Der eisige Schatten von Thomas Finn

Reihe: Die Chroniken der Nebelkriege Band 2

 

Rezension von Valentino Dunkenberger

 

Mit Das unendliche Licht erschien im Ravensburger Buchverlag im Juli 2006 der Auftaktband zur Fantasy-Trilogie Die Chroniken der Nebelkriege, die aus der Feder des deutschen Autors Thomas Finn stammt und die Leser und Kritiker gleichermaßen von den ersten Seiten an überzeugen und in ihren Bann ziehen konnte. Doch noch hat der junge Irrlichtjäger Kai längst nicht alle seine Abenteuer überstanden, denn seine fantastische Reise geht weiter und führt sowohl Protagonisten als auch Leser im zweiten Band, Der eisige Schatten, mitten hinein ins magische Reich der Feenkönigin Berchtis.

 

Während der kleine Zauberer Magister Eulertin in einem Däumlingsdorf weilt, versucht sich dessen Lehrling Kai heimlich an einem magischen Experiment. Er möchte einen wärmenden Körper herstellen, den er der jungen Elfe Fi schenken kann, für die Kais Herz im Stillen schlägt. Da erscheint ihm die Feenkönigin Berchtis und kündigt eine Versammlung all jener an, die ihr im Kampf gegen die dunkle Nebelkönigin Morgoya zur Seite stehen wollen. Kai spielt eine ganz besondere Rolle in diesem Kampf, ist er doch die Letzte Flamme, der letzte verbliebene Feuermagier, der Morgoya nicht zum Opfer gefallen ist. Kai beschließt, Magister Eulertin im Däumlingsdorf aufzusuchen und ihm die Mitteilung Berchtis’ zukommen zu lassen, doch bevor es dazu kommt, bergen Fi, Kai und der alte Seekobold Koggs ein seltsames, vereistes Schiff, dessen Besatzung sie tot auffinden. Einzig der Elf Gilraen hat den Angriff von Morgoyas Schergen, dem das Schiff augenscheinlich ausgesetzt war, überlebt – doch wieso sollte Morgoya diesen Elfen verschonen? Kai misstraut Gilraen vom ersten Augenblick an. Könnte es sein, dass er ein Spion der Nebelkönigin ist? Ausgeschickt, um die Pläne auszukundschaften, die die freien Völker gegen sie schmieden? Oder rührt Kais Misstrauen lediglich daher, dass Gilraen und Fi sich kennen und Fi ihn sogar als ihren Freund und Vertrauten bezeichnet? Kai muss sich wohl oder übel damit abfinden, in der Begleitung Gilraens zu Magister Eulertin aufzubrechen, um ihm von der Erscheinung Berchtis’ zu berichten. Dieser erkennt den Ernst der Lage und entscheidet, dass man keine Zeit mehr verlieren und sofort ins Reich der Feenkönigin aufbrechen müsse. Doch die Reise dorthin erweist sich als schwer und gefahrvoll...

 

Bereits „Das unendliche Licht“, der erste Band der „Chroniken der Nebelkriege“, konnte man ohne Bedenken als gelungenes Stück deutscher Phantastik bezeichnen, doch mit „Der eisige Schatten“ übertrifft sich der Autor Thomas Finn – sofern das überhaupt geht – selbst. Der zweite Band seiner ersten Jugendbuch-Trilogie ließt sich nicht nur wunderbar flüssig und angenehm, er strahlt gleichzeitig auch eine sehr ruhige und intensive Kraft aus, die in ihrer Art hervorragend zur gesamten Atmosphäre der Geschichte passt und ihren Charakter und ihren Ausdruck sehr bereichert. Auch der Ideenreichtum scheint Thomas Finn nach dem Auftakt nicht ausgegangen zu sein – im Gegenteil: In „Der eisige Schatten“ führt der Autor seinen Leser an viele verschiedene, neue wie altbekannte Orte, die er mit einer Detailverliebtheit beschreibt, dass sie vor dem inneren Auge wahrhaftig lebendig und plastisch werden. Die Hafenstadt Hammaburg, Koggs’ Schiff, eine alte Zwergenstadt, ein Däumlingsdorf, das Feenreich – jedem Ort verleiht Finn seinen ganz individuellen und charmant-charismatischen Charakter, den er mit sehr präzisen und bedacht gewählten Worten heraufzubeschwören weiß. Hinzu kommen zahlreiche fantastische Gestalten und Figuren – Charaktere, die dem Leser bereits in „Das unendliche Licht“ ans Herz gewachsen sind, treten wieder auf, neue Personen und Wesen werden eingeführt und gekonnt in den Kontext der Geschichte eingebunden und nicht zuletzt gewinnen sowohl Berchtis als auch Morgoya – die im ersten Band eher noch im Hintergrund agierten – eine tiefere Persönlichkeit.

Mit einem Umfang von stolzen 506 Seiten garantiert „Der eisige Schatten“ eine lang anhaltende Lektüre, die nicht nur der jugendlichen Zielgruppe der Trilogie, sondern auch älteren Lesern sehr viel Vergnügen beschert. Und während „Harry Potter“ mittlerweile sowohl in einer Kinder- als auch einer Erwachsenen-Ausgabe erscheint, kann „Der eisige Schatten“ eine wundervolle Coverillustration aufweisen, die eine solche Aufteilung in unterschiedliche Editionen vollkommen unnötig macht. Denn die majestätischen, eisigen Türme, die sich elegant zu einer dunklen Wolke hinrecken, können sicherlich nicht nur die jugendliche Leserschaft des Buches überzeugen, sondern machen auch ältere Leser neugierig auf den Inhalt dieses wunderbaren zweiten Bandes der „Chroniken der Nebelkriege“.

 

Fazit:

Schön, dass in den letzten Jahren verstärkt Wert darauf gelegt wurde, deutsche Fantasy-Autoren zu fördern und zu publizieren. „Der eisige Schatten“ ist eines jener Bücher, die beweisen, dass auch im deutschsprachigen Raum wunderschöne Perlen des fantastischen Genres zu finden sind, und garantiert seinem Leser atmosphärisches, spannendes und überaus einfallsreiches Lesevergnügen.

 

Hinweis:

Der dritte und abschließende Band der „Chroniken der Nebelkriege“ wird den Titel Die Letzte Flamme tragen und voraussichtlich im September 2007 im Ravensburger Buchverlag erscheinen.

Eure Meinung:

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Sternchen
Montag, 02. Juli 2007 23:17 Uhr
Einfach nur cool! Sogar irgendwie noch besser als Teil1. Bin schon sehr gespannt auf den dritten Band.

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Buch:

Der eisige Schatten

Reihe: Die Chroniken der Nebelkriege Bd.2

Autor: Thomas Finn

Ravensburger Buchverlag, März 2007

Gebundene Ausgabe, 505 Seiten

ISBN-10: 3473352691

ISBN-13: 978-3473352692

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 26.11.2019 17:39 | Users Online
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