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Kolumne: Holzklasse

Autor: Michael Schmidt

 

Nun, manchmal lebt es sich ganz ungeniert, doch manches Mal tritt doch jemand auf den Plan und nimmt sich den Unterdrückten an. So wird die graue Masse fokussiert und tritt gar in das Mittelpunkt des Interesses.

Qualität ist das Siegel, das es zu Brechen gibt. Die Bruchstelle lautet wie folgt: Ähnlich der Rassentrennung gibt es verschiedene Bereiche. Premiumklasse und Businessklasse, letzteres wird gerade so geduldet. Sozusagen die Dunklen unter den Weißen, ein Achtelschwarzer ist halt nur zu einem Achtel schlecht.

Das hat was, wie früher mit den Bürgersteigen, die nur manche benutzen durften. Oder man muss die Seite wechseln. Wenn die Großkopferten kommen.

 

Worum es eigentlich geht?

 

Nicht um Rassismus, ganz klar. Sondern um Elitedenken. Ein Rotary Club namens Phantastik, indem die Mehrheit geduldet wird, ist sie nicht nur brauchbar, sondern auch dringend notwendig, schließlich fehlt es an der Spezies innerhalb der SF, das ist das Genre, was eigentlich keinen Mangel haben sollte, schließlich ist es in die Zukunft gerichtet. Doch allesamt wird er beklagt: Der Lesermangel. So hilft dem nur eines, die Qualität muss es richten.

 

Wie messe ich Qualität in der Literatur?

 

Ich nehme den Vergleichsmaßstab. Im Kleinen, so teilt uns Eschbachs Kolumne in der neuesten Ausgabe von phantastisch! mit, vergleicht man seinen eigenen, überarbeiteten Text mit der Ausgangsbasis. Dann sieht man, welcher gut ist.

Bei dem Heer der Schreiber untereinander wird es schwerer. Das Genre ist leider breit gefächert und lässt sich nur schwer in eine Schublade pressen, zumal die Schubladen recht unterschiedlich dimensioniert sind. Will der erste eine zünftige Weltraumschlacht, interessiert sich der zweite eher an die weitergedachte Entwicklung aktueller technischer Innovationen. Nun, der dritte gedenkt, der SF zu Nobelpreisehren zu verhelfen, doch muss sich das Genre vorher in die richtige Richtung entwickeln. Dazu nötig sind Texte, die der breiten Masse an SF Lesern unverständlich bleibt. Aber es reicht, wenn es der dritte versteht. Das nennt man Mehrheit in einem begrenzten Umfeld.

 

So zerstritten die Sache klingt, Abhilfe ist längst da, es gibt ja ganz objektive Gremien. Das erste ist von Deutschlands Vereinigung „Zurück in die Zukunft“, diverse Conberichte sprechen Bände. Doch der DSFP, verliehen von einer neunköpfigen Jury, hat den Hang zur Unabhängigkeit, schließlich ist kein schreibendes Wesen beteiligt, die Ergebnisse können sich neben diversen Ausreißern sehen lassen.

Dagegen ist der KLP die Inzucht schlecht hin. SF Profis sind die einzig zugelassenen und nominieren sich gegenseitig, natürlich vollkommen richtig, sind sie schließlich die Weißen und haben damit die Weißheit gelöffelt, doch ob´s der Leser, die schwindende Spezies, die dringend gesucht ist, genauso sieht? Mir scheint, die Mehrheit nicht. Man muss sich nur die KLP Gewinner der letzten dreißig Jahre ansehen, Bestseller sind wohl eher der Zufallstreffer.

Nun, warum diese Worte? Weil ebendiese objektiven Verleihungen als Argument für Qualität genannt werden. Doch sollte man ernsthaft hinterfragen, ob diese Art der Qualität den Leser erreicht bzw. die Jahre überdauert.

 

Nun, da sind wir wieder bei unserer Holzklasse. Die Holzklasse hat natürlich fehlende Qualitätskontrolle, da es bei vielen kein oder kaum Lektorat gibt. Auch ist das Auswahlverfahren nicht vorhanden, wenn der Autor selbst entscheidet, ob er veröffentlicht, ähnlich wie bei BOD, aber auch da gibt es immer wieder Perlen.

In der Holzklasse sind Autoren, die noch am Anfang ihres Weges stehen, deren Mittel beschränkter sind, als man es von der Riege der professionellen Schreiber erwarten muss.

Für wahr!

Wenn auch manches aus der Premiumklasse und Businessklasse leicht von der Holzklasse getoppt wird. Doch ist das nicht der eigentliche Punkt.

 

Der Punkt ist, dass es aus rein menschlichen Gesichtspunkten nicht sonderlich fair ist, pauschal die Heerscharen an hoffnungsvollen und mit Herzblut versehenen Schreibern pauschal und undifferenziert in die Holzklasse zu stecken. Inhaltlich Korrekt ist sowieso nicht.

 

Nun, viel mehr Beachtung sollte man diesem Club der Selbstzufriedenen allerdings nicht schenken. Stattdessen machen wir uns weiter auf, die Holzklasse und das Mittelmaß weiter zu entwickeln, wie die Rückmeldungen zur neuesten SONO Ausgabe bezeugen, sind WIR auf dem richtigen Weg.

 

Ich bin stolz auf meine Holzklasse.

 

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Erstellt: 16.08.2005, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31