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Kolumne: Reformation

Autor: Holger M. Pohl

 

Es ist schon ein paar Jahre her, als ich zum ersten Mal davon hörte: „Es gibt eine Rechtschreibereform!“ Mein erster Gedanke: „Toll! Wird auch endlich Zeit!“

Mittlerweile ist einige Zeit ins Land gezogen und die Reform kam, wurde reformiert, wurde wieder reformiert…und mittlerweile weiß nun gar niemand mehr so richtig, wie man was wann wie schreibt oder wo man nun ein Komma setzt oder nicht.

Zugegeben, das mag etwas übertrieben sein, trifft aber doch irgendwo den Kern der Sache. Dass sich daneben noch eine Art von Subrechtschreibung des Internets entwickelt hat, darüber wollen wir das Mäntelchen des Schweigens legen.

Die deutsche Schriftsprache war und ist für den Normalbürger, der sich nicht beruflich damit beschäftigt – und manchmal auch für diese – oft genug ein Buch mit sieben mal sieben Siegeln: Kommt nun ein Komma oder keines? Wird ein Wort groß oder klein, zusammen oder auseinander geschrieben? „Aufwendig“ schrieb man früher so, dann hieß es „aufwändig“ weil es von „Aufwand“ kommt und nun ist beides möglich…

Grundsätzlich war die Reform überfällig, doch die erste Version war unausgegoren und alles was danach kam verschlimmbesserte die Sache nur noch. Man hat eigentlich nur zwei Dinge damit erreicht: erstens wurden viele – vom Schüler über den Lehrer bis zum ganz normalen Menschen – verunsichert und verwirrt; zweitens kamen all jene Verlage, die Rechtschreibebücher herausgeben, nicht damit nach, immer wieder die aktuelle Ausgabe zu aktualisieren.

Eigentlich sollte die Rechtschreibereform alles vereinfachen. Mittlerweile hege ich meine Zweifel daran, ob das tatsächlich gelungen ist. Was wir Deutschen bei anderen Gelegenheiten – zum Beispiel in der Gesetzgebung – gerne tun, hat nun auch in die Rechtschreibung endgültig – und mehr als früher! – Einzug gehalten: die Ausnahme von der Regel! Oder man entschied sich gar nicht und beide Schreibweisen eines Wortes sind möglich. Wer soll da noch wirklich durchblicken?

Das war sicher keine Absicht und all die Mitglieder irgendeiner Kommission, die sich damit beschäftigt haben, hatten sicherlich das Beste im Sinn. Dass die Rechtschreibereform durchaus auch positive Auswirkungen hatte, ging bei der großen Verwirrung irgendwie und auf ganz natürlichem Weg unter.

Mittlerweile haben manche Unternehmen – allen voran Verlage – Hausorthographien und lassen Ausnahmen von der Duden-Schreibweise zu. Grundsätzlich ist es natürlich gleichgültig, ob alles richtig geschrieben wurde oder nicht, solange man es nur lesen und verstehen kann. Doch es gibt nun mal die offiziellen Regeln und besonders bei offiziellen Schreiben – wozu auch Manuskripte gehören – sollte man sich auch an diese halten. Es sei denn, der Verlag, bei dem man sein Manuskript einreichen möchte, legt Wert darauf, dass man entweder nach der alten oder der neuen oder der hauseigenen Rechtschreibung schreibt. Im Zweifelsfall bedeutet das, dass man sich mehrere Versionen seines Manuskriptes anlegen muss. Was wiederum bedeutet, dass wir Schreiberlinge eigentlich in allen Rechtschreibeversionen firm sein sollten.

Was ich früher gelernt habe, ist heute nicht mehr richtig…oder nicht mehr ganz richtig…oder auch noch richtig…ach Gott, ich weiß es auch nicht mehr so richtig!

Irgendwie habe ich das Gefühl: „Es ist Zeit für eine Rechtschreibereform – eine vernünftige wohlgemerkt!“

 

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Erstellt: 29.09.2007, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31