Das Tor in die Vergangenheit

Reihe: Das schwarze Auge, Folge 1

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Tobrien im Herbst des Jahres 1020. Devin und seine Mutter sind auf der Flucht vor den Häschern des Dämonenkaisers Galotta. Um ihnen nicht in die Hände zu fallen, flüchten die beiden sich in einen unheimlichen Hain nahe der übel beleumdeten Ruine des Anwesens eines Borbaradianers. Plötzlich taucht eine Harpyie auf und tötet die Mutter in einem dramatischen Kampf. Damit das Monster nicht den Leichnam der Mutter frisst, schleppt Devin ihn durch den Wald. Am nächsten Tag schließt er sich drei jungen Helden an, die vom Edelmann Kronarius für einen geheimnisvollen Auftrag angeheuert wurden. Unterdessen machen sich zwei weniger freundliche Gesellen auf die vier Junghelden zu überfallen, da sie Kronarius Gold selbst einstreichen wollen. Als Devin erfährt, wo es hingeht, wird er misstrauisch: Lag nicht das Anwesen des Borbaradianers genau dort, wo Kronarius residiert? Sollte sich dort nicht eine Ruine finden? Und warum spricht Mitheldin Banjatki davon, dass es gerade Frühling sei?

 

Das Tor in die Vergangenheit ist im Wesentlichen eine für Rollenspiele recht typische Abenteuergeschichte: Da gibt es vier Abenteurer – Helden – die von einem Geldgeber angeheuert werden um ein Problem zu lösen. In diesem Fall zahlt Kronarius dafür, dass sich die Helden sich um den in einer nahen Höhle hausenden Schwarzmagier kümmern (vulgo: töten). Zu diesem Strang gehören natürlich einige physische Konfliktlösungen, aber wo so oft die Anhänger Borbarads heraufbeschworen werden, spielt auch finstere Magie eine Rolle.

Doch es gibt noch eine weitere Spannungsquelle: Was stimmt nicht mit Kronarius? Die Frage, warum Banjatki vom Frühling spricht, wo es doch Herbst ist, und manches als schöne alte Geschichte eingestuft wird, ist dagegen schnell geklärt (der Titel deutet es schon an): Devin wird ins Jahr 916 zurückgetragen. Sinn und Zweck dieser Zeitreise ist mir allerdings unklar, da diese weder als großes Wunder dargestellt wird, Zeitparadoxa nicht entwickelt werden und es zudem auf keiner Seite überlegenes Wissen gibt, bleibt es letztlich ohne Konsequenz. Vielleicht wird darauf in einer der folgenden Folgen noch eingegangen. Überhaupt bleibt in dieser Folge einiges unklar. So gibt es einige Begegnungen, die an das Ergebnis eines Wurfes auf der Tabelle für Zufallsbegegnungen denken lassen, ja ein ganzer Erzählstrang bleibt unverknüpft – so fehlt es vielen Ereignissen zumindest vorerst an tieferer Bedeutung.

Als letzte Spannungsquelle sei noch der Humor genannt. Hier setzt man in erster Linie auf eine leicht zugängliche Situationskomik, vor allem auf die Widersprüche, die entstehen, wenn die Figuren eine großspurige Ankündigung machen, dann aber aufgrund ihrer negativen Charaktereigenschaften scheitern. Bisweilen wird dieses auch durch Understatement erreicht: Als einer Figur ein schreckliches, dämonisches Ding aus dem Leib wächst, meint ein Mitstreiter, dass ihm das aber gar nicht gefalle. Ob das als komische Szene geplant war, weiß ich allerdings nicht zu sagen. Zur komischen Seite sollen wohl auch die kleinen, andauernden (für Rollenspieler-Gruppen typischen) Zänkereinen gehören.

Die für DSA-Fans nicht unbekannte Linda Budinger zeichnet sich für den Inhalt verantwortlich.

 

Die Figuren sind recht flache Typen, die zumeist nur eine Eigenschaft haben, selten zwei. Eigenwillig mutet die Sprecherauswahl an. Es gibt neun größere Rollen. Von diesen sind zwei mit Neulingen besetzt: Björn Ahrens, der den brummigen und zurückhaltenden Jannos spricht, ist mir völlig unbekannt, und Thomas Klotz, der den arroganten und ungeduldigen Harsim spricht, ist sonst eher aus Musicals wie Dirty Dancing bekannt. Die anderen sieben Sprecher sind alle an der Vertonung von Hörspielen des Labels Lausch beteiligt, zumeist an der D&D-Reihe Drizzt, vielfach aber auch an Die Schwarze Sonne oder CAINE. Die beiden anderen Junghelden werden ebenfalls von eher unbekannten gesprochen: Jonas Zumdohme gibt den misstrauischen aber aufrechten Devin, während Annabella Krieg die wankelmütige, aber herzensgute Banjatki vorstellt. Die wichtigeren Nebenrollen werden nun zwar nicht unbedingt hochkarätig, aber durchaus mit Veteranen besetzt. Peter Groeger darf dieses Mal nicht inszenieren, sondern spricht den Erzähler, und der Schauspieler Kurt Glockzin den Meckerdrachen Ferrus. Wolf Frass verleiht dem mysteriösen Kronarius seine Stimme. Sieht man von den Junghelden, hier besonders Klotz und Ahrens, ab, die manchmal etwas gekünstelt klingen, machen die Genannten ihre Sache recht anständig, wenngleich es an Esprit fehlt. Der NDR-Sprecher Jürgen Holdorf und Katinka Springborn, die die Schurken Travian und Casta sprechen, ragen hier etwas heraus, unglücklicherweise in beide Richtungen: Besonders wenn Casta lacht, klingt das völlig überzogen, wie die böse Hex' aus dem Märchen; im normalen oder leicht angespannten Gesprächssituationen sprechen die beiden dagegen mit Elan und durchaus nuanciert.

 

Die Inszenierung ist recht altmodisch geraten. So kommentieren die Figuren ständig, was sie sehen oder machen. Kämpfen nimmt man so den Schwung und die Wirkung. Die Ereignisse werden unaufdringlich mit einer angemessenen Geräuschkulisse unterlegt; gerade bei Kämpfen wäre es hilfreich, würde man die Geräusche mehr für sich selbst sprechen lassen. Auffälliger ist die musikalische Begleitung. Hier verwendet man eine Mischung aus mittelalterlichen Klängen und Filmmusik; wer die alten DSA-Computerrollenspiele wie Schicksalsklinge, Sternenschweif etc. kennt, dem wird der Stil bekannt vorkommen. Wie bei einem Computerspiel sind beinahe ständig Musikstücke im Hintergrund zu hören. Auch hier wäre weniger mehr gewesen.

 

Fazit:

Nach dem Tod seiner Mutter wird der flüchtige Devin in die Vergangenheit geschleudert und dort schließt er sich einer gedungenen Heldengruppe an, die im Auftrag des mysteriösen Kronarius einem finsteren Magier auf den Zahn fühlen soll.

Wer ein DSA-(Rollenspiel-)Abenteuer hören will und sich nicht an der altmodischen und etwas uninspirierten Inszenierung stört, wird mit Das Tor in die Vergangenheit vielleicht zufrieden sein.

 

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Titel: Das Tor in die Vergangenheit

Reihe: Das schwarze Auge 1

Produzent: Lausch – Phantastische Hörspiele

Label: Europa

Sprecher (Auswahl): Peter Groeger, Jonas Zumdohme, Thomas Klotz, Anabella Krieg, Björn Ahrens, Kurt Glockzin, Jürgen Holdorf, Katinka Springborn

Erschienen: September 2008

Umfang: 1 CD, ca. 56 min

Asin: B001CGTZZ2

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 29.04.2019 09:41 | Users Online
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