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Kolumne: Preise

Autor: Holger M. Pohl

 

Neulich irgendwo auf dieser schönen gepreisten…ich meine gepriesenen Welt.

 

„Hey, ich habe einen SF-Roman veröffentlicht!“

„Wow! Klasse!“

„Und ich habe auch schon einen ersten Preis dafür bekommen!“

„Echt? Spitze! Klasse! Welchen denn?“

„Den SPASS!“

„Häh?“

„Den SPASS – den Super Preis an Super-SF!“

„Aha – und wer verleiht den?“

„Ich!“

 

Was ich damit sagen will? Zunächst einmal, dass Preise in aller Regel etwas sehr, sehr subjektives sind, wenn es keine eindeutigen, allgemeingültigen, objektiven Kriterien gibt.

Einen Preis für einen SF-Roman (oder überhaupt ein literarisches Werk) mit den meisten Zeichen, den meisten Kommata, den meisten Umlauten usw. gibt es nicht. DAS wäre objektiv! Allerdings ziemlich schwachsinnig.

Dafür gibt es Preise für die Besten in ausgewählten Kategorien. Die Besten? Nun, die Besten eben, die die jeweiligen Entscheidungsträger gelesen haben. Zumindest sollte es so sein. Doch mit Preisen ist es wie im richtigen Leben: die Chemie entscheidet oft genug mit! Oder die Sympathie für den Autor, respektive die Antipathie. Vielleicht manchmal auch die Tageszeit. Oder die Nominiertenliste – denn was nicht nominiert ist, kann nicht gewählt werden.

Ob nun Fachleute, eine Jury oder die Leserschaft entscheidet, über eines sollte man sich im Klaren sein: es wird immer subjektiv entschieden. Weil meine Kriterien nicht Deine sind. Selbst wenn wir die gleichen haben.

Jeder Entscheidungsprozess birgt Risiken. Entscheiden wenige, dann besteht die Gefahr, dass gute Werke hinten runter fallen, weil keiner der Entscheidungsträger sie gelesen hat. Man kann nicht alles lesen. Oder sie entscheiden nach Kriterien, die fernab aller Realität sind.

Entscheiden viele, dann besteht die Gefahr, dass sich Grüppchen bilden und ein Werk gepusht wird, was es an und für sich nicht verdient, ganz oben oder ziemlich oben auf dem Treppchen zu stehen.

 

Man kann versuchen – ob in einer kleinen Jury oder im großen Leserkreis – objektiv zu sein. Schaffen wird man es nie. Jeder Mensch hat Vorlieben oder Nachlieben. Die kann man nicht einfach so ausblenden, so gerne man das auch behauptet.

Ich für meinen Teil höre zum Beispiel gerne Musik, auch wenn ich völlig unmusikalisch bin. Wäre ich in einer Jury oder bei einer Abstimmung dabei…ein Techno-Stück würde es niemals bis ganz nach oben schaffen…oder in die Top 1000, mag es handwerklich noch so gut sein. Techno gefällt mir einfach nicht.

Und bei Büchern ist es doch dasselbe! Darüber zu diskutieren oder gar festlegen zu wollen, nach welchen Kriterien ein Preis vergeben wird, der möglichst objektiv sein soll, gleicht dem Bestreben in einem Atemzug den Streit um des Kaisers Bart zu entscheiden, den Kreis zu quadrieren und die Frage: „Was war zuerst da – Henne oder Ei?“ zu beantworten.

Aus dem Grund finde ich es einfach gut, dass es viele Preise gibt. Einerseits streut sich die Subjektivität dadurch wenigstens ein klein wenig. Andererseits kommen viele in den Genuss „Preisträger“ zu sein (und sind wir doch ehrlich, ist es nicht ein wunderbares Gefühl zu sagen: „Ich habe einen Preis gewonnen!“?). Und schließlich werden dann so manche Unbilden wie „Du hast niemand von uns nominiert – wir nominieren niemand von Dir“ wieder ein wenig relativiert.

Im Übrigen ist mir ein Publikumspreis lieber als ein Jury-Preis. Warum? Ich mochte es schon in der Schule nicht, wenn die „Ein-Mann- respektive Ein-Frau-Jury“ namens LehrerIn meine Deutschaufsätze mit einem Preis in Form einer Note bedachte…die in aller Regel nicht meinen Vorstellungen entsprach.

Also meine Forderung ist: viele Preise nach vielen Kriterien verliehen an viele. So hat dann jeder etwas davon.

 

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Erstellt: 24.06.2008, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31