Zurück zur Startseite


 Platzhalter

Kolumne: Preislos glücklich

Autor: Holger M. Pohl

 

Für diese Kolumne hatte ich mehrere Titel zur Auswahl. „Prices? What prices?“ frei nach Supertramp oder „Der Preis war heiß“ oder „Der große Preis“ oder „And the price goes to …“ oder „The nominees are …“ waren unter anderem auch dabei. Ich erstellte eine Vorschlagsliste, nominierte dann und habe schließlich abgestimmt (neudeutsch „gevotet“). Gewonnen hat dann der Vorschlag einer Redaktionskollegin. Natürlich bin ich nun stinkig, dass keiner meiner Vorschläge gewonnen hat …

 

Manchmal habe ich den Eindruck, wenn ich so durch die Foren geistere – entweder weil ich von mir aus unterwegs bin oder nette Links erhalte (und nett ist in diesem Zusammenhang ganz bewusst gewählt) –, dass manche etwas nur deswegen etwas machen, weil sie anschließend einen Preis haben wollen. Oder zumindest auf die Liste kommen wollen, über die man abstimmt. Schaffen sie es nicht, dann finden sie zum einen, dass die Arbeit für die Katz war und stellen sich die Sinnfrage des Lebens. Zum anderen schieben sie es dem schnöden, fehlenden Mammon zu, dass es nichts geworden ist. Und zu guter Letzt unterstellen sie dem Publikum scheinbare – oder unscheinbare – Ignoranz und werfen versteckt mit ehrverletzenden Äußerungen um sich. Kurz gesagt, alle sind daran schuld, nur sie selbst nicht. Zum Glück liest das (schweigende) Publikum vielleicht solche Dinge mit und sagt sich: „OK, wenn ich schon ignorant sein soll … dann bin ich es auch!“ Auf Nichtwiedersehen im nächsten Jahr!

 

Es wird darüber gejammert – und ich liebe Gejammere, bietet es doch ein so wunderbares Unterhaltungspotential und so viele schöne Ansatzpunkte – warum zum Beispiel die SF (oder auch Horror) bei einem Publikumspreis der Phantastik so unterrepräsentiert ist. Nun ja … weil eben. Könnte es vielleicht daran liegen, dass die SF (und auch Horror) im Augenblick nicht ganz so viele Dinge zustande bringen, die sie für ein breites Publikum tauglich machen? Das sagt nun nichts über die Qualität aus ... sondern einfach über Publikumstauglichkeit.

 

Fantasy ist Euch da eine Cyrano-Nasenlänge voraus. Wessen Aufgabe ist es, das zu ändern? Die des Publikums? Die der Vorschlagsmacher? Oder Eure?

Es war schon mal anders. Aber das verdrängt ihr. Weil es Euch gerade nicht in Euer Gejammer passt.

 

Es werden Theorien aufgestellt, ob denn nun ein Mitglied der Macher des Preises denn eines seiner eigenen Werke (oder die seines Verlages) auf diese Vorschlagsliste oder gar die Nominierten-Liste setzen darf. Ist das koscher? Darf der das? Ist das eine Verschwörung? Skandal im phantastischen Sperrbezirk!

Leute, stellt Euch einfach einmal vor, es dürfte für den Oscar nur Filme nominiert werden, zu denen ein Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences keinen wie auch immer gearteten Bezug hat. Was denkt Ihr, wie viele Filme dann hinten runter fallen würden? Vielleicht müsste die Oscar-Verleihung in den wichtigsten Kategorien sogar ausfallen.

Geht doch einfach einmal davon aus, dass die Macher dieses Publikumspreises der Deutschen Phantastik schon versuchen – nach bestem Wissen und Gewissen – objektiv zu sein.

 

Statt den Machern einfach für ihre Arbeit zu danken, die mit Zeit und Aufwand verbunden ist, für die sie keiner bezahlt, statt konstruktive Vorschläge zu machen, was verbessert werden könnte, statt sich darum zu kümmern, woran es an einem selbst liegen könnte, weshalb man nicht zu den Vorgeschlagenen oder Nominierten gehört … statt all dem und noch viel mehr, werden Vorwürfe gemacht und Schuldzuweisungen verteilt. Findet Ihr das lustig? Oder gar fair?

 

Dass die Vorschlagslisten noch nicht das berühmte Gelbe vom Ei sind, haben die Verantwortlichen mittlerweile oft genug gehört. Ich denke, sie werden sich da auch was überlegen (es sei denn, sie sind ignorant, was ich aber einmal zu ihren Gunsten nicht annehme). Aber auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut – genau betrachtet wird daran heute noch gebaut. Also muss man diese Listen eben erst mal so nehmen, wie sie sind.

 

Tut daher einfach etwas dafür, dass Ihr auf diesen Listen erscheint, wenn Euch so viel daran liegt. Jammert nicht – tut! Es ist ein Publikumspreis und Ihr solltet Euch daher zuerst einmal um Euer Publikum sprich Eure Leser kümmern. Das Publikum als solches ist eine träge Masse. Solange es keinen Schubs erhält – und zwar einen positiven Schubs, keine ehrverletzenden Ignoranz-unterstellungen – wird es gar nichts tun, außer still vor sich hinkonsumieren. Qualität reicht bei einem Publikumspreis nicht. Das überzeugt vielleicht Juroren (manchmal). Das Publikum will motiviert werden, Publikum will animiert werden, Publikum will in Bewegung gebracht werden. Ja, ein Publikumspreis lebt davon, dass jene, die den Preis gerne möchten, ihre Wähler aktivieren. Ob Euch das nun passt oder nicht!

 

Also, vergesst irgendwelche Vorschlagslisten und bringt Euer Publikum dazu für EUCH zu voten. Andernfalls müsst Ihr immer damit leben, dass niemand für Euch votet. Und müsst einfach preislos glücklich werden …

 

Und dass Preise in aller Regel nicht objektiv sind, wenn man keine objektiven Kriterien hat … darüber habe ich mich schon einmal ausgelassen: Preise

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*
Platzhalter

Kolumne

Holger M. Pohl

weitere Infos:

Biographie, Bibliographie, Rezensionen und mehr zu Holger M. Pohl


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 19.07.2009, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31