meistens stecke ich da ja schon längst mit meinen Gedanken in neuen Projekten.

Und nein, ich bin kein disziplinierter Schreiber. Phasen frenetischen Durchschreibens wechseln sich ab mit Prokrastination. Das spielt aber für die fertigen Texte keine Rolle, denn das Überarbeiten macht den Text, nicht das Schreiben selbst.

Die Fan-Clubs haben sich nicht wesentlich verändert; nur sind aus Fanzines und Egozines heute Blogs und PDF-Downloads geworden, und die Frequenz der Streitereien hat sich dank der Internet-Foren stark erhöht. Ihre Dauer hingegen ist stark gesunken, und es müssen keine Briefmarken mehr für sowas sterben.


Karsten auf dem ElsterCon 2010 während der Siegerlesung KLP/DSFP
Karsten auf dem ElsterCon 2010 während der Siegerlesung KLP/DSFP

Fantasyguide: Du meldest Dich eher sporadisch im Fandom  zu Wort . Ist das Deine Art oder steckt da absichtliche Distanz dahinter um als Autor unabhängig zu bleiben?

 

Karsten Kruschel: Es gibt einfach Phasen, in denen ich nicht dazu komme, in die Foren zu schauen. Auch meine Accounts bei Facebook oder Xing liegen gelegentlich wochenlang brach. Und ich denke über Postings immer zweimal nach, sofern es nicht schon einen Riesling zu spät ist. Und oft lösche ich Kommentare vor Veröffentlichung, schon weil die Online-Kommunikation so rasch dazu neigt, zu eskalieren. Think twice.


Ein Fall von nächtlicher Lebensweise in: Der lange Weg zum Blauen Stern hrsg von Michael Szameit, Cover von Jürgen Dreißig
Ein Fall von nächtlicher Lebensweise in Der lange Weg zum Blauen Stern hrsg von Michael Szameit, Cover von Jürgen Dreißig

Fantasyguide: Als SF-Autor spürt man sicherlich die Erwartung, heutige Dinge in die Zukunft hinein weiter entwickeln zu müssen. Das könnte man wissenschaftlich aufziehen oder mit Fantasie aufpeppen. Wie gehst Du damit um oder widersetzt Du Dich solchen Ansprüchen an SF?

 

Karsten Kruschel: Da ich der Meinung bin, dass SF sowieso von der Gegenwart handelt und nicht von der Zukunft, verspüre ich auch keinen Druck, irgendwelche Extrapolationen herbeizuzwingen. Schon gar nicht wissenschaftlich basierte, denn die gibt es gar nicht. Die Futurologie ist auf breiter Front gescheitert; sie hat nichts vorhergesehen, was dann tatsächlich geschehen ist.

In der SF dient die Zukunft lediglich als Spielwiese, auf der man der Gegenwart einen speziellen Spiegel vorhalten kann. Wie, das ergibt sich aus dem Gang der Erzählung. Als ich beispielsweise für eine bestimmte Wendung des Geschehens eine geldgierige Truppe gnadenloser Erfolgsmenschen brauchte, habe ich die »Goldene Bruderschaft« nicht aus heutigen Bankern heraus entwickelt, sondern zunächst nur eine Karikatur solcher Typen geschaffen. Die hat sich dann während des Schreibens zu etwas Selbstständigem weiterentwickelt und sogar tragische Figuren hervorgebracht. Aber ich glaube natürlich nicht wirklich daran, dass Banker in der Zukunft nackt in durchsichtige Folie gewickelt herumlaufen.


Futurologen Angela und Karlheinz Steinmüller während einer Lesung im Brechthaus 2011
Futurologen Angela und Karlheinz Steinmüller während einer Lesung im Brechthaus 2011

Fantasyguide: Das Scheitern der Futurologie muss ja nicht auch das Scheitern der Gesellschaftswissenschaft bedeuten. Warum ist eine geldbasierte kapitalistische Zivilisation der Standard in der SF? So selbstverständlich finde ich das gar nicht, die Vilmer scheinen sich ja auch dagegen zu entwickeln …

 

Karsten Kruschel: Ich würde die Futurologie nicht zu den Gesellschaftswissenschaften zählen … ja, nicht mal zu den Wissenschaften.

;-)

An der Frage, warum die in der SF geschilderten Gesellschaften oft so offenbar geldorientiert und kapitalistisch sind, haben vor allem linke Literaturwissenschaftler früher oft ihren Vorwurf festgemacht, SF sei eine faschistische Gedanken verlängernde Textgattung … auch Literatur war ein Opfer des Kalten Krieges.

Außerdem stimmt das ja gar nicht, denn sehr erfolgreiche SF-Literatur schilderte ganz offen feudalistische Strukturen, man denke nur an den Dune-Zyklus von Frank Herbert, an Helliconia, an einiges in Asimovs Foundation-Romanen, und auch die Welt von LeGuins Die linke Hand der Dunkelheit bzw. Winterplanet (das Buch hat ja im Deutschen verschiedene Titel) ist nichts weiter als Feudalismus, wenn auch bei LeGuin Genly Ain das Ganze eher distanziert bestaunt als gutheißt. Das hat aber nichts mit regressiven Tendenzen der SF zu tun, sondern mit den Geschichten, die in einer entsprechenden Umgebung besser funktionieren. Man denke etwa an Richard Morgans rasante Romane, die ohne Geld und Kapitalismus einfach gar nicht funktionieren würden, oder die von Vernor Vinge oder Alastair Reynolds. Wobei Vinge auch mal gern auf den Feudalismus zurückgreift (wie bei den Rudelwesen in Ein Feuer auf der Tiefe) oder daran vorbeigaloppiert (wie bei den Spinnenwesen in Eine Tiefe am Himmel).

SF spiegelt nun mal die Gegenwart wider, und sie bedient sich dabei - gezwungenermaßen - ebenjener Muster, die der Leser kennt. Die SF der DDR hat ja auch ziemlich oft »Sozialismus-im-Weltall« gespielt, aus genau denselben Gründen (und mit gelegentlich schauerlichen Ergebnissen).

Ich hingegen habe bisher in meinen Büchern nur ganz behutsam versucht, andere Modelle einzuführen. »Vilm« etwa kommt komplett ohne Geld aus, während die Goldenen dazu eher nicht in der Lage sind; auf Galdäa gibt es so eine Art fließenden Feudalismus; auf Atibon Legba gibt es neben der offiziellen Ökonomie mindestens eine mächtige Schattenwirtschaft; und über die Wirtschaft von Utragenorius oder Oniskus habe ich noch kein Wort verloren. Ich halte mir da noch Möglichkeiten offen für spätere Geschichten. ;-)


Galdäa, Cover von Przemyslaw Rubaj
Galdäa, Cover von Przemyslaw Rubaj

Fantasyguide: Verlangen neue Gesellschaften nicht auch neue Menschen? In der SF gibt es immer wieder Versuche, Weiterentwicklungen des Menschen zu beschreiben, aber bisher sind weder PSI-Kräfte noch bessere Menschen aufgetaucht. Bei Dir gibt es neben technischen und genetischen Änderungen am Menschen auch die Symbiose, fast eine Rettung von außen …

 

Karsten Kruschel: Beim Stickwort »Neuer Mensch« zucke ich ein bisschen zusammen, weil mich das so an meine Schulzeit erinnert und das ständige Gerede von der allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit damals während des Studiums. ;-)

Es würde auch keinen Sinn ergeben, einen tatsächlichen Neuen Menschen zu schildern, weil das dem Leser klarmachen würde, dass ihm der egal sein kann – immer unter der Prämisse gesehen, dass SF von der Gegenwart handelt. Und da verwende ich mehr oder weniger stark verfremdete Menschen als Teil des Spiels, seien es nun die genetisch an eine überschwere Eiswelt angepassten Karnesen, die Bewohner von Galdäa mit ihren besonderen Fähigkeiten oder die auf zwei Körper verteilten Vilmer. Alle haben nicht nur Vorteile von ihren Veränderungen, und ich hoffe doch, der Leser betrachtet sie immer noch als menschliche Wesen.

Dass die Symbiose der Vilmer als Rettung von außen betrachtet werden kann, ist mir nie in den Sinn gekommen …


Die häßlichen Schwäne erschienen als Binnenhandlung in Das lahme Schicksal, Cover von Carl Hoffmann
Die häßlichen Schwäne erschienen als Binnenhandlung in Das lahme Schicksal, Cover von Carl Hoffmann

Fantasyguide: Die Frage ist ja, ob sich der Mensch zu etwas anderem, vielleicht besserem entwickeln kann. In vielen SF-Büchern begehen die Menschen auch in zehntausend Jahren noch die gleichen Fehler wie heute. Je nach dem was man als Fehler so empfindet. Fast erscheint es mir wie eine Glaubensfrage, sich fortgeschrittene Menschen vorzustellen …

 

Karsten Kruschel: Na, sicher wird der Mensch weiterentwickeln (wenn er sich nicht selbst ausrottet, was immer noch nicht ausgeschlossen ist). Aber dieser so weiterentwickelte Mensch wird mit uns nichts mehr anfangen können, und wir mit ihm auch nicht. Homo sapiens superior ist eben eine andere, neue Art. Und uns fremd.

Homo sapiens ludibundus wäre eine andere Variante, aber uns wahrscheinlich genauso fremd.

Dieses Thema ist bereits weidlich verarbeitet worden – eben gerade hab ich in der Strugatzki-Werkausgabe die neue Fassung von Die häßlichen Schwäne gelesen. Und auch da geht es den Verfassern nicht um die Schilderung der tollen (?) neuen Menschen, sondern um die bescheuerte Art und Weise, wie die Gesellschaft auf sie reagiert. Wie überhaupt in der SF der Übermensch immer/meistens als Sinnbild für das »Andere«, »Fremde« herhalten muss, weil es ja nicht tatsächlich um ihn geht.


Andreas Eschbach – Eine Billion Dollar, Cover von Guido Klütsch und Jorg Hejkal
Andreas Eschbach – Eine Billion Dollar, Cover von Guido Klütsch und Jorg Hejkal

Fantasyguide: Das erinnert mich an Sturgeons Die ersten ihrer Art, aber auch in den X-Men Filmen wird Diskriminierung immer wieder thematisiert. Was mich zu der Frage führt, ob man in deutschsprachiger SF überhaupt genug Stimmgewalt entwickeln kann, um politische Themen so anzusprechen, dass sie einen Diskurs anzuregen vermögen?

 

Karsten Kruschel: Natürlich kann man in deutscher SF politische Themen ansprechen, und ich mache das ja auch des öfteren (und andere auch, wie Heidrun Jänchen). Sowohl in den »Vilm«-Romanen als auch in »Galdäa« gibt es Politisches zuhauf, angefangen von einer Welt, die ohne Obrigkeit auskommen will (und damit auch ganz gut fährt), es aber nicht sollen darf, bis hin zu Abkommen, die man zwar nicht mag, aus denen man aber nicht wieder rauskommt. In »Galdäa« wird auch Diskriminierung thematisiert, auch wenn es da die selbst Diskriminierten sind, die andere diskriminieren - aber das haben wir ja jeden Tag in unseren sozialen Brennpunkten (blöder Begriff).

Einen Diskurs löst SF damit sicherlich nicht aus. Dafür ist die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit viel zu schwach, das hat ja nicht mal Eschbach mit seinen erfolgreichen, oft auch politisch akzentuierten Büchern geschafft (dabei hätte das Billionen-Dollar-Buch den ganzen Zinsenopfern und Renditehaschern rechtzeitig die Augen öffnen können). Aber im Einzelnen, Konkreten kann das funktionieren. Ich habe viel direkten Kontakt mit Lesern, und wenn es bei einer Lesung in der Dorfkirche vor meiner Haustür ist. Da kommt erstaunlich viel rüber – aber es ist immer der einzelne Leser, der sich seine oft weitreichenden Gedanken macht. Nix Diskurs. Nur Leute, die über meine Texte grübeln. Ich gebe ja zu, daß mir das gefällt – vor einiger Zeit war es ein 80jähriger, der sich von mir die erste SF-Geschichte seines Lebens angehört hat und ganz angetan war. »Genau so isses«, kommentierte er die Story. Eine SF-Story!


Fantasyguide: Was lernen dann die Menschen aus der Geschichte, aus den Geschichten? Ist Grübeln nicht ein Selbsteinkerkern, etwas das alte Leute dazu führt, den Kontakt zu Enkeln abzubrechen oder alles misstrauisch zu beäugen? Wohin führt uns denn eine moderne SF-Story, wenn das Lichte Morgen verbrannt ist?

 

Karsten Kruschel: Aus der Geschichte pflegen die Menschen gar nichts zu lernen, wie man gerade in der Ukraine sehr schön sehen kann, wo Putin die Wiedervereinigung der Sowjetunion vorantreibt …

Tja. wohin führt eine moderne SF-Story? Ich denke, genau dorthin, wohin alle Literatur führen muss, wenn sie was taugen will: Zum Leser selbst, dass der sich Fragen stellt, selber weiterdenkt, reflektiert, im Idealfall vielleicht sogar sein eigenes Denken. DAS ist Science-Fiction, ich weiß.

Und Nachdenken ist was anderes als Grübeln … ganz zu schweigen von jener speziellen Art von Altersstarrsinn, die du da meinst.

 

Fantasyguide: Dann wünschen wir Dir auch für die nächsten Dekaden Deines Schaffens denkfreudige LeserInnen und immer eine reflektierende Geschichte im Gepäck! Vielen Dank für das Interview.

Die unwiderruflich letzte Rubrik in Heyne – Das Science Fiction Jahr 1991, Cover von Patrick Woodroffe
Die unwiderruflich letzte Rubrik in Heyne – Das Science Fiction Jahr 1991, Cover von Patrick Woodroffe

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Buch:

Das Dickicht

Reihe: Vilm Band 3

Autor:Karsten Kruschel

Taschenbuch, 310 Seiten

Wurdack, Januar 2013

Cover: Ernst Wurdack

 

ISBN-10: 3938065931

ISBN-13: 978-3938065938

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00BC6SADK

 

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Erstellt: 26.08.2014, zuletzt aktualisiert: 02.06.2016 07:45