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Kolumne: Ist die SF noch zu retten?

Autor: Holger M. Pohl

 

Immer wieder einmal stoße ich hier oder dort auf diese Frage. Und frage mich dann, was diese Frage soll. Ich schau mich in den verschiedenen Literatur-Lazaretten auf den Intensivstationen um, entdecke aber keinen Patienten mit Namen SF. Insofern bin ich beruhigt, weil es wohl wieder eine übertriebene Meldung irgendeines Boulevardisten war. Panikmache, Sensationsgier … so etwas in dieser Richtung.

 

Mir kommt dabei immer noch eine weitere Frage in den Sinn – aber das wird schon eine eigene Kolumne wert sein! – und zwar die: Was ist SF überhaupt? Solange es keine allgemeingültige und allseits anerkannte Definition gibt, ist die Ausgangsfrage relativ sinnlos. Aber auch wenn es eine solche Definition gäbe … wäre die Frage wenig sinnbehaftet. Denn wie kann etwas möglicherweise nicht mehr oder doch noch zu retten sein, wenn man nicht einmal genau weiß, was gefährdet ist und gerettet werden sollte?

Man kann natürlich daran glauben, dass die SF rettungslos verloren ist. In dem Fall empfehle ich aber den Umstieg auf ein anderes Genre. Liebesgeschichten haben immer Konjunktur!

 

Die SF muss nicht gerettet werden, weil sie nicht bedroht ist. Sie ist allenfalls im Augenblick etwas zurückhaltend und schweigsam. Sie ist einfach derzeit nicht so obenauf, wie sie es schon einmal war. That’s life! Das Leben besteht aus Zyklen. Es gab Zeiten, in denen die SF das beherrschende Genre der Phantastik war. Alle anderen Genres waren vernachlässigbar. Hat da jemand gefragt, ob diese noch zu retten sind? Ich wüsste nicht, aber selbst wenn … galt für sie, was heute für die SF gilt.

 

Heute und im Augenblick beherrscht eben die Fantasy die Phantastik-Literatur. Wobei es Zungen gibt, die behaupten, dass Vampire der Fantasy bereits ganz schön das Blut aussagen. Möglich, dass die Morgendämmerung des Nachtvolkes begonnen hat und der Fantasy ein Dunkles Zeitalter bevorsteht. Eines Tages sind dann vielleicht wieder Märchen (in moderner Form) angesagt. Wer will das wissen? Wer kann das wissen? Und eines schönen Tages lechzt dann alles wieder nach SF … weil man vom anderen genug hat!

 

Im Übrigen sollte man nicht alles glauben, was uns der Markt so vorgaukelt. Zieht man nämlich einmal die ganz großen Vorhänge beiseite, dann wird man feststellen, dass die SF nach wie vor sehr lebendig ist. Nur vielleicht gerade nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Dort stehen gerade andere Helden. Die SF bereitet sich auf ein neues Stück in einer neuen Kulisse vor. Meine Meinung. Sie muss nicht gerettet werden, weil sie gerade einfach nur übt.

 

Eine gleichgültige Einstellung? Nein! Es ist einfach eine realistische Einstellung. Ich lese und schreibe weiter SF. Und wenn es mir die großen (Verlags-)Theater nicht bieten, was ich möchte, dann schaue ich mich einfach auf den Klein(verlags)bühnen um. Dort werden wunderbare Stücke abgeliefert! Man muss sie einfach nur genießen können ... wenn man kann. Manche sehen aber die Aufführung nicht, weil sie irgendwie ... blind sind.

 

Ich jammere auch nicht darüber, dass SF im Moment keine der tragenden Hauptrollen spielt. Auch Nebendarsteller können einen Oscar bekommen. Es ist im Augenblick einfach etwas ruhiger um den Darsteller SF. Ich versuche für mich das Beste daraus zu machen. Andere ziehen sich ins Jammertal zurück. Dort ist natürlich kein Platz für SF.

 

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Eure Meinung:

ralf, 23.09.2015, 11:00:
Da hast Du absolut Recht!
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Holger M. Pohl

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Erstellt: 28.02.2009, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31