Der silberne Kessel von Charlotte Fondraz

 Rezension von Christel Scheja

Charlotte Fondraz lebt heute mit ihrer Familie in Bordeaux, es zieht sie aber auch immer wieder in ihre Heimat Bremen zurück. Sie verfasst gerne historische Romane mit starken Frauenfiguren und Verbindungen zu Mythen und Sagen der Völker. Das ist auch gut in ihrem neusten, exklusiv bei Weltbild erschienenen Roman Der Silberne Kessel zu erkennen.

Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnungen leben auf der kimbrischen Halbinsel viele verschiedene Germanenstämme aber auch Händler, Reisende und Vagabunden. Selbst die Römer strecken nun ihre Hand aus, nachdem sie bereits so weit in den Norden vorgestoßen sind. Und wenn sie nur als Söldner für einen Stamm dienen, um einen Handelsplatz zu schützen.
Aber einige sehen Gefahr in den Männern aus dem Süden, die vor allem Frauen mit Füßen treten, so wie die Druidin Busla und die Kriegerin Erkenhild. Da scheint ihnen ein heiliger Gegenstand gerade recht, um sich gegen die Feinde zu schützen, auch wenn der Heerkönig Thorwaldshunt zögert … doch warum?

Die Geschichte dreht sich um den geheimnisvollen Kessen von Gundestrup, der 1891 im einem jütländischen Torfmoor wiedergefunden wurde und seither die Menschen durch die in die silbernen Platten eingearbeiteten Bilder inspiriert. Fest steht nur, dass er mehr als zweitausend Jahre alt ist, aber welchen Zwecken er diente, das kann bis heute nur vermutet wurde.
Die Autorin spinnt deshalb eine spannende Geschichte mit selbstbewussten und starken Frauen um den Gegenstand. Denn sie räumt mit den Vorurteilen auf, das im germanischen Dänemark nur Männer das Sagen hatten und Frauen an den Herd und zur Kinderbetreuung gut waren.
Zugleich erlaubt sie sich die Freiheit, auch die Römer mit einzubringen, auch wenn sie keine Spuren hinterlassen haben. Aber in dem Rahmen, in dem sie diese einbringt, könnte es durchaus möglich gewesen sein – immerhin sind auch kurzfristige römische Siedlungen und Handelsplätze im germanischen Mitteldeutschland gefunden worden, weitab vom Limes.
Die Geschichte dreht sich um ein paar Personen, eine Druidin, die ihre Macht missbraucht, um persönliche Rache zu nehmen und ihre Position zu verlieren, wie auch einen Heerkönig, der sich ebenfalls an seine Position klammert und nicht bereit ist, klein beizugeben und durch Leidenschaft in böse Intrigen verstrickt.
Und nicht zuletzt gab es auch schon in dieser Zeit fahrendes Volk, die nicht nur friedlichen Handel betrieben oder ihre Kunst feilboten, sondern durchaus auch zu Verbrechen hinreißen ließen.
Durch die vielen Einzelschicksale spinnt sie einen farbenprächtigen kulturellen Teppich, der eigentlich den Reiz des Buches ausmacht. Denn so spannend und dramatisch die Handlung auch ist, zum Ende hin zerfasert sie leider, da es die Autorin nicht schafft, die Fäden ganz sauber miteinander zu verbinden und offene Fragen zu beantworten. Und auch einige der Figuren verlieren nach und nach ihren Reiz und ihre Tiefe.
Die phantastischen Elemente sind eher zu vernachlässigen, auch wenn Mystik selbst eine sehr wichtige Rolle in der Geschichte spielt.

Fazit:
»Der silberne Kessel« macht zumindest was den Zeit- und Lokalkolorit angeht, keine Fehler, denn der Hintergrund ist lebendig und facettenreich geschildert, ebenso wie die Dynamik zwischen den Figuren. Bei der Handlung selbst gibt es allerdings ein paar Schwächen, da gerade zum Ende hin einige Figuren und deren Motive sehr an Kraft verlieren und der Kessel selbst keine besondere Bedeutung mehr spielt.

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zuletzt aktualisiert: 07.08.2022 15:53 | Users Online
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